Keine Entscheidung des Ludwigsburger Bauausschusses Reit- und Fahrverein bald heimatlos?

Von Claudia Mocek
Ob der Verein mit seinen Ställen und Boxen auch noch künftig im Monrepos eine Heimat finden wird, ist noch offen. Foto: ⇥Archiv-Foto: Werner Kuhnle

Eigentlich sollte der Vertrag über das Vereinsgelände zwischen Stadt und Hofkammer Ende Mai verlängert werden. Aber das Thema wurde vom Ausschuss nicht entschieden. Wie es weitergeht, ist noch offen.

Nach 50 Jahren endet am 31. Dezember das Erbbaurecht zwischen der Stadt Ludwigsburg und der Hofkammer des Hauses Württemberg für das Monrepos-Flächenstück 7733. Das ist das Gebiet, auf dem seit 1972 der Reit- und Fahrverein Monrepos beheimatet ist. Laut dem Geschäftsführer der Hofkammer, Rainer Setzer, sollte noch im Mai ein neuer Vertrag unterschrieben werden, der Notartermin war bereits vereinbart. Doch nun kam es anders: „Wir sind überrascht worden, auch die Stadtverwaltung selbst“, sagt Setzer. Denn im Bauausschuss sei das Thema ohne Entscheidung kurzerhand von der Tagesordnung genommen worden, wie die Stadt Setzer in einem persönlichen Gespräch mitteilte.

Was war passiert? Die BZ-Anfrage nach dem Vorgang im Ausschuss, den Gründen der Ausschussmitglieder und einer möglichen Signalwirkung für andere Vereine beantwortet die Stadt nicht. Eine Sprecherin bittet um Verständnis, dass die Stadt „zum jetzigen Zeitpunkt keine detaillierteren Auskünfte geben könne“. Gerüchten zufolge sollen einzelne Ausschussmitglieder der Auffassung gewesen seien, dass die Stadt ihre Schuldigkeit getan habe und der Verein mittlerweile gut aufgestellt sei.

Der Hintergrund

Bis 1972 war der Reit- und Fahrverein auf dem Gebiet untergebracht gewesen, auf dem heute der Marstall steht. Da die Stadt das Gebiet damals bebauen wollte, habe man den Verein auf das Monrepos-Grundstück umgesetzt, die Stadt habe den Vertrag mit der Hofkammer unterzeichnet, erläutert Setzer. Mit dem Reit- und Fahrverein hat die Stadt einen Unterpachtvertrag geschlossen, erläutert die Stadt. Eine solche Dreieckskonstellation sei innerhalb der Stadt ein Sonderfall. Üblicherweise verpachtet oder vergibt die Stadt Flächen direkt an die Vereine.

Die Stadt Ludwigsburg betont, dass es ihr „ein großes Anliegen (sei), die beste Lösung für alle Seiten zu finden.“ Laut Sprecherin der Stadt befänden sich Hofkammer, Verein und Stadt „mitten in den Gesprächen dazu – es sind noch keine Entscheidungen gefallen.“

„Konkrete Gespräche mit der Stadt gibt es derzeit nicht“, sagt hingegen Setzer. Anfang Juni werde er die Direktion der Hofkammer über den Vorgang informieren, nach Alternativen suchen und das Ergebnis der Stadt mitteilen. Aber ob der Verein, mit dem die Hofkammer im Gespräch ist, als möglicher Vertragspartner in Frage kommt, sei noch völlig offen. Neben wirtschaftlichen Fragen seien die Auswirkungen für den Verein komplex: Zu vermutlich höheren Kosten für die Mitglieder komme eine Sportförderung, die nur für einen bestimmten Zeitraum festgelegt werde. „Das ist als Grundlage für einen Verein eine Katastrophe“, sagt Setzer.

„Wir diskutieren, wie es weitergehen könnte“, sagt der 1. Vorsitzende des Vereins, Dr. Werner Hildenbrand. Sollte der Verein direkt mit der Hofkammer einen Vertrag abschließen, müssten viele Fragen – von Haftung bis hin zu möglichen Grunderwerbssteuern – geklärt werden.

Internationale Turniere

Mit Blick auf das Jahresende drängt laut Hofkammer auch aus technischer Sicht die Zeit. Die Summe, die die Stadt für den Verein zahle, liege bei rund 25 000 Euro pro Jahr. Dem stünde aber gegenüber, dass der Verein mit seinen zum Teil Internationalen Turnieren viel Publikum nach Ludwigsburg ziehe.

Darin scheinen sich die Parteien einig zu sein: „Der Stadt ist es wichtig, dass der Reit- und Fahrverein in Ludwigsburg beheimatet bleibt“, antwortet die Stadt auf die BZ-Anfrage. Denn der Verein sorge für ein wichtiges Sport- und Freizeitangebot in der Stadt und veranstaltet regelmäßig – mit großem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder – das renommierte Dressurturnier am Monrepos. „Das Turnier ist ein Highlight im Ludwigsburger Veranstaltungskalender und bringt Reiterinnen und Reiter aus dem gesamten Bundesgebiet und den Nachbarländern in die Stadt“, so die Sprecherin.

 
 
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