Der Turngau Neckar-Enz hatte am vergangenen Sonntag allen Grund zu feiern. 180 seiner Sportlerinnen und Sportler hatten bei Wettkämpfen insgesamt über 300 herausragende Erfolge erzielt. Darunter auch eine Europameisterschaft. Welche Ästhetik, Power, Artistik und Körperbeherrschung hinterm Turnen stecken, reflektierte am Sonntag bei der knapp zweistündigen Turngau-Gala durchaus auch das sportliche, kurzweilige Rahmenprogramm.
Kirchheim Der Turngau Neckar-Enz hat viel zu bieten
Bei der Gala 2025 standen insgesamt 304 besondere sportliche Erfolge zur Ehrung an – die Show begeistert in der proppenvollen Gemeindehalle.
Turngau-Nachwuchs gab sein Bestes
Der von Linda Krauth moderierte Mix aus rhythmischer Sportgymnastik, Turnen, Gymnastik und Tanz, den die jungen Menschen vom TSV Benningen, TV Kirchheim, KSV Hoheneck, MTV Ludwigsburg, GSV Pleidelsheim, von der Svgg Hirschlanden-Schöckingen sowie Elisa und Angelina vom TSV Knittlingen präsentierten, gefiel dem begeisterten Publikum. Das machte jedenfalls der laute Beifall für all die virtuosen Auftritte mit Reifen, Ball, auf dem Schwebebalken, mit Rhönrädern beziehungsweise all die Saltos, Flick Flaks, Brücken, Rollen und Showtänze deutlich. Der Turngau-Nachwuchs gab sein Bestes.
Bei der Veranstaltung konnte die riesige Sportler-Familie Zahlen sprechen lassen. Laut Angelika Raith standen insgesamt 304 besondere Erfolge auf Gau-, Landes- und überregionaler Ebene zur Ehrung an, die insgesamt 180 weibliche und männliche Athleten erbracht hatten. Konkret handelt es sich dabei um elf Gold-, 92 Silber- und 201 Bronze-Medaillen. Gemeistert wurden diese Top-Leistungen in folgenden Sparten: Geräteturnen männlich 50 Erfolge, Geräteturnen weiblich 49, Mehrkämpfe elf, Gymnastik 58, Faustball 21 und Indiaca 115 Erfolge.
Unter den vielen, die 2025 aufs Treppchen durften, gehörten neben Akteuren von der Turner-Hochburg MTV Ludwigsburg beispielsweise auch Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus Ingersheim, Sersheim, Besigheim, Erligheim, Ochsenbach, Vahingen, Hohenklingen und vom TSV Bietigheim.
Allen voran Timo Eder vom MTV Ludwigsburg, der in Dresden nicht nur zweifacher Deutscher Meister wurde, sondern Ende Mai in Leipzig auch Mixed-Europameister. Zur Ehrung mit Gold war er am Sonntag allerdings nicht in Kirchheim erschienen – wie über 80 weitere eigentlich zu Ehrende auch nicht. Sie wurden somit auch erst gar nicht erwähnt.
Bemerkenswert sicherlich ebenso der zehnjährige Youngster vom MTV Ludwigsburg, Jonah Straub, der glänzend bei den Württembergischen Nachwuchs-Meisterschaften und auf Bundesebene abgeschnitten hatte. Oder etwa das M 60-Faustball-Team vom TV Hohenklingen, das einigermaßen überraschend Deutscher Meister wurde. Nicht zu vergessen die Silbermedaille der Faustballer vom TV Vaihingen, die im August bei den World Games in China auftrumpften.
Der aus Kirchheim stammende Turngau-Präsident Tobias Vogt hob in seiner Ansprache explizit das Ehrenamt und somit „Menschen, die etwas bewegen, Menschen, die nicht nur reden, sondern anpacken“, hervor. Heute feiere man nicht nur sportliche Erfolge, sondern etwas, das man nicht kaufen, nicht bestellen und auch nicht einfach verordnen könne: das Engagement im Ehrenamt. Diese freiwillige Übernahme von Verantwortung, das menschliche Miteinander sei Freiheit in Aktion und in Zeiten von Automation und Digitalisierung unersetzlicher denn je.
Große Zahl an Menschen, die sich kümmern
Die Zahl der Menschen, die sich kümmern, ohne eine Rechnung zu schreiben, betrage in Baden-Württemberg 48 Prozent der Bevölkerung. Dies sei die höchste Ehrenamtsquote in Deutschland, so der Turngau-Chef und CDU-Landtagsabgeordneter, der auch soziale Komponenten wie das Finden von Kompromissen hervorhob: „Die ersetzt keine App der Welt“, würdigte Vogt unter starkem Beifall die Vereine, die Brücken zwischen Generationen seien.
Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold hatte in der frisch sanierten und erweiterten „guten Stube“ der Gemeinde den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern nicht nur zu ihren persönlichen Erfolgen gratuliert, sondern ausdrücklich auch „zu ihrer Disziplin, ihrem Fleiß, Talent, Können, Einsatz“ und anderem mehr. Der Rathauschef lobte in seinem Grußwort aber auch das Engagement aller Ehrenamtlichen in Vereinen und Verbänden, die sowohl Breiten- als auch Spitzensport überhaupt erst ermöglichten.
