Kirchengemeinde Sersheim Ein Mann des Ausgleichs sagt Ade

Von Michaela Glemser
Pfarrer Johannes Rau verabschiedet sich am kommenden Sonntag in den Ruhestand. Foto: /Martin Kalb

Der Sersheimer Pfarrer Johannes Rau geht nach 33 Jahren mit einem Festgottesdienst in den Ruhestand.

In seinem Büro im Pfarrhaus im Metterweg stehen zahlreiche Bücher in den Regalen und sind Beweise dafür, dass Pfarrer Johannes M. Rau ein viel belesener Mann und ein profunder Kenner der Theologie ist. Schon in seiner Jugend wurde dieses Interesse geweckt, denn der damalige Religionslehrer von Pfarrer Rau verfügte über einen großen Wissensschatz und wusste seine Schüler für die Bibel und die Theologie zu begeistern. „Davon habe ich noch während meines Studiums profitiert. Damals haben mich die Ansichten des bekannten Theologen Rudolf Karl Bultmann sehr bewegt“, sagt Rau.

Rau hat seine Frau während des Studiums kennengelernt

Bultmann versuchte, die Theologie zu entmythisieren und stellte vieles in Frage. „Dies hat mich lange Zeit beschäftigt, bis ich Jesus mit seinem Ursprung im Judentum für mich endgültig entdeckt habe“, so Pfarrer Rau, der in seiner Studienzeit in Tübingen vor allem von der Gemeinschaft im Albrecht-Bengel-Haus profitierte und dort auch seine Frau Christa kennengelernt hat, die neben einem Germanistik- ebenfalls ein Theologiestudium erfolgreich absolviert hat. „Wir haben uns in meiner Vikariats-Zeit in Endersbach im Remstal aber dafür entschieden, dass nur ich den Pfarrberuf weiterverfolge“, berichtet Rau.

Schon in Endersbach war die Kinder- und Jugendarbeit Raus Steckenpferd. Nach einer dreijährigen Beschäftigung als Assistent am Albrecht-Bengel-Haus kam Pfarrer Rau mit seiner Familie, zu der heute fünf Kinder zählen, im Jahr 1992 nach Sersheim. „Mein Vorgänger Rainer Kiess hat in der evangelischen Kirchengemeinde in Sersheim viele Strukturen und Gruppen aufgebaut. Er wollte, dass diese fortgeführt werden“, erinnert sich Rau.

Unter der Federführung des Sersheimer Pfarrers wurde nicht nur der Neubau des Pfarrhauses umgesetzt, sondern das bisherige Pfarrhaus wurde Gruppen und Kreisen der Kirchengemeinde zugängig gemacht und die Zehntscheuer zu einem großzügigen Gemeindesaal für rund 200 Menschen umgebaut. „Die Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat und den Vertretern des Denkmalschutzes waren schwierig. Ich konnte mich dabei auf die Unterstützung von Gerd Abele sehr verlassen. Sogar der zweistöckige Glasbau als Verbindung zwischen dem Kirchenraum und dem Gemeindesaal wurde schließlich genehmigt“, erinnert sich Rau. Der Sersheimer Pfarrer wollte mit diesen Umbauten die Gemeinschaft nach den Gottesdiensten und generell in seiner Kirchengemeinde fördern.

2009 wurden die neuen Räumlichkeiten eingeweiht, von denen ein Teil auch von den Kindern und Jugendlichen der Kirchengemeinde für ihre Zwecke selbst gestaltet wurde.

Ihm ist es in der Vergangenheit gelungen, immer wieder neue Mitglieder in die evangelische Kirchengemeinde in Sersheim zu integrieren. Die Basis dafür wurde in der erfolgreichen alljährlichen Ferienfreizeit „Waldheim“ gelegt, die Pfarrer Rau auch mit Glaubensinhalten gefüllt hat. „Es ist nicht so, dass die jungen Menschen vom Glauben in der heutigen Zeit nichts halten. Das merke ich auch im Konfirmandenunterricht, bei dem es mir gelingt, die Jugendlichen für Gottes Wort zu begeistern“, so Rau. Viele seiner einstigen Konfirmanden zählen inzwischen zu den bis zu 300 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kirchengemeinde.

Auch im Ruhestand hält er Gottesdienste

Hat er zu Beginn seiner Zeit in Sersheim gemeinsam mit seiner Frau noch einige Angebote wie das Frauenfrühstück selbst aus der Taufe gehoben, funktionieren diese heute ganz von selbst aus dem ehrenamtlichen Team, wie die neueste Offerte „Soul Spa“ als Wellnesskurs für das Seelenwohl zeigt. Pfarrer Rau geht am kommenden Sonntag nach einem Festgottesdienst mit Dekan Prof. Dr. Johannes Zimmer (10.30 Uhr) in den Ruhestand. „Ich habe künftig eine Ruhestandbeauftragung im Kirchenbezirk von 50 Prozent“, sagt Rau. In Sersheim, aber auch in Horrheim und Gündelbach will er aber nicht mehr im Einsatz sein.

 
 
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