Eigentlich ist es eine Scheune wie viele andere in Kirchheim. Doch hinter der roten Türe mit Glaseinsatz geht es an jedem Dienstagabend hoch her. Die Barn Stompers üben eine besondere Art des „Step Dancing“ ein. „Clogging“ nennt sich der Tanz, der eine moderne Variante des klassischen Steppens darstellt und bei dem alle Musikstile eingesetzt werden. Deutschpop, Techno, Schlager, Hip-Hop – alles ist erlaubt.
Kirchheim Ein Kick dauert bis zum nächsten Step
Die Barn Stompers aus Kirchheim tanzen mit dem „Clogging“ eine besondere Art des Stepptanzes, der in den 1980er-Jahren aus den USA kam. Die BZ hat ich das angeschaut.
Tanz wurde in den USA erfunden
„Countrymusik bildet inzwischen den kleinsten Teil der Musik“, erklärt die Vorsitzende des Vereins, Sabine Scheihing. Dabei hatte sich das „Clogging“ einst in den USA entwickelt. Im 17. Jahrhundert hatten Einwanderer aus Deutschland, Irland, Schottland und Holland ihre Sprachbarrieren mittels Musik und Tanz überwunden und dabei ihre unterschiedlichen, traditionellen Tanzformen miteinander verbunden; indigene und afrikanische Elemente waren mit aufgenommen worden. Auf diese Weise war in den Appalachen, einem Gebirgszug an der Ostküste der USA, das „Clogging“ entstanden. Anfang der 1980er-Jahre, als Squaredance in Deutschland bereits weit verbreitet war, hatten hier stationierte US-Soldaten das „Clogging“ in Umlauf gebracht. In Kirchheim wird es seit 1999 getanzt, der Verein besteht seit 2010 mit derzeit 22 Mitgliedern, davon vier Männer. Die Übungsleiterin Angelika Kromer wird „Instructor“ genannt. Sie hat auch zwei der Männer dahingehend ausgebildet.
Beim Üben werden die einzelnen Schritte, die Steps, gelernt, deren Reihenfolge der „Instructor“ individuell festlegt und laut ansagt. „Double-Step, Rock, Step ist eine der Kombinationen, die ein Basic bilden“, erläutert Kromer. Acht Grundbewegungen gibt es, die Movement genannt und aus denen die Schritte kombiniert werden.
„Sage ich zum Beispiel ‚Kick‘, wird dieser Schritt in meiner Gruppe so lange getanzt, bis ich den nächsten Step ansage.“ In anderen Gruppen wird oft mit dem Tanzen aufgehört, wenn der „Instructor“ keine weiteren Vorgaben gibt.
Die Sache mit den Metallplättchen
„Aber es muss ja auch weitergehen, wenn ich mal abgelenkt bin“, lacht Kromer. Teilweise werden beim Tanzen die Arme bewegt, „aber das ist Styling-Sache“. Beim Üben gibt es keine feste Choreographie, „ich lege Musik auf und dann tanzen wir, was mir so einfällt.“
Die Variationen scheinen nahezu unbegrenzt zu sein. Getanzt wird in einer Linie, formiert als Gruppe oder allein, nur gelegentlich mit Partner. Das Besondere am „Clogging“ sind die Metallplättchen, die Jingle-Taps, an den Schuhen, die das für den Stepptanz typische Klackern erzeugen, das in Kirchheim weit über die Scheune hinaus zu hören ist.
Bei den Barn Stompers haben die Schuhe zwei feststehende Plättchen, eines an der Ferse, eines an der Fußspitze. Auf beiden befinden sich lockere Plättchen, die bei jeder Bewegung klackern.
„Dadurch werden andere Töne erzeugt, als bei „Clogging“ Clubs mit nur einem beweglichen Plättchen“, beschreibt Kramer. „Die Töne werden höher und es klimpert schon beim Laufen, ohne dass man die Füße auf dem Boden aufsetzt“. Die Mitglieder unterschiedlichsten Alters kommen zum Teil aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn, teilweise aus Stuttgart, wie Susanne, eine 64-jährige begeisterte Tänzerin, die jede Woche mit dem Zug aus der Landeshauptstadt hierher fährt.
Im Moment übt eine Frau nach einer Operation mit Gehstöcken in der Gruppe mit. „Man macht einfach so viel, wie man kann, beim ,Clogging’ ist das jedem selbst überlassen“, sagt Kromer und schmunzelt.
Scheihing, die nahe der Scheune wohnt, war einst von den Geräuschen angelockt worden, hatte einen Kurs besucht und schildert fasziniert: „Seither komme ich nicht mehr davon weg“.
