Es war ein harter Schlag für die Eltern, als bekannt wurde, dass die katholische Kirche das Martinshaus an die Wohnbaufirma Layher verkauft hat. Damit verbunden ist die Schließung des Kindergartens, dessen Träger die katholische Kirche ist. „Das hat uns tief enttäuscht und betroffen gemacht“, sagt Milena Müller. Gemeinsam mit anderen Eltern des Elternbeirats hat sie jetzt eine Online-Petition in Gang gesetzt, um zu retten, was zu retten ist: Geht es nach den Eltern, soll die katholische Kirche die Trägerschaft des Kindergartens im nahen Enztal-Center übernehmen.
Kirchengemeinde Besigheim Für das Martinshaus herrscht Ungewissheit
Das Haus ist verkauft, der Kindergarten wird zum Ende Juli 2027 geschlossen. Die Eltern drängen jedoch weiter auf die katholische Trägerschaft.
Eltern verfassen Petition für einen katholischen Kindergarten
Der Enztal-Kindergarten ist gerade in Planung (die BZ berichtete). Er soll vor allem die Kinder des neuen Wohngebiets auf dem früheren Ziegelei-Areal aufnehmen, das gerade von der Firma Layher gebaut wird. Die Eröffnung ist für den Herbst 2027 geplant. Zum Ende Juli 2027 soll das Martinshaus geschlossen werden. Es sind konfessionelle und pädagogische Gründe, die Müller in ihrer Petition für die Forderung der Eltern anführt. Es gehe darum, die Kirche „in die Pflicht zu nehmen“. Die Kinder seien ein lebendiger Teil des Gemeindelebens, sichtbar bei Gottesdiensten, beim Erntedankfest oder beim Sankt-Martins-Tag. Geht dieser Zusammenhalt verloren, werde das Gemeindeleben „noch weiter an Lebendigkeit verlieren“, heißt es in der Petition. Die Eltern wünschen sich ein deutliches Zeichen, „dass die Kirche in ihren Nachwuchs investiert und Verantwortung übernimmt.“
Eltern, Kinder und das Personal sehen sich zudem als Gemeinschaft, die zusammen bleiben möchte, machte Müller im Gespräch mit der BZ deutlich. Bestenfalls könnten sie geschlossen in den neuen Kindergarten wechseln.
Für die Erzieherinnen sei der Verkauf des Martinshauses ein tiefer beruflicher Einschnitt. Die Aussicht, dass sie gekündigt werden, sei bedrückend und nicht vereinbar mit dem sozialen und christlichen Anspruch der Kirche.
Aktuell haben mehr als 480 Menschen die Online-Petition unterzeichnet. Mit ihrem Anliegen haben sich Müller und der Elternbeirat sowohl an den Besigheimer Bürgermeister Florian Bargmann als auch an die Diözese in Rottenburg gewandt.
Florian Bargmann macht den Eltern keine Hoffnung
Zumindest in einer Hinsicht kann Bargmann den Eltern wenig Hoffnung machen. Gegenüber der BZ bestätigte er, dass die Stadt plant, den neuen Kindergarten im Enztalcenter in eigener Trägerschaft zu übernehmen. Er könne auch keine Garantie übernehmen, die Gruppen aus dem Martinshaus geschlossen dorthin zu bringen.
Die Forderung der Eltern fällt in eine Zeit, in der sich die Stadt darum bemüht, Öffnungszeiten der Kindergärten zu optimieren, um Personal besser einsetzen zu können und Kosten zu sparen. Bargmann versicherte lediglich, dass die Stadt für jedes Kind aus dem Martinshaus nach dessen Schließung einen Platz anbieten könne. Ähnlich hatten sich der Bürgermeister und die Beigeordnete Heike Eckert-Maier bereits auf Anfragen im Gemeinderat geäußert Der neue Kindergarten im Enztal-Center werde auch Kindern aus anderen Wohngebieten Besigheims offen stehen.
Möglicherweise geht für die Eltern jedoch eine andere Tür auf. Laut Bargmann hat sich die katholische Kirche auf dem Rathaus gemeldet, wohl als Reaktion auf die Petition der Eltern. Sie sei an Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung interessiert. Die für den Kreis Ludwigsburg zuständige Kindergartenverwaltung der Diözese, ansässig in Ludwigsburg, wollte sich auf Nachfrage der BZ jedoch nicht zur Zukunft des Martinshauses äußern.
Derzeit finde ein Austausch zwischen der Diözesanverwaltung, der Kirchengemeinde und dem Verwaltungszentrum statt, teilte das Verwaltungszentrum lediglich per E-Mail mit. „Weiter bemühen wir uns aktuell um einen Termin mit der Stadt Besigheim, um mögliche Optionen zu erörtern.“
