Es war ein Schock“, sagt Rosemarie Lehmann (25), „und wurde zum Wunder“. Am 14. Juli diesen Jahres dauerte es von der Einlieferung der Kirchheimerin ins Bietigheimer Krankenhaus mit starken Bauch- und Unterleibsschmerzen über die Mitteilung, sie sei schwanger, bis hin zur Geburt der Tochter gerade einmal vier Stunden. Sie wurde vollkommen überrascht von ihrer Schwangerschaft „Ich war unvorbereitet, man musste mir während der Geburt das Pressen beibringen“, sagte sie. Die ging dann doch schnell, nach zwei Stunden Geburtsvorgang konnte sie und ihr baldiger Ehemann Mohammad Aljahmani (19) ihr Kind in den Armen halten.
Kirchheim „Eine Geburt ohne Schwangerschaft“
Rosemarie Lehmann aus Kirchheim wusste nicht, dass sie schwanger ist, da Tests negativ waren. Im Bietigheimer Krankenhaus erfuhr sie, dass sie Wehen hat.
Keine Anzeichen von Bewegung oder Tritten des Kindes
Die junge Frau wusste nichts von ihrer Schwangerschaft. „Es gab keine Anzeichen.“ Da sie aber Ende vergangenen Jahres eine Verkürzung ihrer Periode bemerkte, ständig Sodbrennen hatte und auch unter Gewichtszunahme litt, machte sie einen Schwangerschaftstest, der negativ war. „Ich rief bei meinem Frauenarzt an, um einen Blut- und Urintest machen zu lassen, aber der sagte, das sei nicht notwendig, wenn der Schwangerschaftstest negativ sei“, so Lehmann. Weder Übelkeit noch Geruchsempfindlichkeit plagten sie, also ging sie auch davon aus, nicht schwanger zu sein.
Auch später gab es keine Anzeichen von Bewegung oder Tritten des Kindes. Das wurde ihr im Bietigheimer Krankenhaus erklärt: Das Kind habe im hinteren Bauchraum, fast am Darm „geklebt“, und an der Bauchdecke sei die Placenta gelegen, so wurden Bewegungen abgefedert. Auch ein größerer Bauch war bei Rosemarie Lehmann nicht zu sehen. Kinder wollte sie schon immer, aber erst mit 27, da sie eigentlich im August mit einer weiteren Ausbildung anfangen wollte. Die Hochzeit mit ihrem Freund war schon lange für April 2027 geplant.
Sie habe geraucht, Schmerztabletten genommen und sich nicht immer gesund ernährt. Gearbeitet habe die Altenpflegefachkraft im Kirchheimer Seniorenheim Haus am Mühlbach noch zwei Tage zuvor. Am Tag vor der plötzlichen Geburt hatte sie eine Zahn-OP mit Betäubung. Am 14. Juli hatten Rosemarie Lehmann, ihr Freund, Auszubildender zur Pflegefachkraft, und auch ihre Mutter Daniela Lehmann, die das Haus am Mühlbach leitet, wegen einer Familienfeier frei.
Eine Woche lang starke Bauchschmerzen
Schon seit 6. Juli, so erinnert sich die junge Mutter, habe sie starke Bauchschmerzen gehabt, die dann in der Nacht zum 14. Juli unerträglich wurden. „Ich konnte weder stehen noch laufen, ich dachte, ich habe irgendwas Schlimmes.“ Per Rettungswagen und Blaulicht kam sie ins Bietigheimer Krankenhaus, Fragen nach einer etwaigen Schwangerschaft wurden von ihr verneint. Auch bei der Ultraschalluntersuchung im Krankenhaus gab es keine Hinweise auf eine Schwangerschaft. Doch ein Arzt bemerkte den geöffneten Muttermund und rief einen Gynäkologen hinzu. Nach der Untersuchung sagte dieser, „Sie sind mitten in den Geburtswehen.“ „Es war so unwirklich, ich wollte es nicht glauben“, sagt Mohammad Aljahmani. Es sei schwer für ihn gewesen, sich so auf die Schnelle als Vater zu sehen. „Die emotionale Verbindung zum Baby ist erst jetzt gewachsen“, sagt er im Gespräch mit der BZ, während er seinem Kind neue Windeln anlegt. „Er kann das besser als ich, weil er es in seiner Ausbildung zur Pflegefachkraft gelernt hat“, sagt Lehmann. „Wir hatten ja keinerlei Geburtsvorbereitung, ich hatte so Angst, etwas falsch zu machen“, so Lehmann.
Während der Geburt musste das medizinische Personal der jungen Gebärenden die grundlegenden Aktionen erst erklären. Doch zwei Stunden später war ihre Tochter auf der Welt. sie wog 2770 Gramm und war 50 Zentimeter groß. Im Krankenhaus wurde sie wie ein Frühchen behandelt, da man die Schwangerschaftswoche nicht bestimmen konnte. „Das Baby war ausgereift, sagten sie mir“, so Lehmann. Dennoch sollte die Kleine in einer Frühchen-Box in die Kinderklinik Ludwigsburg gebracht werden. Drei Tage später kamen Mutter und Kind nach Hause. Statt sich aber erst mal an ihr Muttersein zu gewöhnen, musste sie all die Dinge tun, die andere Mütter in der Schwangerschaft vorbereiten: die Babyausstattung, die Anträge zu Mutterschaftsurlaub, Elternzeit. „Für mich war es eine Geburt ohne Schwangerschaft“, sagt Rosemarie Lehmann.
