Jugendförderung Bietigheim-Bissingen Pandemie-Jugendliche mit Problemen

Von Helena Hadzic
Das Mobbing- und Konfliktpotenzial ist bei Jugendlichen stark angestiegen – wegen der Pandemie-Isolation. Foto: Martin Kalb

Die Bietigheim-Bissinger Jugendförderung „Das Netz“ hat in seinem Jahresbericht die Ergebnisse ihrer Jugendarbeit vorgestellt – das Gewaltpotenzial ist wegen der Pandemie stark angestiegen. 

Während der Pandemie haben die Jugendlichen viele Probleme entwickelt“, sagt  Frank Schneider, Stellvertretender Leiter der Jugendförderung „Das Netz“ in der jüngsten Sitzung des Jugendausschusses im Kronenzentrum.

Gemeinsam mit Leiter Harald Finkbeiner-Loreth hat er in einem Jahresbericht die Ergebnisse der Arbeit mit den Jugendlichen vorgestellt, die ernüchternd sind: Existenzängste, Anstieg von Mobbing, höheres Gewaltpotenzial, Panikattacken, Sozialprobleme, Angstschmerzen und schlicht kein Durchhaltevermögen mehr, wenn es um die Schule oder Bewerbungen geht. „Sogar die einfache Dinge, wie still auf dem Stuhl zu sitzen oder Regeln zu befolgen, stellt eine großer Herausforderung für die Jugendlichen dar“, erklärt Schneider, der auch den Fachbereich „Schulsozialarbeit“ leitet. Das sei erschreckend, meint er.

Mehr Mobbing und Konflikte

Besonders auffällig unter diesen Punkten sei der Anstieg des Mobbing- und Konfliktpotenzials. Viele Jugendlichen wüssten nicht mehr, wie gewisse Aussagen zu verstehen seien. „Ich höre immer oft: ‚wie hat er das jetzt gemeint?’“, so Schneider. es fiele ihnen schwer, Situationen und Gespräche einzuschätzen – die Ursache ist die Isolation von sozialen Kontakten in der Pandemie. „Man hat den Bruch gespürt“, fügt er hinzu. Weiter habe die Gewaltbereitschaft, mitunter gegenüber Lehrern, zugenommen. In diesem Zusammenhang stehe die Schule im Sand.

Dr. Arno Steilner (FDP), fragte, ob das stimmt und ob die Schule im Sand möglicherweise ein „Hotspot“ sei, wenn es um Gewalt und Problemkinder ginge. „Speziell Gewalt gegen Lehrer geht gar nicht, dagegen muss man was tun“, fügte er hinzu. Schneider erwiderte, dass diese Gewalt oftmals von jüngeren Schüler ausgehe. „Gewalt gegenüber Lehrer gab es in den Klassen fünf und sechs, bei älteren Schülern war das nicht der Fall“, setzte Schneider diese Vorfälle in Kontext. Dass die Schule im Sand aber häufiger im Zusammenhang mit Problemkindern stehe, läge daran, dass die Schulverwaltung häufiger Kinder aufnimmt, die an anderen Schulen auffällig geworden sind, erläuterte Schneider. „Das ist aber nichts Schlechtes, sondern sie wollen auch diesen Kindern Perspektive bieten“. Jedoch komme es deswegen auch vor, dass verschiedene und schwierige Charaktere aufeinanderprallen. Finkbeiner-Loreth betonte aber: „Die Schule im Sand ist kein Gewalt-Hot-Spot – es kommt auch anderen Schulen vor“.

Präventive Projekte

Mehrere Projekte haben die Jugendarbeiter seit dem letzten Jahr realisiert. „Die Ausgangssituation hat sich ein wenig verbessert, wir müssen weiter dran bleiben“, sagt Schneider. Eines dieser Projekte beispielsweise sei die gewaltfreie Kommunikation und Konfliktlösung an der Förderschule, durch das die Schüler lernen, Konflikte in der sogenannten „Giraffensprache“ zu verwenden, die darauf abzielt, Bedürfnisse angemessen mitzuteilen – das Gegenteil wäre die vorwurfsvolle und aggressive „Wolfssprache“, in der häufig auch Lehrer kommunizieren, so Schneider. Die Arbeit mit den Jugendlichen sei aber vor allem wegen der Einzelfallhilfe wichtig, in der individuell auf Themen wie Gewalt in der Familie oder psychische Problemen abgedeckt werden. „Jugendarbeit muss immer offen sein“, so Finkbeiner-Loreth. Die Jugendlichen brauchen das Gefühl, dass sie, ob nun in der Schule oder im Jugendhaus, zu jeder Zeit Hilfe bekommen können.

 
 
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