Jugendförderung über das Ende des Jugendtreffs im Buch „Wir hätten nichts anders machen können“

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Vom Robinsonspielplatz aus blickend, sieht man die Nähe zum Jugendtreff Buch. Harald Finkbeiner-Loreth, Leiter „Das Netz“, schließt nicht aus, dass der Treff vielleicht irgendwann wieder als solcher genutzt wird. Doch derzeit gibt es keinen Bedarf.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Harald Finkbeiner-Loreth spricht über die Gründe der Jugendtreff-Schließung.

Seit den Schulschließungen in ganz Baden-Württemberg vor wenigen Wochen sind auch die Jugendhäuser in Bietigheim-Bissingen zu. Doch eines von ihnen wird vermutlich nie wieder als solches seine Türen öffnen: der Jugendtreff im Buch. Die BZ hat nun rund ein halbes Jahr nach der Schließung des Treffs mit Harald Finkbeiner-Loreth gesprochen und den Leiter der Jugendförderung in Bietigheim-Bissingen, „Das Netz“, gefragt, ob sein Team die Schließung hätte verhindern können.

Alles versuchen wollen

„Wir hätten nichts anders machen können“, sagt Finkbeiner-Loreth, „wir sind einfach in einer anderen Zeit.“ Damit meint er nicht etwa die Corona-Krise, sondern die Anforderungen an einen Jugendtreff. „Ein kleiner Treff, wie im Buch, macht heute keinen Sinn mehr.“ Allerdings zeichnete sich das bereits früher ab, im Sommer 2019, als der Treff endgültig schloss, räumt Finkbeiner-Loreth ein. Doch: „Wir wollten es nicht aufgeben.“ Die „Das Netz“-Mitarbeiter und allen voran er als Leiter wollten sich nachher nicht fragen müssen, ob sie den Treff noch hätten retten können und so wurde noch 2016 nach einem Sozialarbeiter gesucht (die BZ berichtete).

Es fand sich Markus Graf, der die letzten Jahre des Jugendtreffs alles versuchte, um diesen attraktiv zu gestalten. Seine Arbeit im Tonstudio half dabei, sich bei den Jugendlichen bekannt zu machen. Als klar war, dass Graf ein Masterstudium anstrebt, sei dies definitiv das Ende des Treffs gewesen, so Finkbeiner-Loreth. Dabei mache er Graf keine Vorwürfe, nur suchte die Stadt bereits davor fast ein Jahr lang nach einem Sozialarbeiter, der im Jugendtreff arbeiten wollte – halbtags. Nicht nur für die Jugendliche sei der Treff nicht mehr interessant gewesen, sondern auch für Mitarbeiter, so der „Das Netz“-Leiter.

Großer Raum mit offener Küche

Um 1996 hat der Jugendtreff im Ortsteil Buch aufgemacht. Damals gab es andere Voraussetzungen in dem noch jungen Wohngebiet. Im Jugendtreff gibt es einen großen Raum mit offener Küche, hier wurde Essen und Trinken angeboten und zusätzlich gab es einen Tischkicker. Viel mehr nicht – doch dafür, so Harald Finkbeiner-Loreth, müssen Jugendlichen nicht zum Jugendtreff. Da finden sie im Jugendhaus 4D mehr, so Finkbeiner-Loreth. Zudem sei das 4D mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gut angebunden an alle Stadtteile. Hier treffen sich viele Jugendliche. Den Jugendtreff im Buch ähnlich auszubauen wie das Jugendhaus 4D, wollte die Jugendförderung nicht. Das wäre eine zu große Konkurrenz in den eigenen Reihen. „Das Personal folgt zudem den Jugendlichen“ und die sind nun mal im 4D. Daher wurde die halbe Stelle des Jugendtreffs im Buch nun auch im 4D angesiedelt, wo sie dringender gebraucht werde. „Im Jugendtreff im Buch waren es letztlich zu wenige Jugendliche, die regelmäßig kamen.“ Denn im Ortsteil leben mittlerweile mehr ältere Menschen als junge. Auch gibt es im Ortsteil keine weiterführende Schule mehr und so orientieren sich die Jugendliche so oder so eher in Richtung Stadt.

Allerdings wurde auch nicht aktiv dafür geworben. „Das müssen wir auch nicht“, sagt der Sozialarbeiter aus Erfahrung. Entwächst eine Generation den Jugendtreffs, folgt schnell die nächste. Was sich jedoch in allen Treffs verändert hat, seien die Öffnungszeiten. „Vor 17 Uhr müssen wir nicht mehr öffnen.“ Grund dafür ist das Ganztagsangebot der Schulen. So verschob sich das Jugendhausleben viel Richtung Wochenende und auch das sei ein Grund, warum es nicht immer leicht sei, Personal zu finden. „Allerdings haben wir 2006 die Selbstorganisation eingeführt und das funktioniert sehr gut.“ Jugendliche, denen die Mitarbeiter ein verantwortungsvolles Verhalten zutrauen, können auch außerhalb der Öffnungszeiten ins Jugendhaus.

Keine Option für Jugendtreff

Für den Jugendtreff im Buch ist das keine Option mehr, doch Harald Finkbeiner-Loreth schließt nicht aus, dass der Treff vielleicht irgendwann wieder öffnet. „Vielleicht ist irgendwann wieder Bedarf. Uns ist derzeit nichts Sinnvolles eingefallen, was wir für Jugendliche mit dem Gebäude machen könnten, was es nicht im 4D gibt.“ Im Moment jedoch hat die Stadt Bedarf an zusätzlichen Kindergartenplätzen und überlegt das Gebäude umzufunktionieren. Wann die Stadt diesbezüglich eine Entscheidung treffen wird, wird sich vermutlich erst Ende des Jahres zeigen.

 
 
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