Kirchheim/Bönnigheim/Erligheim Zwischen Kamera, Klassenzimmer und Kinosaal

Von Hannah Reutter
Der 19-jährige Antonios Douliakas aus Kirchheim bewirbt sich an der Filmakademie Ludwigsburg mit seinem ersten Film „Tagebuch“, der im Luna Lichtspieltheater in Ludwigsburg gezeigt wird. Foto: /Hannah Reutter

Wer den 19-jährigen Antonios Douliakas trifft, spürt schnell, wie sehr sich bei ihm Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Kreativität vermischen.

Es ist eine seltene Symbiose aus jugendlicher Unbekümmertheit und professioneller Entschlossenheit, die man bei Antonios Douliakas spürt. Das Zeugnis des Abiturs am Alfred-Amann-Gymnasium ist kaum getrocknet, da entwirft der 19-jährige Kirchheimer bereits mit beeindruckender Klarheit seinen Weg in die Welt des Films – eine Welt, die für ihn kein ferner Traum, sondern das erklärte Ziel seiner Leidenschaft ist.

Seine Reise beginnt mit einer einfachen Kamera in der Hand, im Alter von zwölf Jahren. Was als spielerisches Experiment für YouTube startet, entwickelt sich zu einer fundamentalen Berufung. Er begreift früh, dass Talent ohne Handwerk nicht weit trägt, und sucht den direkten Weg in die Praxis: als Nebendarsteller, als Produktionsassistent und schließlich als Regisseur, der seine eigene Vision verantwortet.

Vom Autodidakten zum Jung-Regisseur

Douliakas’ Weg ist einer, der ohne Branchenkontakte auskommt. „Ich komme aus einer klassischen Arbeiterfamilie. Kunst oder Film waren da nie ein Thema“, beschreibt er seine Herkunft. Statt auf geebnete Pfade zu hoffen, schafft er sich seine eigenen. Durch Praktika, etwa bei der renommierten Bavaria Fiction in Stuttgart, taucht er in die komplexe Maschinerie einer Filmproduktion ein. Als Setrunner – der, wie er es nennt, „Allroundhelfer“ am Set – wird er zum stillen Beobachter. Er studiert das Zusammenspiel von Kamera, Ton und Regie, eine unverzichtbare Lektion in der Grammatik des Films.

Mit jeder neuen Erfahrung wächst die Verantwortung. Als Produktionsassistent bei einem Projekt der Merz Akademie beweist er Organisationstalent. Doch im Inneren reift längst der Wunsch, nicht nur die Abläufe zu unterstützen, sondern die kreativen Fäden selbst in der Hand zu halten. Sein Regiedebüt trägt den Titel „Tagebuch“. Über ein Jahr lang arbeitet er mit einem Kollektiv junger, regionaler Filmschaffender an diesem Herzensprojekt. Die Prämisse ist ebenso klassisch wie fesselnd: Drei Jugendliche entdecken an einem flirrenden Sommertag ein altes Tagebuch und geraten in den Bann eines Geheimnisses um einen verschollenen Wissenschaftler. Es ist eine atmosphärische Melange aus Mystery, Abenteuer und Coming of Age. Ein Hauch von „Stranger Things“ und die narrative Tiefe von „Dark“ schwingen mit, doch der Film findet seine ganz eigene Verortung, ist Douliakas überzeugt. Gedreht wird dort, wo Douliakas’ Leben stattfindet: in der Region. Der Angelsee in Kirchheim wird ebenso zur Kulisse, wie die Stadtbibliothek Bönnigheim, seine Schule, das Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim oder ein alter Weinkeller in Erligheim.

Projekt lebt von der lokalen Unterstützung

Das Projekt lebt von der lokalen Unterstützung – vom Anglerverein bis hin zu einem Dutzend Freiwilliger, die am Set eine professionelle Atmosphäre schaffen. „Plötzlich standen am ersten Drehtag 14 Leute am Set – das war krass, aber toll“, erinnert sich Douliakas. Gedreht wird mit einer Kinokamera und professionellem Equipment, darunter eine eigens gebaute Blitzmaschine – ein Beleg für den bemerkenswerten Grad an Engagement.

Dass bei „Tagebuch“ niemand bezahlt wurde, ist weniger ein Zeichen knapper Kassen als vielmehr ein Beweis für die ansteckende Kraft der gemeinsamen Vision, sagt er. Jeder brachte sein Können ein – vom Sounddesign bis zum Szenenbild. Dieser Prozess der ständigen Evolution prägte auch das Drehbuch, das er gemeinsam mit seiner Cousine verfasste. „Ursprünglich ging’s mehr um Zeitreisen, dann kamen wir immer mehr in Richtung Mystery.“ Es ist eine narrative Verdichtung, die zeigt, wie aus einer Idee eine fokussierte Geschichte wird.

Mit dem fertigen, etwa 15-minütigen Film hat Douliakas Großes vor. Er soll ihm als Visitenkarte für die Bewerbung an der prestigeträchtigen Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg dienen. „Szenische Regie ist mein Traum. Klar, der Andrang ist riesig – aber ich will es probieren.“ Bis dahin will er dem Set treu bleiben, in kleineren Projekten und Praktika Erfahrung sammeln und sein Netzwerk enger weben. Die Branche, die einst so fern schien, wird zum vertrauten Terrain. „Man kennt sich inzwischen. Das motiviert – und zeigt, dass man angekommen ist.“

Die Verantwortung des Geschichtenerzählers

Was bei Antonios Douliakas nachklingt, ist seine Haltung. Sein Ehrgeiz ist frei von Verbissenheit, sein Realismus ohne Zynismus. Er glaubt an die Kraft von Geschichten als Portale. „In einem Film hast du 15 Minuten oder auch zwei Stunden volle Aufmerksamkeit – und die nutze ich, um das zu erzählen, was mich bewegt.“

Es geht ihm nicht um die große Botschaft, sondern um das immersive Erlebnis – um einen Eskapismus mit Substanz. „Ich will die Leute mitnehmen. Sie sollen für eine Viertelstunde in eine andere Welt eintauchen – und einfach ein Abenteuer erleben.“ Es ist ein Plädoyer für das reine, unverfälschte Kinoerlebnis, formuliert von einem jungen Mann, der fest entschlossen ist, seine eigenen Geschichten auf die große Leinwand zu bringen.

 
 
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