Kirchenbezirk Besigheim Der Glanz des Festes bringt Licht ins Dunkel

Von Gabriele Szczegulski
Dekanin Susanne Digel feiert ihr erstes Weihnachtsfest in Besigheim und hält am Heiligen Abend zwei Gottesdienste. Foto: /Martin Kalb

Susanne Digel ist seit diesem Jahr die Dekanin des Kirchenbezirks Besigheim. Hoffnung bringt für sie die Weihnachtsbotschaft.

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr weit“ – Jochen Kleppers 1937 verfasstes Gedicht „Die Nacht ist vorgedrungen“ fand von Johannes Petzold vertont als Adventslied Eingang in zahlreiche Gesangbücher und ist seitdem eines der bekanntesten Advents- und Weihnachtslieder der christlichen Kirchen.

Für die Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Besigheim, Susanne Digel, steht dieses Zitat wie kein anderes für das, was in der Heiligen Nacht geschieht, für das, was die Geburt Jesu bedeutet: Licht in die Welt bringen. Digel verbringt ihr erstes Weihnachtsfest in Besigheim, nachdem sie in diesem Jahr die Nachfolge von Eberhard Feucht antrat.

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr weit“

„Die Hauptbotschaft an Weihnachten ist, dass Gott zum Menschen wird, aber die der Heiligen Nacht ist, dass die Geburt Jesu ein Licht in die dunkle Welt bringt“, sagt die Theologin. Und mit Licht meint sie Hoffnung auf Frieden. „Die Engel stehen für mich im Fokus, denn sie bringen diese Hoffnung auf Frieden in die Welt“, sagt Digel. Kleppers knapp zwei Jahre vor Anfang des Zweiten Weltkriegs geschriebenes Lied, so sagt sie, verschweige nicht, dass die NS-Zeit damals eine dunkle war. Aber der Text sage auch, dass es Hoffnung gebe, auf Frieden. „Auch als Jesus geboren wurde, war die Welt keine friedliche, er ist in ein besetztes Land geboren, voller Gewalt und Unterdrückung.“

Klepper hat sein am 18. Dezember 1937, vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, entstandenes Gedicht dem Bibelvers aus dem Römerbrief, 13,11 bis 12, nachempfunden: „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“

Das Lied von Klepper und Petzold charakterisiert seine Zeit als eine in nächtlichem Dunkel befindliche, der wohl und hoffentlich der anbrechende Tag folgt, welcher auch durch den dreifach erwähnten Morgenstern gekennzeichnet wird. Gleichwohl bleibt der Ton des Gedichts angemessen zurückhaltend angesichts von „Angst und Pein“, die, so das Gedicht, „beschienen“, nicht beseitigt werden. Also, so interpretiert Digel, der Glaube wische nicht Sorgen, Nöte und Ängste hinweg, sondern „bescheine“ sie, zeige sie, sodass man gegen sie angehen könne.

„Die Botschaft hinter Weihnachten lautet nicht, dass ab sofort alles schön ist, das Leben nun viel besser wird, jeder Krieg, jede Auseinandersetzung durch die Menschwerdung Gottes gelöst wird“, so Digel. Gott sei als normaler Mensch gekommen, um die Gläubigen zu begleiten, „ihre schweren Wege mitzugehen“, sagt Digel. Der Glanz des Festes bringe Licht, erwärme die Menschen, um ihnen Kraft zu geben für anstehende Prüfungen.

Die Menschen können zur Ruhe kommen

Sie will auch die Weihnachtsgottesdienste „nicht instrumentalisieren“, um alles schön zu reden. „Aber die Menschen können mal zur Ruhe kommen, durchatmen, miteinander sein.“ Die Musik und die geschmückte Kirche seien der Rahmen. Ihr persönlich sind als Weihnachtssymbol die Engel sehr wichtig, „weil sie eben den Frieden auf Erden verkünden“.

Der Mensch sei, so Digel, nicht alleine, Gott ließe ihn nicht alleine. „Niemand muss perfekt sein, auch das Leben muss nicht perfekt sein, jeder Mensch ist in der christlichen Gemeinschaft willkommen und das feiern wir“, sagt die Dekanin. Am Heiligen Abend hält sie zwei Gottesdienste in der Besigheimer Stadtkirche, um 18 und 22 Uhr. Diese sind immer voll, auch mit vielen Alleinstehenden.

„Der Heilige Abend ist für viele auch ein einsamer Abend“, weiß sie. Die Sehnsucht nach dem Glanz der Kindertage sei groß. Deshalb sei es wichtig, dass die Kirche ihre Arme ausbreite und jeden willkommen heiße und auch die Gottesdienste als einen warmen, geborgenen Raum für die Menschen, ihre Ängste und Sehnsüchte gestalte.

 
 
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