Kabarett in Löchgau Liebenswertes Nörgeln

Von Corinna Müller
Stefan Waghubinger bringt die Zuschauer in der Löchgauer Gemeindehalle zum lachenden Glucksen. Foto: /Andreas Essig

 Stefan Waghubinger präsentiert in der Gemeindehalle in Löchgau jede Menge Satire und Selbstironie.

Am vergangenen Freitag luden die sechs Mitglieder des Kulturkreises Löchgau (KKL) zu einem besonderen Event in die Gemeindehalle ein: Der beliebte Kabarettist, Cartoonist und Autor Stefan Waghubinger bot unter dem Motto „Versunkene Sätze“ sein Best-of-Programm und vergnügte die Besucher mit jeder Menge Satire und Selbstironie.

Waghubinger, im österreichischen Steyr „am Fluss“ aufgewachsen, studierte in Deutschland zunächst evangelische Theologie, arbeitete später bei einer Hilfsorganisation mit und wechselte schließlich zur Jugendhilfe nach Korntal. Dort setzte er sich 16 Jahre lang für „seine“ Jungs ein. Den Hang zur Satire hatte er schon damals, so sagte er. Letztlich absolvierte er eine Ausbildung zum Theaterpädagogen und zeigt sich nun seit 17 Jahren als erfolgreicher Kabarettist auf der Bühne und im Fernsehen. Mehr als 20 Preise hat er für sein liebenswertes Nörgeln verliehen bekommen.

Österreichischer Charme und deutsche Gründlichkeit

Auch in Löchgau bringt er das Publikum mit seinem österreichischen Charme und seiner deutschen Gründlichkeit zum Lachen. Ewig grantelnd macht er sich Gedanken über das Leben und die Gesellschaft – alles in bestem österreichischen Dialekt. „Die Steinzeitmenschen haben die Höhlen von oben bis unten vollgemalt“, schimpft er, „obwohl diese Weltkulturerbe sind“.

Hin und wieder bezieht der Künstler die Gäste in seine Show mit ein, ohne aufdringlich zu sein. Seine Themen umfassen Politik, Kirche und alltägliche Dinge, wie die viel gescholtene Steuererklärung, der Zahnarztbesuch oder die immensen Benutzungskosten der Sanifair-Toiletten.

Dabei nimmt sich Waghubinger bereitwillig selbst auf den Arm und beschreibt humorvoll sein Familienleben: „Meine Frau geht jetzt joggen. Ich weiß nicht, warum, aber sie will sich laufend verändern.“ Doch auch andere Menschen und Kulturen bleiben nicht verschont: „Der dicke Buddha vor dem Chinarestaurant grinst immer so – bestimmt, weil er genau weiß, was im Essen drin ist.“

Gelegentlich lässt Waghubinger belustigende Rückblicke auf seine Kindheit zu, die genauso von den längst verblassten Polaroid-Fotos geprägt ist, wie von den Erinnerungen an Raumschiff Enterprise und Captain Kirk. „Die Zukunft“, so philosophiert der Österreicher hingegen, „ist wie ein unbekanntes Gewässer – wenn man drin steht, hat man Angst ohne Grund“. Zwischendurch liest der Autor aus seinem Buch vor und zitiert mit ernster Stimme: „Vater sein ist auch nicht leicht, gerade als Mann.“

Kleine Momente des Schweigens steigern die Spannung

Waghubingers ausgeprägte Körpersprache, seine nahezu permanente Bewegung, wenn er sich Haare raufend über die spärlich bestückte Bühne bewegt, und sein scharfsinniger Witz reißen das Publikum förmlich mit. Kleine Momente des Schweigens steigern die Spannung – die Zuschauer warten atemlos auf die Pointe. Doch wenn man glaubt, sie gehört zu haben, folgt noch eine weitere hinterher.

Brigitte Kunath aus Sachsenheim findet „es erstaunlich, wie er das macht, ohne den Faden zu verlieren. Es wirkt so spontan“. Marlene aus Kirchheim ist „angenehm überrascht“ von dem hohen Niveau. Es sei nicht der übliche Klamauk, freut sie sich. Ihre Begleiterin faszinieren die Wortspielereien, „harmlose Sachen, die dann den Sinn verändern.“

Zwei Stunden lang führt Waghubinger sein Publikum von Lacher zu Lacher. Immer wieder hört man auch in ruhigeren Passagen das amüsierte Glucksen der Zuschauer durch den Saal tönen.

Manche der Gäste hatten den Kabarettisten bereits in Basel erlebt, zwei Besucher sind aus Möckmühl angereist, um den Auftritt in Löchgau nicht zu verpassen. Corinna Müller

 
 
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