Jahresgespräch Walheim Konfliktreiches Jahr und die Hoffnung auf ein besseres 2023

Von Frank Ruppert
Tatjana Scheerle, Bürgermeisterin von Walheim, hatte 2023 einige Konflikte in der Gemeinde auszustehen. Einige umstrittene Themen bleiben auch 2023. Foto: /Oliver Bürkle

Klärschlamm, Baustellen, ein neues Gewerbegebiet und ein sicherer Schulweg zählen zu den großen Themen 2022 in Walheim. Bürgermeisterin Tatjana Scheerle geriet bei den teils hitzigen Diskussionen selbst in die Schusslinie und wünscht sich für das nächste Jahr mehr Verständnis für andere Meinungen.

Die Gemeinde Walheim hat im vergangenen Jahr viel zu bewältigen gehabt. Im BZ-Jahresgespräch bezieht Bürgermeisterin Tatjana Scheerle Stellung.

Frau Scheerle, hinter Walheim liegt ein abwechslungsreiches Jahr und hinter Ihnen eine Reihe kontroverser Themen, die ins nächste Jahr hineinreichen. Heißestes Thema war wohl die geplante Klärschlammverbrennungsanlage. Wie blicken Sie nun auf die Auseinandersetzungen im und mit dem Gemeinderat, der Gemeinde und mit EnBW zurück?

Tatjana Scheerle: Dieses Thema wird uns auch im kommenden Jahr beschäftigen. Jeder hat seine eigene Meinung und auch andere Rechtsauffassungen. Ich hoffe darauf, dass in der Zukunft unterschiedliche Meinungen und Auffassungen wieder akzeptiert werden und persönliche Angriffe aufhören. Egal ob gegen mich, die EnBW oder untereinander. Es bringt nichts, wenn man nur seine Meinung hat und vertritt.

Stark betroffen war Walheim auch von der Baustelle B27-Brücke. Sind Sie zufrieden damit, wie es während der Bauphase ablief und nun mit dem Ergebnis? Wie blicken Sie auf diese Bau-Phase zurück?

So eine Baustelle wünsche ich den Walheimerinnen und Walheimern so schnell nicht noch einmal. Zudem zur gleichen Zeit auch noch zwei Straßensanierungen im Ort stattgefunden haben. Es wurde einem erst bewusst, wie viel Verkehr täglich auf der Strecke fährt. Wir alle waren betroffen und standen oftmals im Stau. Ich verstehe aber auch, dass es bei einem solchen Projekt zu Verzögerungen kommen kann. Was aber in Zeiten der Weinlese leider nicht gut war. Die Brücke selbst sieht gut aus. Jetzt warten wir noch auf die Straßenbeleuchtung, welche Lieferverzögerungen hat, und dann auf die ersehnte Radwegunterführung. Ich denke, dann sind wir alle wieder entschädigt für die Einschränkungen, die wir hatten.

Das neue Gewerbegebiet Benzäcker wurde auch auf den Weg gebracht. Auch hier gab es Gegner, die dagegen auf die Barrikaden gegangen sind. Wie bewerten Sie das Projekt und auch den Bürgerentscheid?

Die Mundelsheimer haben entschieden, dass sie das Gewerbegebiet möchten. Wir werden nun sehen, welche Kommunen dem neuen Zweckverband beitreten. Ich habe auch Bedenken, hauptsächlich zum Verkehrsaufkommen. Das Chaos hatten wir ja schon, bei der Sperrung der B 27. Und wenn dort dann viele Arbeitsplätze geschaffen werden, kann ich mir schon vorstellen, dass dies regelmäßig zu Problemen führen kann.

Wann das Gebiet erschlossen wird oder vielleicht auch nicht, werden wir sehen. Schließlich ist viel Grunderwerb zu tätigen.

Beim Thema Sicherer Schulweg schießen Anwohner des Falkenwegs gegen die Gemeindeverwaltung und werfen ihr Untätigkeit vor. Wie gehen Sie damit um?

Bereits am Anfang meiner Amtszeit hatte ich Gespräche mit den Anwohnern, die nun zur Presse gingen. Bereits damals wurden meine Ideen abgelehnt, wie zum Beispiel diese genannten Bügel. Jetzt sei diese auf einmal gewünscht. Wir haben erst im Sommer ein Gespräch angeboten. Dies wurde von der Anwohnerin aber abgelehnt.

Es gibt kein gegenseitiges Verständnis für die Situation im Falkenweg. Schließlich sind die Mitarbeiter der angrenzenden Firma früher anders auf den Parkplatz gefahren und das will man wieder. Man kann auch nicht erwarten, dass keiner mehr durch „seine“ Straße fahren darf. Der Falkenweg wurde mal als verkehrsberuhigter Bereich im Bebauungsplan vorgesehen. Sie wurde damals aber so nie geplant und gebaut. Und wo ich die Anwohner auch verstehen kann, ist, dass damals Mülleimerplätze eingerichtet und bezahlt werden mussten, zwischenzeitlich das Müllauto aber nach hinten zum Gewerbebetrieb fährt. Aber solche Entscheidungen trifft nicht die Gemeinde Walheim.

Was war für Sie das Highlight des zurückliegenden Jahres?

Zu sehen, welch tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ich habe.

Was lief 2022 aus ihrer Sicht nicht so gut?

Zu Beginn des Jahres gab es Corona noch und die Einschränkungen, dazu kam der Krieg in der Ukraine und die Flüchtlingswelle. Zu all dem hatten wir innerhalb des Rathaus (unter anderem durch einige Schwangerschaften) einiges an Personalwechsel. Wir mussten erst zueinander finden. Dazu bin ich noch ausgefallen. Aber wir sind nun auf einem guten Weg, um im kommenden Jahr mit den neuen Aufgaben fertig zu werden.

Wie blicken Sie nun auf 2023?

Ich freue mich auf das kommende Jahr. Ich hoffe auf ein Jahr, welches man planen kann. Ich freue mich auch auf das erste Neckarfest in meiner Amtszeit.

Welche Themen werden im kommenden Jahr wichtig?

Die Ansiedlung eines Nahversorgers ist das Hauptthema. Die Fertigstellung der Sanierung der Grundschule am Baumbach sowie die Einrichtung eines neuen Kindergartens. Es werden sicherlich weitere Themen im Bereich der Stadtentwicklung auf uns zukommen. Und ich denke auch, dass das Thema Flüchtlinge die Verwaltung weiterhin in Atem hält.

Was wünschen Sie sich und der Gemeinden für 2023?

Stabile Finanzen – damit wir unsere Projekte umsetzen können; genügend Personal und eine Pause vom Klapperstorch; ein schönes Neckarfest und auch sonst viele nette Begegnungen mit den Walheimerinnen und Walheimern.

 
 
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