Jugendrotkreuz-Wettbewerb „Wir sind doch ein ganz gutes Team, wir können einiges“

Von Jonathan Lung
Beim Jugendrotkreuz-Wettbewerb am Samstag in Kirchheim wurden unter anderem die Notfallhilfe der Jugendlichen geprüft. Im Bild eine Gruppe aus Affalterbach. Foto: /Martin Kalb

Beim Jugendrotkreuz-Wettbewerb stellten sich junge Teams aus dem ganzen Kreis den kritischen Schiedsrichtern: im Fokus stand die Gemeinschaft.

Aua“, ruft Finn in der Schule auf dem Laiern in Kirchheim am vergangenen Samstag: Der junge Rotkreuzler ist an diesem Tag selbst das Opfer: beim Klettern ist er gestürzt und braucht Hilfe. Er hat eine Schürfwunde am Handgelenk und das Sprunggelenk ist unbeweglich, hilflos liegt er am Boden. Zum Glück sind seine jungen Teamkollegen, alle fünf aus Hochdorf, gleich vor Ort: „Was ist passiert?“, ist die erste Frage. Dann wird die Ausrüstung gezückt, Verbandszeug abgerollt und zurechtgeschnitten. Daneben sitzen – zwei Schiedsrichter.

Notfallhilfe als Prüfung

Denn die Notfallhilfe ist eine von vielen Stationen, die die Mitglieder des Jugendrotkreuz beim Kreiswettbewerb absolvierten. Diese Station begann schon mit dem Schminken: wie könnten Finns Verletzungen aussehen, musste sich das Team fragen. Dann erste Hilfe leisten und dann noch den Notruf richtig absetzen. „Wir sind nicht da“, war die klare Antwort, als manchmal fragende Blicke zu Betreuern und Schiedsrichtern gingen. Selbstständige Problemlösung war gefragt.

Die Stationen zu unterschiedlichen Themenbereichen waren altersgerecht skaliert, erklärt Kreisjugendleiterin Alena Dörndorfer: je älter die Teilnehmer, desto komplexer die Aufgabe, in diesem Fall die Verletzung. Allerdings arbeiteten die Teilnehmer immer auf Erste-Hilfe-Niveau. Weitere Stationen waren Rotkreuz-Wissen (zum komplexen Hilfeleistungssystem), Sport und Spiel (mit Fokus auf der WM), Kreatives (hier wurde Montagsmaler gespielt), Soziales und noch Zusatzaufgaben.

18 Gruppen in drei Altersstufen traten an, die Altersspanne reichte von sechs bis 15 Jahren. Insgesamt haben sich 110 junge Rotkreuzler aus dem ganzen Kreis auf den Weg nach Kirchheim gemacht. Dazu kamen Betreuer, Schiedsrichter und Küche, insgesamt bevölkerten 160 Personen die Schule auf dem Laiern. „Sehr zufrieden“ sei man wieder mit der Teilnehmerzahl, resümierte die Kreisjugendleiterin, auch wenn es dieses Jahr vier Gruppen weniger waren als im Vorjahr.

„Bunt durchmischt“ seien die Gruppen, das sei gut und auch wichtig. „Zu sehen, das gibt es auch in anderen Ortschaften, es gibt viele von uns – ist für die Jugendrotkreuzler ganz wichtig“, so Dörndorfer. „Sie sehen: Sie haben alle ihren Platz, wie unterschiedlich sie auch sind, jeder hat seine Aufgaben, mit seinen Stärken und Schwächen. Die Erfahrung zu machen: wir sind doch ein ganz gutes Team, wir können einiges und wir ergänzen uns gut, ist schön zu sehen.“ Für die Kreisjugendleiterin und das Team ist die Vorbereitung, Organisation und Nachbereitung kein kleiner Aufwand. Der Aufwand lohne sich aber. Zusammen mit dem Nachtorientierungslauf und der viertägigen Freizeit ist der Wettbewerb das jährliche Highlight der Jugendarbeit.

Finn wurde inzwischen geholfen: Hand- und Sprunggelenk sind verbunden, der Fuß wird zudem gekühlt. Zeit für das ausführliche Feedback durch die Schiedsrichter: Dass die Teilnehmer beim Schminken der Schürfwunde ein intensives Rot wählten, war gut, aber sie hätten die Striemen und eventuellen Dreck der Abschürfung noch intensiver darstellen können. Und auch, dass die Prellung des Fußgelenks sich erst viel später grün-blau verfärbt, wie sie es schminkten.

Vieles richtig gemacht

Das Ansprechen des Patienten, die Fragen nach seinen Verletzungen und sich eventuell verändernden Schmerzen sei aber „prima“ gewesen, und auch, dass von Anfang an Handschuhe getragen wurden. Dass Finn auch weiterhin überzeugend seine Schmerzen mit Stöhnen unterstrich, gab ebenso ein Plus. Eine kurze Wiederholung der eigentlich schon gelernten „PECH“-Regel bei Prellungen war dann doch nötig: zuerst „Pause“, keine weitere Bewegung und Belastung der Stelle, dann „Eis“ zur Kühlung, dann „Compression“ für den Druck und schließlich „Hochlagern“ – das letzte fehlte. So wurde neben dem Punkterwerb auch noch Wissen aufgefrischt.

Den Sieg trugen an diesem Tag bei den Bambinis, den jüngsten Teilnehmern, das Team aus Neckarweihingen-Poppenweiler davon, bei den Älteren der Stufe 1 das Team Affalterbach 2 und bei der Altersstufe 2 das Team aus Kirchheim mit Heimvorteil. Die Sieger gehen weiter auf die Landesentscheide. Im Fokus stand an diesem Tag aber ohnehin die Gemeinschaft und das spielerische Lernen.

 
 
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