Jahresgespräch mit Bürgermeister Rudolf Kürner Hoffen auf den Schäferlauf

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Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Stadt Markgröningen hat 2020 viel investiert, musste jedoch auch hohe Einnahmeverluste bei kommunalen Steuern hinnehmen.

Seit 1990 lenkt Bürgermeister Rudolf Kürner die Geschicke der Stadt Markgröningen. Mit der BZ spricht er über das vergangene Jahr, das auch in Markgröningen sehr durch die Corona-Pandemie geprägt war. 2021 stehen in Markgröningen einige Großprojekte an.

Wie fällt Ihre Gesamtbilanz für das Corona-Jahr 2020 aus?

Kulturell und sportlich war das Coronajahr 2020 eine Katastrophe. Alle Veranstaltungen der Stadt, allen voran der Schäferlauf, und alle Veranstaltungen der Vereine mussten ausfallen. Dazu gehören Vereinsjubiläen wie beispielsweise 125 Jahre Schwäbischer Albverein, 100 Jahre Musikverein Unterriexingen und Stadtkapelle Markgröningen und 70 Jahre Landfrauenverein, es war kein Übungs- und Spielbetrieb möglich. Daraus resultieren letztendlich hohe Einnahmeverluste für die Vereine.

Was waren im Jahr 2020 die wichtigsten Investitionen?

Die Sanierung des Betriebshof-Bürogebäudes mit 200 000 Euro, die Beschaffung von E-Fahrzeugen für die Verwaltung und den Betriebshof mit 96 000 Euro.

Die Erstellung von barrierefreien Bushaltestellen mit 225 000 Euro. Die Gesamtkosten betragen 900 000 Euro, dazu kommt ein Landeszuschuss in Höhe von 400 000 Euro. Die Fertigstellung dieser Maßnahme ist bis 2023 vorgesehen. Die Straßenbaumaßnahmen „Am Feldle“ in Talhausen und Kirchhalde in Unterriexingen mit 105 000 Euro waren ebenfalls wichtige Investitionen, wie die Planung des Kita-Neubaus auf dem Glemstalareal in Unterriexingen. Hinzu kommt ein neues HLF 20-Fahrzeug für die Freiwillige Feuerwehr. Die Umrüstung auf den Digitalfunk der Feuerwehr kostet rund 62 000 Euro.

Wie hat sich durch Corona die Haushaltslage zum Jahresende geändert?

Es gab hohe Einnahmeverluste bei den Kommunalsteuern, inklusive Gewerbesteuer, beim Anteil an der Einkommensteuer und der Vergnügungssteuer sowie Gebührenausfälle durch geschlossene Kitas und Veranstaltungshallen. Die sofortige Gegensteuerung durch eine Haushaltssperre, die Bildung einer Haushaltstrukturkommission sowie die Streichung und Verschiebung zahlreicher Vorhaben waren notwendig. Dadurch war annähernd ein normaler Jahresabschluss erreichbar. Auch dank der Rettungsschirme von Bund und Land.

Wie schätzen Sie die Aussichten für 2021 ein?

Der Haushalt ist mit einem Defizit von 5,3 Millionen Euro eingebracht. Das Jahr 2021 dürfte noch einigermaßen gut bewältigbar sein, weil die Stadt noch über rund 7 Millionen Euro liquide Mittel auf der hohen Kante hat, diese werden jedoch 2022 auf die Mindestrücklage abschmelzen. Die Jahre 2022 und 2023 werden sehr schwierig.

Was sind die wichtigsten Projekte im neuen Jahr?

Dazu zählen die Planung und der Baubeginn der Kindertagesstätte Nonnenpfad mit Essensversorgung mit Baukosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro, die Fertigstellung der Kindertagesstätte im Komplex Rossmann sowie die Einweihung von zwei neuen Natur-Kitas, die privat betrieben werden, aber im Bedarfsplan der Stadt enthalten sind. Hinzu kommt die Planung einer Kita mit einem privaten Investor in Markgröningen.

Ebenfalls wichtig sind die Neugestaltung des Kirchplatzes, der Bau zahlreicher neuer Wohnungen an der Ecke Grabenstraße/Münchinger Straße, am Benzberg (Glaserareal), an der Ecke Grabenstraße/Graf-Hartmann-Straße, an der Esso-Tankstelle und in der Helenenstraße. Die Weiterentwicklung eines neuen Wohngebietes auf dem Ziegeleigelände, die Sanierung der Sporthalle 1, der Digitalpakt Schulen mit der Versorgung der örtlichen Schulen mit Glasfaser und die Versorgung des kompletten Stadtteils Unterriexingen mit Glasfaser sind weitere Planungen. Der Planungsbeginn für die Sanierung der Landerngrundschule und die Prüfung von Alternativen stehen an, ebenso der Bau einer Flüchtlingsunterkunft in der Wilhelm-Haas-Straße für 40 Personen für 1,8 Millionen Euro als Ersatzbau für abgewohnte Containeranlage von 1991.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche fürs kommende Jahr?

Dass die Pandemie möglichst bald im neuen Jahr zu Ende sein wird und das wirtschaftliche, kulturelle, sportliche und soziale Zusammenleben in der Stadt wieder anlaufen kann.

Gibt es spezielle Sorgenkinder in Ihrer Gemeinde?

Die Bereitstellung von Kita-Plätzen bereitet derzeit große Sorgen, weil die Entscheidungswege für eine bedarfsgerechte Betreuung viel zu lange dauern.

Findet der Schäferlauf 2021 statt? Was ist da der aktuelle Stand?

Bis jetzt denken wir nicht daran, dass der Schäferlauf 2021 ausfallen könnte. Deshalb werden wir die Planungen so anlaufen lassen, als würde der Schäferlauf normal stattfinden. Darauf setze ich meine Hoffnung.

Vielen Dank für das Gespräch

 
 
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