Die Leute warten schon darauf, dass es regionale Erdbeeren gibt“, sagt Tobias Munz. Seit 9. April werden bei Obstbau Munz in Kirchheim die frühkultivierten Erdbeeren in intensiver Handarbeit geerntet. Höhere Kosten für Sprit und Dünger und ein um 1,08 Euro gestiegener Mindestlohn, dennoch sagt der 39-Jährige: „Wir schauen, dass wir preislich ein ähnliches Niveau wie im letzten Jahr halten.“
Kirchheim „Die Ernte lässt sich nicht mechanisieren“
Seit dem 9. April werden auf dem Römerhof Erdbeeren geerntet. Trotz höherer Kosten will Tobias Munz die Preise über die Saison stabil halten.
Aufwendige Handarbeit
„Die Roten nehmen, die Grünen lassen“, lautet die Devise beim Pflücken. Doch die Sammelnussfrüchte schmecken nicht nur süß, sie sind auch äußerst sensibel. Sie zu ernten, ist mit intensiver Handarbeit verbunden: „Die Ernte lässt sich nicht mechanisieren“, beschreibt Munz den Vorgang. Man muss sich zur Pflanze hinunterbeugen, die reifen von den unreifen Früchten unterscheiden und die roten Beeren gemeinsam mit dem kleinen grünen Stängel abknipsen.
Auf dem Römerhof in Kirchheim werden Pflanzen auf etwas erhöhten Dämmen angepflanzt, sodass man sich nicht zu stark bücken muss. Rund 20 Menschen sind aktuell mit der Ernte beschäftigt. „Derzeit gibt es genügend Leute, die arbeiten wollen, es gibt ein stabiles Interesse“, sagt Munz. Da viele andere Landwirte aufhören würden, würden sich die Gastarbeiter, die vorwiegend aus Rumänien kommen, nach Arbeitsmöglichkeiten umschauen.
Gestiegene Kosten
Dass der Mindestlohn zum 1. Januar 2026 um 1,08 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist, bekommt auch Munz zu spüren. Die Lohnnebenkosten zählen für ihn zum unternehmerischen Risiko. Dazu gehörten auch gestiegene Kosten, etwa beim Treibstoff. Beim Einkauf des Düngemittels, der auch teurer geworden ist, hatte der Kirchheimer jedoch Glück. Rechtzeitig vor der Preiserhöhung hatte er sein Lager noch gefüllt.
Am Römerhof, der bereits in vierter Generation besteht, werden viele verschiedene Erdbeersorten angepflanzt. „Sie müssen vor allem zum Standort passen und unterscheiden sich durch die unterschiedlichen Reifezeiten“, erklärt Munz. Neben dem guten Geschmack der Früchte achtet er vor allem darauf, dass die Sorten weniger anfällig für Krankheiten wie Mehltau sind.
Wie schnell die Früchte in der Saison dann reifen, hängt letztlich von den Temperaturen, sagt Munz. Sind die Nächte kühl, reifen die Früchte langsamer. An drei bis vier Tagen überlappen sich erfahrungsgemäß in jeder Saison die Kulturen mit den Anschlusskulturen – dann muss es auch beim Ernten schnell gehen. Von dieser Phase der Erdbeerzeit profitierten dann die Kunden, die die Früchte auch oft zum Einkochen von Marmelade verwenden, sagt Munz.
Er baut seine Erdbeeren sowohl in Folientunneln als auch im Freiland an. Bei Letzteren handelt es sich um späte Kulturen, die zunächst mit einer Strohschicht abgedeckt und isoliert werden, um so unbeschadet den Dauerfrost zu Jahresanfang zu überstehen. „Die Pflanzen treiben dann später im Jahr aus“, sagt Tobias Munz.
Seit Ende der 1960er-Jahre werden in der Familie Munz, die unter anderem Äpfel, Birnen und Heidelbeeren produziert, auch Erdbeeren angebaut. Zu dem großen Wissen und der Erfahrung im Obstanbau kommen mittlerweile Warenwirtschaftsprogramme, die das Planen, Pflanzen, Pflegen und Ernten unterstützen, sagt Munz. Aber es fasziniere ihn immer noch, wenn die ersten Erdbeerpflanzen blühen und er zur Befruchtung Hummelvölker an die Pflanzen bringt, weil die Bienen in der Natur zu dem Zeitpunkt noch nicht unterwegs sind. „Ich freue mich jeden Tag darauf, aufs Feld zu gehen“, sagt Munz: „Ich fühle mich dem regionalen Anbau von Erdbeeren verpflichtet.“
Kein Jahr ohne Experimente
Das schätzten auch die Stammkunden, die die Erdbeeren, das Kern- und Steinobst im Lebensmitteleinzelhandel und an den saisonalen Verkaufsständen in Kirchheim bei der Firma Herzog und in Bietigheim-Bissingen an der Avia-Tankstelle in der Stuttgarter Straße kauften: „Verkaufstechnisch passt es“, sagt Munz.
„In der Produktion probieren wir jedes Jahr etwas Neues – ob mit neuen Sorten oder beim Abstand der Bewässerungsgeräte oder bei der Laufzeit“, sagt Munz und weiter: „Ein Jahr ohne Experimente würde Stillstand bedeuten.“
