Juniorwahl an Ellental-Gymnasien Bietigheim-Bissingen und Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim Der Wunsch ist, mehr gehört zu werden

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Ein Mitglied des Wahlvorstands an den Ellental-Gymnasien prüft, ganz wie bei der richtigen Bundestagswahl, ob der Wähler auch auf der Liste steht. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Schülerinnen und Schüler der Ellental-Gymnasien und des Lichtenstern-Gymnasiums haben am Donnerstag bei der bundesweiten Aktion Juniorwahl zur bevorstehenden Bundestagswahl mitgemacht.

Wie würden die jungen Leute im Land wählen, die noch nicht wahlberechtigt sind? Diese Frage ist vor der Bundestagswahl am kommenden Sonntag besonders interessant. Schließlich wurde diese von unterschiedlichen Seiten zur entscheidenden Zukunftswahl erklärt – vor allem mit Blick auf die Klimakrise. Wo die Unter-18-Jährigen ihr Kreuzchen machen würden, will auch dieses Mal wieder das bundesweite Format der Juniorwahl (siehe Infobox) wissen. Aus dem Kreis Ludwigsburg machen unter anderem die Ellental-Gymnasien in Bietigheim und das Lichtenstern-Gymnasium in Großsachsenheim mit. Die Ergebnisse gibt es aber frühestens mit der „echten“ Wahl am Sonntagabend.

Am Donnerstag gegen 11 Uhr herrscht in der Aula der Ellental-Gymnasien großer Andrang. Eine Klasse nach der anderen strömt zu den fünf Wahlurnen, die dort aufgebaut sind. Insgesamt 800 bis 900 Schülerinnen und Schüler ab Klasse acht sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die 17-jährige Schülerin Aylin Berger steht am Treppenabgang und betont unermüdlich: „Zweimal müsst ihr den Wahlzettel falten.“

Sie gehört zum Leistungskurs Gemeinschaftskunde von Lehrer Markus Wegener. Er hat die Juniorwahl mit den angehenden Abiturienten auf die Beine gestellt. Gewählt wird wie bei den Erwachsenen: mit Original-Stimmzetteln, Personalausweis und Wahlurnen.

Wahl-o-mat als Basis

Ein wichtiges Informationsinstrument war der Wahl-o-mat. Auf der gleichnamigen Internetseite müssen Thesen beantwortet werden. Am Ende spuckt der Wahl-o-mat dann eine Wahlempfehlung aus. Das Wahl-Team der Ellental-Gymnasien hat die Thesen aus dem Wahl-o-mat aufbereitet mit Erläuterungen versehen und auf großen Plakaten in den Fluren ausgehängt. „Das war eine tolle Sache“, lobt ihr Lehrer.

Auch im Unterricht wurde viel über die Wahl gesprochen. Auch über die Frage: Ab 16 wählen oder nicht? „Je mehr man sich für Politik interessiert, desto mehr stört es einen, dass man nicht wählen darf“, sagt Aylin Berger, die als 17-Jährige nur knapp nicht wahlberechtigt ist. Aber nicht nur das stört sie und ihren gleichaltrigen Mitschüler Leon Ruf: „Wir wünschen uns, dass wir mehr beachtet werden. Während Corona hat man als Jugendlicher schon das Gefühl bekommen, dass man ignoriert oder zumindest nicht so richtig ernst genommen wird.“ Die beiden sehen sich durchaus in der Lage und ausreichend informiert, um ihre Stimme abgeben zu können. Sie haben die Trielle der Kanzlerkandidaten geschaut und sich über verschiedene Kanäle über die Wahl in formiert.

Ähnlich sehen es auch Schüler der Klasse 10a, die am Lichtenstern-Gymnasium in Großsachsenheim die Juniorwahl organisiert hat. Sie sind gar erst 15 Jahre alt, wollen aber auch schon mitreden.

Hier wählen die Klassen ab Stufe 9. Verantwortlicher Lehrer für die Juniorwahl am Lichternstern-Gymnasium ist Timo Schuh. „Eigentlich haben die Schüler aber alles selber gemacht, wir haben ihnen die Verantwortung selber übergeben. Sie haben sich sogar selber vereidigt.“ Zur Wahlleiterin wurde Schülerin Lana Kifel ernannt. Die 15-Jährige hat sehr viel Freude an der Jugendwahl gefunden. Jetzt bedauert sie, dass sie nicht in echt wählen darf. „Ich finde es sehr schade. Ich würde gerne mitbestimmen, wer im Bundestag sitzt. Aber ich kann es auch verstehen. Uns Jugendlichen fehlt einfach noch ein bisschen die Lebenserfahrung.“

Ähnlich sieht es Mitschülerin Melina Meier: „Ich fand es echt krass, dass viele gar nicht wussten, dass jetzt die Bundestagswahl ansteht.“ Sie selbst ist politisch engagiert, auch in der Familie wird viel diskutiert. „Es müsste aber auch mehr Informationen an Jugendliche geben. Da könnte zum Beispiel noch mehr über die Schule laufen“, glaubt sie.

Klima als Hauptthema

Umfragen haben gezeigt, dass Jugendliche unter 18 Jahren vor allem die Grünen wählen würden. Das bestätigen auch die Schüler in Sachsenheim. „Diese Generation würde den Fokus noch mehr auf die Umwelt legen. Wir sind die, die später mit dem Klimawandel klarkommen müssen“, sagt Lana Kifel. Auch für Mitschüler Luca Seibold ist das Hauptthema das Klima, „dass wir nachher noch eine Welt haben, in der wir gut leben können.“

Die Ergebnisse der Wahl soll – so sieht es die Idee der Juniorwahl vor – frühestens mit der ersten Wahlprognose am Sonntag, 18 Uhr, veröffentlicht werden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Ellental-Gymnasien geplant, das Ergebnis auf der Internetseite zu veröffentlichen. Am Lichtenstern-Gymnasium soll der Ausgang der Juniorwahl am Montag besprochen werden.

 
 
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