Kampfmittel Suche nach Bomben und Munition

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Feuerwerker Sven Rasehorn vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, zeigt eine Zwei-Zentimeter-Granate (links) und einen Bombensplitter, die auf dem Areal hinter dem Porsche-Ersatzteillager gefunden wurden.⇥ Foto: Martin Kalb

Seit April sucht der Kampfmittelbeseitigungsdienst auf dem Eichwaldgelände immer wieder nach gefährlichen Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die militärische Vergangenheit lässt das Eichwald-Gelände einfach nicht los. Bekanntlich war im Zweiten Weltkrieg dort ein Flugplatz der deutschen Luftwaffe. Hauptsächlich gegen Kriegsende war der Großsachsenheimer Flugplatz wiederholt das Ziel von amerikanischen Tieffliegern, die die deutsche Militäreinrichtung mit Bordwaffen beschossen und bombardierten. Im Gegenzug haben sich die Soldaten auf dem Flugplatz mit Flugabwehrgeschützen gegen die Angriffe gewehrt und zurückgeschossen. Diese Kampfhandlungen haben letztendlich bis zum heutigen Tag gefährliche Spuren im Boden hinterlassen.

Bevor im Eichwald die Firma Porsche ihr Firmengelände erweitern kann, muss der Grundstückseigentümer, in diesem Fall der Zweckverband Eichwald, die Suche und gegebenenfalls die Bergung von Kampfmitteln veranlassen. Deshalb ist bereits seit April der Feuerwerker Sven Rasehorn vom Kampfmittelbeseitungsdienst (KMBD) und sein Mitarbeiter, der Munitionsräumarbeiter Walter Schenzle, mit Unterbrechungen immer wieder auf dem Eichwaldgelände aktiv.

Mit Eisendetektor auf der Suche

Beide suchen derzeit systematisch ein rund 5 Hektar großes Areal, unterteilt in 47 Suchfelder, mit so genannten Gradiometern ab. Pro Suchfeld tauchen im Schnitt etwa ein bis fünf Anomalien auf, also Verdachtsfälle, die mit dem Gradiometer untersucht werden. Die Gradiometer, auch Eisendetektoren genannt, können eisenhaltige Gegenstände im Boden aufspüren. Dabei ist entscheidend, wie groß der Gegenstand ist. Eine Fliegerbombe könnte, je nach Größe, auch noch in rund vier Metern Tiefe aufgespürt werden. Die Suchgeräte arbeiten GPS-unterstützt. Die Daten von Fundstellen werden dann elektronisch in eine Karte eingetragen.

Als Grundlage für die Suche nach Kampfmitteln dienen hauptsächlich Luftaufnahmen der alliierten Streitkräfte aus dem Zweiten Weltkrieg. Anhand der Luftbilder können beispielsweise Blindgänger erkannt werden. Ansonsten gehen die beiden Männer Stück für Stück das abgesteckte Areal ab. Mögliche Fundorte werden farbig markiert.

Dann geht die Suche nach Munitionsresten mit Schaufel und Hacke los. Bis 50 Zentimetern Tiefe wird vorsichtig von Hand ausgegraben, tiefer geht’s nur mit dem Bagger. Die Ausbeute auf dem aktuell abgesuchten Gebiet war am Dienstag eher überschaubar. Ein Geschoss und die Hülse einer 2-Zentimeter-Granate, Teile einer Strabbrandbombe, eine Patronenhülse sowie einen etwa handtellergroßen Bombensplitter, haben die beiden Experten an diesem Tag aus dem Boden gezogen.

Entsorgung zahlt das Land

Die Fundstücke werden nach Aussage von Sven Rasehorn zunächst bei der Dienststelle des KMBD in Sindelfingen in Bunkern gelagert. Bombensplitter werden in Öfen erhitzt, um chemische Auftragungen zu beseitigen, und landen anschließend im Altmetall. Munitionsreste, wie die 2-Zentimeter-Granate, werden gesammelt und in thermischen Verbrennungsanlagen in Sachsen oder Niedersachsen vernichtet. Die Kosten für die Vernichtung der gefährlichen Fundstücke übernimmt das Land. Auf die Frage, was bisher sein außergewöhnlichster Fund war, antwortet Rasehorn: „Das war vor ein paar Jahren ein über 3000 Jahre altes Bronzeschwert, darüber haben sich damals die Archäologen gefreut. Aber solche Funde sind die absolute Ausnahme“.

Wenn die angrenzenden Getreidefelder abgeerntet sind, geht die Suche nach den Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs weiter. Dann wird, je nach Bedarf, eventuell auch wieder ein Bagger eingesetzt, so Sven Rasehorn.

 
 
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