Kinderbetreuung in Bietigheim-Bissingen, Sachsenheim und Bönnigheim Kein Ende der Personalknappheit

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Die Kindertagesstätte Mikado im Wohngebiet Kreuzäcker. Hier und in anderen Kitas in Bietigheim-Bissingen muss die zehnstündige Betreuungszeit gekürzt werden, weil Personal fehlt.⇥ Foto: MARTIN KALB

Nach wie vor sind die Kitas und Kindergärten knapp besetzt mit Erzieherinnen. Manchmal hilft nur die Kürzung von Öffnungszeiten. Die Kommunen setzen auf den Nachwuchs.

Die Zeit der Schließungen ist zu Ende, in den Kitas und Kindergärten ist Normalität eingekehrt. Zu dieser Normalität gehört allerdings auch ein altes Problem: die Personalknappheit. Erzieherinnen sind nach wie vor Mangelware. Und das in einer Situation, in der in vielen Orten neue Kitas in Planung oder gar im Bau sind. Eine kurzfristige Lösung fällt den kommunalen Verwaltungen schwer. In einigen Fällen besteht sie in der Kürzung von Öffnungszeiten.

Allein 14 neue Stellen sind im neuen Kinderhaus Domino im Obergeschoss des Lidl-Marktes in der Gustav-Rau-Straße in Bietigheim-Bissingen zu besetzen, wo vier neue Betreuungsgruppen in Betrieb gehen. In anderen Einrichtungen werden Stellen durch Kündigung, Schwangerschaft oder durch den Ruhestand frei. In den Kinderhäusern Buch, Mikado und Untermberg kann deshalb das Angebot einer zehnstündigen Betreuung nicht aufrecht erhalten werden, teilt eine Sprecherin der Stadt auf BZ-Anfrage mit. Es wird auf acht bis neun Stunden gekürzt. In anderen Kitas müssen die Öffnungszeiten kurzfristig tageweise oder für einzelne Gruppen verkürzt werden, wenn Personal ausfällt. Aktuell sei dies im Fliederweg und in der Brunnenstraße der Fall.

Hohe Fluktuation

Von Kita zu Kita sei die Lage sehr unterschiedlich, berichten Eltern, die sich im Elternbeirat engagieren. Vor allem die größeren Kinderhäuser seien betroffen, in denen es einen höheren Personalaufwand gibt. Der Elternbeirat vermutet aber auch, dass diese Kitas wegen der längeren Öffnungszeiten weniger attraktiv für die Erzieherinnen sind. In der hohen Fluktuation des Personals sehen die Eltern ebenfalls ein Problem, denn das Personal könne sich seinen Arbeitgeber quasi aussuchen.

Aus anderen Kommunen ist zu hören, dass Erzieherinnen kündigen, sobald eine Stelle im Heimatort frei geworden ist. Selbst stadtintern haben die Eltern aus Bietigheim-Bissingen bereits eine Konkurrenzsituation ausgemacht. Der Ausfall von Langzeitktranken oder Schwangeren könne kaum aufgefangen werden, viele Kitas seien auf Vertretungen angewiesen. Das erschwere die pädagogische Arbeit, klagen die Eltern.

Immer wieder werden auch in Bönnigheim „Springkräfte benötigt“, sagt Alexandra Kindler, die verantwortliche Leiterin des Fachgebietes. Punktuell müssten Öffnungszeiten reduziert werden. Aktuell werden zwei Stellen ausgeschrieben.

In Sachsenheim ist der „Mindestpersonalschlüssel“ erfüllt, machte ein Sprecher der Stadt deutlich. Im Kinderhaus Pfiffikus werde eine Teilzeitkraft gesucht, andere offene Planstellen gibt es nicht. Und doch: Fluktuation und die Ausweitung der Betreuungskapazitäten zwingen dauerhaft zur Personalsuche.

Rückkehr zur Normalität

Die aktuellen Einschränkungen von Betreuungszeiten führt der Sprecher der Stadt auf „Pandemiebedingungen“ zurück. Eine Rückkehr zu normalen Öffnungszeiten sei für das neue Kindergartenjahr im Herbst geplant. Grundlegende Kürzungen der Betreuungszeit befürchte er in absehbarer Zeit nicht. Im Kindergarten Regenbogen werde die Ganztags-Betreuung von zehn auf acht Sunden reduziert. Dies sei eine „bedarfs- und nachfrageorierientierte Anpassung“.

Was aber tun, um die chronische Personalknappheit zu mildern? Ein Weg ist die Verstärkung der Ausbildung, den alle drei Kommunen eingeschlagen haben, teilweise mit Hilfe von Fördermitteln aus der Fachkräfteoffensive, wie man bei der Stadt Sachsenheim betont. Zum September treten bei der Stadt Bietigheim-Bissingen 20 junge Leute eine Ausbildung in den Kitas an, dann werden insgesamt 46 Azubis ausgebildet. In Bönnigheim ist auch von „übertariflichen Möglichkeiten“ die Rede.

Doch es werden auch andere Lockmittel angewandt, um Personal zu finden oder langfristig zu binden. Bönnigheim beispielsweise möchte betriebliche Gesundheitsangebote für die Erzieherinnen schaffen. Fortbildung und Qualifizierung und flexible Teilzeitregelungen setzt die Stadt Sachsenheim als Mittel ein. Dort und bei der Stadt Bietigheim-Bissingen wird die Zeit, die Erzieherinnen für Leitungsaufgaben in den Kitas brauchen, großzügiger als in der Vergangenheit, angerechnet, tarifliche Vorgaben werden teils überschritten. Die Verfügungszeit für pädagogische Fachkräfte ist in Sachsenheim weitestgehend flexibel einsetzbar. Bis zu fünf Tage können sich Erzieherinnen in Bietigheim-Bissingen für Fortbildungen freistellen lassen, bei fortlaufender Bezahlung, versteht sich.

 
 
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