Kammermusik in der Hohenhaslacher Kirche Musikalische Sternstunde mit „Incanto della Musica“

Von Dietmar Bastian
Das Ensemble „Incanto della Musica“ beim Konzert der „Klanglese Kirbachtal“ in der Kirche St. Georg in Hohenhaslach.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Das Kulturprojekt „Klanglese Kirbachtal“ startet in Hohenhaslach bravourös in die Saison 2022.

Kultur wird im Kirbachtal schon immer großgeschrieben. Man denke nur an die zahlreichen Chöre und Musikvereine oder die überaus aktiven Kirchengemeinden. Mit der Gründung des Konzertvereins Kirbachtal im Jahr 2020 wird die Kunst- und Kulturszene im Bereich Stromberg-Heuchelberg noch einmal deutlich aufgewertet. Es ist erstaunlich, wie die beiden künstlerischen Leiter der Reihe, Till Breitkreutz und Sandra Bildmann, es schaffen, echte Stars der Musikszene zu verpflichten. Das Hegel-Quartett hätte am Sonntag auftreten sollen, musste aber krankheitsbedingt absagen. Stattdessen spielte in der evangelischen Kirche St. Georg, hoch oben auf der herrlichen Aussichtsterrasse Hohenhaslachs, das Ensemble „Incanto della Musica“.

Feinste Kammermusik

Dieser kurzfristige Programmwechsel sollte kein Nachteil für die Musikfans werden. Die Musikerinnen und Musiker um die fabelhafte Geigerin Christine Busch spielten bestens gelaunt und auf so hohem musikalischem Niveau, dass ihr Programm „Flow – Ground, Chaconne, Passacaglia, Follia & Co“ mit Kammermusik der Renaissance und des Barock zu einem musikalischen Vergnügen der Extraklasse wurde.

Das Schönste an dem kurzweiligen, knapp zweistündigen Geschehen war, dass die fünf Solisten aus dem Stuttgarter Raum beim Musizieren sichtlich selbst großen Spaß hatten. Es waren Christine Busch und Meng Han, Violinen, Lydia Walka, Blockflöten, Anderson Fiorelli, Violoncello, und Evelyn Laib, Cembalo.

Manche Komponistennamen dürften den recht zahlreichen Zuhörern im freundlichen Kirchenschiff unbekannt gewesen sein: Theodor Schwartzkopff (der im 18. Jahrhundert in Ludwigsburg gewirkt hat), Diego Ortiz, Marco Uccellini, Biago Marini, Nicola Matteis, Thomas Baltzar oder Giovanni Battista Vitali, während Henry Purcell, Tarquinio Merula, Antonio Vivaldi, Heinrich Ignaz Franz Biber, Antonio Caldara oder Georg Philipp Telemann wahrscheinlich geläufiger sind.

Programm mit 14 Stücken

Die 14 Stücke des Programms waren mit Ground, Chaconne, Ciacona oder Passacaglia überschrieben. Hierbei handelt es sich um Synonyme. Es sind Instrumentalstücke mit einem häufig vier- oder achttaktigen sich ständig wiederholenden ostinaten Bassthema und darüber oft hochvirtuos und ideenreich auskomponierten Oberstimmen. Diese musikalische Struktur war vor allem im 16. und 17. Jahrhundert weit verbreitet. Auch von Johann Sebastian Bach oder Johann Pachelbel sind Werke mit einem sich ständig wiederholenden Bass und Variationen in den Oberstimmen bekannt.

Der Publikumsliebling des Abends, gemessen am Applaus, war wohl Vivaldis La Follia (Der Wahnsinn), ein technisch hochvirtuoser Spaß über ein damals weit verbreitetes melodisch-harmonisches Satzmodell, das seinen Ursprung in einem portugiesischen Tanz hat und zur Vorlage vieler Variationswerke, eben auch von Vivaldi, diente. Mit besonders herzlichem Applaus wurde der Geiger Meng Han bedacht, der die sehr anspruchsvolle „Schutzengel“-Passacaglia für Violine solo aus den Rosenkranz-Sonaten Heinrich Ignaz Franz Bibers spielte.

Mal traurig, mal heiter

Wie das Leben eben ist, mal traurig, mal heiter, solle das Konzertprogramm auch sein, hatte Christine Busch in ihrer Begrüßung gesagt. Am Ende überwog dann aber doch lebensbejahende, ausgelassene Fröhlichkeit.

Eine Überraschung war auch, wie vielfältig fünf Instrumente miteinander kombiniert werden können. Mal glänzte die berauschende, mit Verve gespielte Solovioline Christine Buschs, mal die beiden Violinen im Duett, mal das glasklare Blockflötenspiel Lydia Walkas, mal das Spiel des Brasilianers Fiorelli auf dem sonoren Cello, dazu das sichere rhythmische und harmonische Fundament der Cembalistin Evelyn Laib.

Musik der Renaissance und des Barock – ein alter Zopf? Im Gegenteil! Das Konzert, bei dem sich Spielfreude und Wein vom Weingut Notz (vor Beginn und während der Pause) trafen, bewies das Gegenteil. Nein, das Kirbachtal muss sich vor den städtischen Kulturbetrieben nicht verstecken. Bei manchen Fans gibt es möglicherweise schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Event der Reihe: Follie d’amore – einem kammermusikalischer Opernabend im Juni.

 
 
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