Kinderbetreuung in Bietigheim-Buch Kindergarten in nur vier Monaten schlüsselfertig

Von
Der Kindergarten Weimarer Weg wurde am 9. September 1970 in Bietigheim-Buch eingeweiht.⇥ Foto: Archiv/ad

Am 9. September 1970 wurde der Kindergarten im Weimarer Weg in Bietigheim-Buch eröffnet. 2016 wich er dem neuen Kinderhaus als Teil des Paulus-Areals.

Mit dem Kindergarten am Weimarer Weg beim Zentrum Pauluskirche wurde gestern der achte städtische Kindergarten seiner Bestimmung übergeben“, so schrieb es der Enz- und Metter-Bote in seiner Ausgabe vom 10. September 1970. Dieses Jahr hätte der Kindergarten sein 50-jähriges Bestehen gefeiert, doch 2012 musste er für den Neubau im Gröninger Weg weichen.

Betreuung für 120 Kinder

Der Kindergarten am Weimarer Weg wurde nach den Plänen von Architekt Jörg Hornbacher aus Bietigheim gebaut und kostete damals rund 490 000 D-Mark. Das Besondere an dem Bau war, dass er nach nur vier Monaten Bauzeit schlüsselfertig war und das bei einer Größe von drei Abteilungen mit 120 Kindern. Damals war es der achte Kindergarten der Stadt Bietigheim, mittlerweile gibt es 23 städtische Einrichtungen. Damals wie heute zeichnete sich ab, dass trotz des großen Kindergartens in ein bis zwei Jahren ein weiterer in dieser Größe benötigt würde, um die alle Kinder aufnehmen zu können, kündigte Karl Mai, damaliger Oberbürgermeister, an. Allein für den Stadtteil Buch sah die Gesamtkonzeption der Verwaltung acht städtische Kindergärten vor, hieß es 1970 in der Zeitung. Im Jahr 2020 fehlen in Bietigheim-Bissingen rund 200 Kitaplätze für das Kita-Jahr 2020/2021 – trotz diverser Erweiterungen und Neubauten (die BZ berichtete).

Was den Kindergarten im Buch 1970 ausmachte, sei seine einfache, solide und schnelle Bauweise gewesen, aber auch seine ideale Lage. Das Gebäude lag hinter der Pauluskirche, umgeben von Freiflächen. In der Zeitung wurde darüber berichtet, dass die meisten Kinder den Kindergarten erreichen konnten, ohne eine Verkehrsstraße zu überqueren. Zwar wurde das Gebäude vor einigen Jahren abgerissen, doch die ideale Lage bliebt. Denn die Kita Weimarer Weg wurde durch das Kinderhaus Buch ersetzt. „Im Rahmen der Bebauung des Paulus-Areals wurde die alte Kita abgerissen und das Kinderhaus gebaut“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Auch vor rund acht Jahren sprach man wieder von einer kurzen Bauzeit: In außerordentlich kurzer Bauzeit, von November 2012 bis zum Jahresende 2013 habe man das Kinderhaus im Buch gebaut, sagte Projektleiter Dieter Fiess. Allerdings habe es sich um eine Kraftanstrengung gehandelt: „Mit Hängen und Würgen haben wir es geschafft.“

In das Kinderhaus zogen bereits Ende 2013 die ersten Kinder, bis es 2014 offiziell fertiggestellt und eröffnet worden. Mittlerweile werden rund 120 Kinder betreut, davon knapp 80 über drei Jahren. Rund 50 Kinder über und unter drei Jahren sind in der Ganztagsbetreuung. „Das Kinderhaus und die darunter liegende Tiefgarage wurden als erstes gebaut. Zuvor musste allerdings das alte Gemeindehaus der Pauluskirche abgerissen und auf der anderen Seite der Kirche neu gebaut werden – auch die Kirche selbst wurde etwas verkleinert und renoviert.“ Nach Fertigstellung des Kinderhauses wurde das dahinter liegende Gelände mit den vier Wohngebäuden 2015 und 2016 bebaut und Ende 2016 fertiggestellt. Es folgte noch ein neuer Spielplatz.

„Keine Aufbewahranstalten“

Zum Vergleich: 1970 „hat die Stadt auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück, einer bebauten Fläche von 460 Quadratmetern und einem umbauten Raum von rund 1800 Quadratmetern in Montagebauweise ein Gebäude erstellt, das man als Musterbeispiel für den modernen Kindergartenbau ansprechen darf“, schrieb der Enz- und Metter-Bote damals. Das 2014 eröffnete Kinderhaus hat eine Fläche von 1110 Quadratmetern und war zu der Zeit das vierte dieser Art in der Stadt. Zur Eröffnung betonte Oberbürgermeister Jürgen Kessing, wie wichtig es für die „kindliche Entwicklung ist, Geborgenheit zu bekommen, aber auch die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln“. Die Stadt reagierte mit dem Kinderhaus auf die sich verändernden Familienstrukturen von beispielsweise alleinerziehenden oder berufstätigen Eltern, bei denen die Nachfrage nach Betreuungsmöglichkeiten steige und die auf „zuverlässige, bezahlbare und pädagogisch qualifizierte“ Angebote in der Nähe angewiesen seien. Die Sorge um die Heranwachsenden sei Aufgabe der ganzen Gesellschaft, sagte Kessing. Kinderhäuser seien „keine bloßen Aufbewahranstalten“, sondern ergänzten die Familie.

 
 
- Anzeige -