Jahresgespräch mit Bürgermeister Steffen Bühler aus Besigheim Schul-Neubau steht im Mittelpunkt

Von Michael Soltys
Der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler auf der Weinkanzel am Niedernberg. Von hier aus hat man einen guten Blick auf Besigheim und die umliegenden Weinberge.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Stadt geht ohne finanzielle Vorbelastung in eine Zeit hoher Investitionen. Neben den Schulen solle es auch mit den Planungen für den Enzpark im nördlichen Teil weitergehen.

Corona hat im Jahr 2020 die Arbeit auf dem Rathaus in Besigheim in vieler Hinsicht überlagert. Er habe dieses „allumfassende Thema als belastend empfunden“, sagt Bürgermeister Steffen Bühler. Auch die kommunale Ebene habe sich als Krisenmanager bewähren müssen, vor allem bei der Organisation der Impfungen. Auf dem Rathaus selbst gab es zwar einige Ausfälle als Folge der Pandemie, aber deshalb musste keine Abteilung ganz geschlossen werden. In der Corona-Zeit sei der Anteil an Arbeit im Homeoffice stark gestiegen, das werde dauerhaft bleiben, sagt Bühler.

Was den Bürgermeister beschäftigt, sind die möglichen Folgen der jetzt fast zwei Jahre dauernden Pandemie-Krise: Bei den Vereinen fehlt es an Kontinuität, Chöre können nicht proben. Wie entwickelt sich das, fragt er sich? Wie geht es mit dem Ehrenamt in Vereinen und Organisationen weiter? Welche Entwicklung nimmt die Innenstadt, wenn Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt, fehlen?

Eröffnung verzögerte sich

Mit dem Verlauf der städtischen Projekte ist der Bürgermeister insgesamt zufrieden. Und das trotz der Verzögerungen bei der Eröffnung des Südparks. Schuld daran waren einerseits Schwierigkeiten bei der Lieferung von Material und Ausrüstung, aber dies sei „eine Erscheinung dieser Zeit“, sagt Bühler. Auch einige Firmen seien in die Kritik geraten, weil sie nicht genügend Mitarbeiter auf der Baustelle hatten. Auch dafür zeigte Bühler Verständnis. Firmen haben Mitarbeiter in den Urlaub gehen lassen, die zum Teil seit einem Jahr nicht nach Hause in ihre Heimatländer durften. Glücklicherweise sei der Park mit dem neuen Spielplatz und der Brücke im Herbst noch bei gutem Wetter eröffnet worden und werde seitdem von der Bevölkerung gut angenommen, freut sich der Bürgermeister.

Mit dem Baukran am Altbau der Friedrich-Schelling-Schule sei das nächste Projekt der Stadt sichtbar geworden, das Verwaltung und Gemeinderat für einige Jahre binden werde. Die Rede ist von der Erweiterung und vor allem vom Neubau des Schulgebäudes, das mit 18 Millionen Euro veranschlagt sei. Im Verlauf des neuen Jahren, so die aktuellen Planungen, werde der Mittelbau aus den 1950er-Jahren abgerissen und mit dem Neubau begonnen. Vorher seien Entscheidungen nötig gewesen, wie die Kinder in dieser Zeit untergebracht werden. Der Kauf von Schulcontainern schlägt im Haushalt des neuen Jahres immerhin mit mehr als 3,1 Millionen Euro zu Buche.

Er hoffe, dass diese Container auch pünktlich geliefert werden können. Sie werden, wie vom Gemeinderat gegen den Willen von Stadtverwaltung und Schulleitern beschlossen, nahe der Neckarhalle aufgestellt. Und zwar für etwa neun Jahre. Denn nach dem Neubau der Primarstufe geht es gleich weiter mit der Sanierung der Realschule und darauf mit der Sanierung des Gymnasiums. Dass die Wahl des Standort nach langer Diskussion gegen seine Stimme und die der Schulleiter gefallen sei, empfindet Bühler nicht als Niederlage. Wichtig sei es gewesen, eine Entscheidung zu treffen.

Ohne Vorbelastung

Nur gut, dass angesichts der hohen Investitionen die Finanzen der Stadt gut geordnet sind. Die finanzielle Unterstützung von Bund und Land habe dafür gesorgt, dass die Stadt im vergangenen Jahr „gut durchgekommen“ sei. Auch wegen  Nachzahlungen an Gewerbesteuer sei es in der Summe „besser gelaufen als geplant“. Weder aus dem Jahr 2020 noch aus 2021 bestehen deshalb finanzielle Vorbelastungen, hebt Bühler hervor.

Das ist für ihn umso erfreulicher, als die Stadt im Jahr 2022 und auch in den Folgejahren Kredite aufnehmen müsse, um die Investitionen zu stemmen. Allein im Haushalt 2022 sind neue Schulden in Höhe von sieben Millionen Euro eingeplant, „soviel wie noch nie“, so der Bürgermeister. Er hält dieses Vorgehen für gerechtfertigt, denn der Bau und die Sanierung von Schulen sei eine „generationenübergreifende Aufgabe“. Auch für die Digitalisierung in den Schulräumen wird die Stadt erneut Geld ausgeben. Eingeplant sind 165 000 Euro.

Im Südpark können die letzten Arbeiten abgeschlossen werden. Für den Nordpark in Richtung Radsportheim werden die ersten Planungen in Gang gesetzt. Dabei zeichnet sich in der Stadt bereits ein Konflikt um den Bau einer weiteren Brücke über die Enz etwa bei der Stadthalle Alte Kelter ab. Durch eine solche Brücke könnte die Altstadt auf direktem Weg mit dem Bahnhofsgebiet verbunden werden. Das Regierungspräsidium befürworte diesen Vorschlag, hebt Bühler hervor, ein Zuschuss in Höhe der Hälfte der Kosten sei möglich.

 
 
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