KArlshöhe Ludwigsburg Von der Anstalt zum grünen Campus

Von Gabriele Szczegulski
Das alte Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1901 ist auch heute noch der Mittelpunkt des s „grünen Campus“ Karlshöhe, auch wenn viele weitere Gebäude dazu kamen. Foto: /Martin Kalb

Die Karlshöhe in Ludwigsburg als Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung sowie diakonischer Ausbildungsort besteht seit 150 Jahren. Blick in eine wechselvolle Geschichte.

Die Stiftung Karlshöhe ist 1876 als Brüder- und Kinderanstalt entstanden. Sie bot Kindern, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnten, eine Heimat. Junge Männer – sogenannte Brüder – wurden im christlichen Geist für die Soziale Arbeit ausgebildet. Die Kinder- und Jugendhilfe ist bis heute, nach 150 Jahren, ein wichtiges Feld der Arbeit auf der Karlshöhe, viele weitere wie die Altenhilfe, Angebote für Menschen mit Behinderungen und mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten sowie ein Ausbildungszentrum für junge Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen und Projekte und Maßnahmen zur beruflichen Integration sind hinzugekommen. 

Wiege der Diakonsausbildung wird zum großen Ensemble

Bis heute ist die Stiftung Karlshöhe als Wiege der Diakonsausbildung in Württemberg im Auftrag des Landesbischofs mit der Berufung der Diakone und Diakoninnen betraut. Der Karlshöher Diakonieverband ist Teil der Stiftung Karlshöhe. Um alle diese Einrichtungen unter einen Hut an einem Platz zu bekommen, wuchs die Karlshöhe auch architektonisch und ist nun ein großes Ensemble, das sich der sozialen Hilfe verschrieben hat. Im Rahmen des christlichen Auftrags engagieren sich rund 750 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die über 1200 Klienten, die im Alltag und Beruf besondere Unterstützung benötigen. Neben dem Stammgelände zählen dazu Einrichtungen in 20 Orten des Landkreises Ludwigsburg.

Die Karlshöhe ist eine gemeinnützige Stiftung und Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg sowie in der deutschen Diakonie. Dr. Dörte Bester ist derzeit die Direktorin der Karlshöhe und Theologischer Vorstand im Auftrag der Evangelischen Landeskirche Württemberg.

1876 beginnt die Geschichte der Karlshöhe. Die Gründung der Karlshöhe hatte handfeste Gründe: Das städtische Kinderheim Mathildenstift in Ludwigsburg stand vor dem Aus und eine rasche Lösung für die 60 Kinder musste her. Schon etliche Jahre zuvor hatte sich ein kirchlich-bürgerliches Komitee für eine „Anstalt“ in Württemberg stark gemacht.

Fachleute, nämlich Diakone, sollen sich um Kinder kümmern und vor Ort ausgebildet werden. Die „Evangelische Brüder- und Kinderanstalt Karlshöhe“ bestand aus zwei Mädchen- und zwei Knabenhäusern, einem Betsaal mit Inspektorenwohnung, einem Schulhaus, einem Back- und Waschhaus sowie einem landwirtschaftlichen Gebäude. Die Kinder- und Brüderanstalt stand unter dem Protektorat des württembergischen Königs Karl und seiner Ehefrau, Königin Olga, die die neue Einrichtung auch finanziell unterstützten. Zur Brüder- und Kinderanstalt kam 1879 ein Männerheim für Alte, Kranke und Pflegebedürftige hinzu. Auf dem Gelände entstanden in den ersten Jahren mehrere Gebäude, darunter Kinderhäuser, ein Schulhaus, ein Betsaal und landwirtschaftliche Einrichtungen. Erster Leiter der Einrichtung war Wilhelm Rupp.

Die Karlshöhe entwickelt sich weiter

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Karlshöhe weiter zu einem wichtigen Ausbildungs- und Lebensort der Diakonie. 1901 wurde ein Verwaltungsgebäude eingeweiht, später folgten neue Einrichtungen und Ausbildungsangebote. Mit dem Bau der Karlshöher Kirche im Jahr 1931 erhielt der Campus auch einen zentralen geistlichen Ort.

Gleichzeitig wurden Diakone zunehmend in Kirchengemeinden der württembergischen Landeskirche eingesetzt. Die Zeit des Nationalsozialismus stellte auch die Karlshöhe vor große Herausforderungen. Viele Diakone standen dem Regime zunächst positiv gegenüber, später setzte jedoch ein Prozess der kritischen Distanzierung ein, schreibt die Verwaltung der Karlshöhe in einer Mitteilung. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Einrichtung bei Luftangriffen beschädigt. Nach Kriegsende begann rasch der Wiederaufbau, und bereits 1946 startete der erste Diakonenkurs der Nachkriegszeit. 1970 wurde aus der Brüderschaft der Diakonieverband.

In den Jahrzehnten danach wuchs die Karlshöhe kontinuierlich. Neue Angebote entstanden für Menschen mit Behinderungen, für Kinder und Jugendliche sowie für ältere Menschen. Auch die Ausbildung entwickelte sich weiter: Neben der klassischen Diakonenausbildung wurden sozialpädagogische und religionspädagogische Studiengänge aufgebaut.

In den 1990er-Jahren entstand auf dem Gelände eine Evangelische Fachhochschule für Diakonie und Religionspädagogik, wodurch die akademische Ausbildung sozialer und kirchlicher Berufe gestärkt wurde. Die Karlshöhe selbst nennt sich „grüner Campus“, weil die Gebäude in einer parkähnlichen Landschaft angeordnet sind.

Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, Hilfen für Menschen mit Behinderung, Altenhilfe, Suchtarbeit sowie Projekte für Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen prägen bis heute die Arbeit der Karlshöhe.

Neben vielfältigen Hilfs- und Bildungsangeboten prägen kulturelle Aktivitäten, kirchliches Leben und gemeinschaftliche Projekte das Gelände. Damit verbindet die Karlshöhe ihre Tradition mit einer Zukunftsorientierung: „Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu unterstützen und gesellschaftliche Verantwortung aus christlicher Motivation heraus wahrzunehmen“, so die Karlshöhe.

 
 
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