Joachim Kölz, neuer Vorstandschef der Felsengartenkellerei Besigheim „Im Weinmarkt eine wichtige Rolle spielen“

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Joachim Kölz, der neue Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei vor dem Betriebsgebäude der Genossenschaft in Hessigheim.⇥ Foto: Martin Kalb

Joachim Kölz, der neue Vorstandschef der Felsengartenkellerei, setzt auf die Kooperation mit anderen Weinbau-Genossenschaften, um die Stellung im Weinmarkt zu stärken.

Vor drei Wochen hat Joachim Kölz, bis dahin Bürgermeister in Bietigheim-Bissingen, Platz genommen am Schreibtisch der Felsengartenkellerei Besigheim mit Sitz in Hessigheim. In diesen ersten Tagen ging es für den neuen Vorstandsvorsitzenden vor allem darum die Mitarbeiter und natürlich den Betrieb kennenzulernen.

„Ich war viel unterwegs“, sagte Kölz im Gespräch mit der BZ. Kellerwirtschaft, Verkauf und Logistik eines Weinbaubetriebs sind neue Themen für den gelernten Verwaltungsfachmann, der sich zwar seit Jahrzehnten privat mit Wein beschäftigt, aber eben kein Önologe ist. Das Lager und die Verkaufsstelle der Genossenschaft in Ilsfeld hat er bereits ebenso besichtigt wie die Räume der Genossenschaft „Weinfactum“ in Bad Cannstatt, die im Sommer 2019 zur Felsengartenkellerei hinzugestoßen ist.

Mit Umzug noch nicht fertig

In Cannstatt werden aktuell noch technische Anlagen, Tanks und Holzfässer, abgebaut und nach Hessigheim geschafft, wo die Trauben der Cannstatter Mitglieder künftig verarbeitet werden. Es sei noch ein Stück Weg, bis die Marke „Weinfactum“ zu einer hochwertigen Schiene der Felsengartenkellerei aufgebaut sei, machte Kölz deutlich.

Eine besondere Schwierigkeit, sich in die Gewohnheiten einer Genossenschaft einzufinden, sieht Kölz nicht. In seinen zwölf Jahren als Bürgermeister habe er einen engen Kontakt zu seinen Mitarbeitern gehalten. „Das Atmosphärische muss man sich erschaffen“, sagte er. In der Arbeit mit den Gremien sieht er eine seiner Stärken, ob nun im Gemeinderat und in Ausschüssen in der Stadt oder im Umgang mit Aufsichtsrat und Beirat einer Weinbau-Genossenschaft. „Das ist die Kompetenz, die ich mitbringe“, sagte er.

Eines seiner Ziele ist es, in der Zusammenarbeit mit anderen Genossenschaften „für den Weinmarkt eine wichtige Rolle zu spielen“ (siehe Info-Kasten). In Zeiten der Corona-Krise habe der Absatz von Wein im Lebensmittelhandel zwar Verluste an anderer Stelle aufgefangen, „aber es ist schwierig, damit Geld zu verdienen“. Und das schlage sich auch auf die Auszahlungen an die Mitglieder nieder. Für ihre Trauben, die sie im Herbst an die Kellerei anliefern, „bekommen sie viel zu wenig“, machte Kölz deutlich. Mit dem aktuellen Jahrgang 2020 kommen zudem vergleichsweise geringe Mengen auf den Markt, wenn er auch von guter Qualität ist.

In den Steillagen bleibt es bei einer „vorsichtigen Strategie des Sortenwechsels“ und einer Anpassung an den Klimawandel. Ihr Erhalt funktioniere nur in „Zusammenarbeit von vielen“, sagte Kölz: mit Zuschüssen des Landes, mit Programmen der Kommunen und mit der Arbeit und dem Idealismus der Wengerter, die Kulturlandschaft zu erhalten.

 
 
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