Ein ungewohntes Bild bot sich am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses in Kirchheim: Wo sonst über Bebauungspläne und Haushalte debattiert wird, knieten Gemeinderäte auf dem Boden und übten unter fachkundiger Anleitung die Herzdruckmassage. Anlass war der Auftakt der Aktion „Kirchheim gegen den Herzstillstand“, initiiert vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Ortsverein Kirchheim.
Kirchheim Gemeinderat übt für den Ernstfall
Auftakt der DRK-Aktion „Kirchheim gegen den Herzstillstand“: Im Ratssaal gab es am Donnerstag einen Herzdruckmassagen-Kurs.
Kommunalpolitiker wollen ein Zeichen setzen
Unter der Leitung des Ideengebers der Aktion, Hans Müller vom DRK-Ortsverein, erhielten die Mitglieder des Gemeinderats eine fundierte Schulung in der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Damit wollen die Kommunalpolitiker ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen. „Wir wollen die Bürger von Kirchheim für dieses lebenswichtige Thema sensibilisieren. Jeder von uns kann in die Situation kommen, Erste Hilfe leisten zu müssen. Dann zählt jede Sekunde“, betonte Bürgermeister Uwe Seibold am Rande der Schulung.
Die Dringlichkeit dieser Initiative untermauerte Hans Müller mit eindrücklichen Zahlen und Fakten. In Deutschland erleiden jährlich über 60.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ohne sofortige Hilfe sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent. Da der Rettungsdienst im Durchschnitt erst nach acht bis zehn Minuten eintrifft, sind die ersten Minuten entscheidend.
„Das Gehirn nimmt bereits nach wenigen Minuten ohne Sauerstoffversorgung irreversible Schäden“, erklärte Müller den aufmerksamen Gemeinderäten. „Eine sofort begonnene und korrekt durchgeführte Herzdruckmassage kann die Zeit bis zum Eintreffen der professionellen Helfer überbrücken und die Überlebenschancen verdoppeln bis verdreifachen.“
Im praktischen Teil der Schulung legte Müller besonderen Wert auf die korrekte Ausführung. Die richtige Vorgehensweise sei dabei klar strukturiert: Zuerst wird die Person angesprochen und sanft gerüttelt. Zeigt sie keine Reaktion und ist keine normale Atmung feststellbar, muss umgehend der Notruf 112 abgesetzt werden. Direkt im Anschluss platziert der Ersthelfer den Handballen auf die Mitte des entblößten Brustkorbs, legt die zweite Hand darüber und beginnt mit der Herzdruckmassage. Dabei wird der Brustkorb bei einem Erwachsenen kraftvoll fünf bis sechs Zentimeter tief und mit einer schnellen Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute eingedrückt. Als nützlicher Taktgeber für den richtigen Rhythmus kann zum Beispiel der Song „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees im Kopf mitgesungen werden.
Hans Müller appellierte an die Teilnehmer und alle Bürger: „Viele Menschen haben Angst, bei der Ersten Hilfe etwas falsch zu machen. Aber beim Herzstillstand ist das Einzige, was Sie wirklich falsch machen können, untätig zu bleiben. Ein beherzter Griff und eine kräftige Druckmassage sind die Brücke zurück ins Leben, bis der Rettungsdienst da ist. Trauen Sie sich zu helfen – Sie können damit alles gewinnen.“
Die Gemeinderäte zeigten sich beeindruckt und motiviert. Die Aktion „Kirchheim gegen den Herzstillstand“ soll in den kommenden Monaten mit weiteren Angeboten für die Bevölkerung fortgesetzt werden.
