Karolina Kudlacz-Gloc verlängert ihren Vertrag Polnischer Star bleibt der SG BBM erhalten

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Karolina Kudlacz-Gloc geht mit der SG BBM auch künftig auf Trophäenjagd. Hier präsentiert sie stolz den DHB-Pokal. ⇥ Foto: Marco Wolf

Karolina Kudlacz-Gloc verlängert ihren Vertrag bei der SG BBM Bietigheim um eine weitere Spielzeit. Trainer Markus Gaugisch ist bei der Entscheidung ein wichtiger Faktor.

Die SG BBM Bietigheim und Karolina Kudlacz-Gloc haben ihren Vertrag um ein Jahr verlängert. Die seit 2017 an der Enz heimische Polin geht also auch in der Saison 2021/22 für das Viadukt-Team auf Torjagd. „Wir wollten Karo unbedingt halten und hatten schon vor längerer Zeit mit ihr eine Vereinbarung getroffen“, informiert SG-Sportdirektor Gerit Winnen. „Es mussten aber noch Details geklärt werden, deshalb hat es etwas gedauert. Umso besser, dass jetzt alles in trockenen Tüchern ist.“

Das Gesamtpaket stimmt

Karolina Kudlacz-Gloc freut sich mit ihrem Mann und Sohn auf ein weiteres SG-Jahr: „Wir haben uns für Bietigheim entschieden, weil hier alles passt – Mannschaft, Trainer, Management, die Menschen und die Umgebung.“ Es gefällt ihr sogar so gut, dass sie sich einen dauerhaften Aufenthalt vorstellen könnte. „Nach der Karriere geht es zurück nach Polen. Unsere Liebe gehört Danzig“, sagte sie noch vor wenigen Jahren. Inzwischen gibt es eine Alternative: „Wir könnten uns vorstellen hierzubleiben.“

Eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidung pro SG BBM spielte Markus Gaugisch. „Als er kam, war ich sehr gespannt. Er hat mich als Trainer und Mensch überzeugt, hat ein Riesen-Potenzial. Von ihm kann auch ich noch viel lernen. Die Chemie stimmt.“

Neben der Bietigheimer Offerte lagen „Karo“ auch von Spielerberatern übermittelte Angebote aus Frankreich, Ungarn und Rumänien vor. „Ich muss aber an meine Familie denken und mir war schnell klar, dass ich mich nicht in diese Richtung bewegen werde.“ Die auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzende Rückraumspielerin sagte der SG zu. Den Agenten gab sie einen Korb: „Seit rund 20 Jahren bin ich Profi und habe in der ganzen Zeit meine Interessen selbst vertreten.“

Vor wenigen Monaten hätte niemand gedacht, dass sich die europäischen Topklubs nochmals die Finger nach Kudlacz-Gloc abschlecken würden. Nach einer Trainingsverletzung im Herbst 2020 schien ihre lange, erfolgreiche Karriere beendet. „In meiner Schulter war alles kaputt“, blickt die 36-Jährige zurück. „Ich war sicher, dass es nicht mehr geht und hatte meine Sportsachen bereits in den Keller geräumt.“ Es folgte die Zeit des Grübelns: „Was wird? Soll ich mich fortbilden und in meinem Beruf als Psychologin arbeiten? Oder Trainerin werden? Aber ich fand keine Antwort und das war für mich das Zeichen, dass es noch nicht so weit ist.“

Im Februar kehrte „Karo“ mit leuchtenden Augen aufs Spielfeld zurück, feierte ein starkes Comeback. „Nach der Verletzung macht mir Handball noch mehr Spaß. Das genieße ich.“ Genauso wichtig ist eine andere Erkenntnis: „In dieser schweren Zeit habe ich viel gelernt und auch als Mensch eine große Entwicklung erlebt.“

Schon bald dürfte „Karos“ 1000. Tor für Polen fallen. Nach 197 Länderspielen steht sie bei 983 Treffern. Für die SG glückten ihr in 81 Bundesligaspielen 330 Buden. Mit AZS Danzig (2002 bis 2006), dem HC Leipzig (2006 bis 2017) und der SG (seit 2017) feierte sie zehn Meistertitel und Pokalsiege. Bereits seit 2006 steht ihre EM-Bestmarke: 17 Treffer im Spiel gegen Mazedonien. Im Halbfinale der WM 2013 spielte sie vor der damaligen Frauenhandball-Rekordkulisse von 18 236 Zuschauern in Belgrad gegen Serbien. „Das werde ich nie vergessen.“

In Polen im Fußball-EM-Fieber

Zurzeit macht „Kudi“, wie sie auch genannt wird, Urlaub in Polen. Am Strand von Sopot bleibt sie aber selten länger liegen. Sie muss sich einfach aktiv betätigen, joggen oder mit ihrem Mann Tennis spielen. „Er sagt immer: Du kannst nicht ohne Sport! Schlimmer für ihn ist, dass ich immer gewinnen muss.“ Am Samstagabend war auch bei ihr Fußball angesagt. Polen holte bei der EM gegen den Favoriten aus Spanien ein beachtliches 1:1. „Ich bin mit vollem Herzen dabei, aber auch Realist und weiß, dass ein Sieg eine große Überraschung wäre“, hatte Kudlacz-Gloc kurz vor dem Spiel gesagt.

 
 
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