Man habe immer noch eine starke Marktposition bei den Betonwaren, „das macht die Sache einfach besonders traurig“, sagt Geschäftsführer Dietmar Köster gegenüber der BZ zur Unternehmensentscheidung, die Betonwerke in Kirchheim und Gemmrigheim des Traditionsunternehmen Adolf Blatt zum Jahresende zu schließen. Man werde sich im operativen Geschäft auf das Kieswerk im badischen Neuried/Ichenheim konzentrieren. Eigentlich ein „Back to the Roots“, denn schließlich basierte das 1910 von Heinrich Blatt gegründete Unternehmen in den ersten 40 Jahren auf der Gewinnung von Sand und Kies aus dem Neckar.
Kirchheim/Gemmrigheim Betonwerke Adolf Blatt schließen zum Jahresende
Das Traditionsunternehmen legt seine beiden Standorte am Neckar still. 30 Mitarbeiter werden entlassen.
Hohe regulatorische Belastung
„Neben generellen Faktoren wie Fachkräftemangel, hoher Energie- und Materialkosten, wie auch der noch immer wachsenden regulatorischen Belastung, wurde unser Unternehmen insbesondere durch ein überaus langwieriges Genehmigungsverfahren im Hinblick auf neue Abbauvorkommen für unser Kieswerk am Oberrhein belastet“, schreibt Köster in einem Rundbrief, der Anfang der Woche an Kunden und Geschäftspartner verschickt wurde.
So sei im Kieswerk Neuried/Ichenheim viel Geld des Unternehmens gebunden, auch für den immer weniger rentablen Abbau von Kies. Ab 2018/2019 sei es dramatisch geworden, wie Köster erklärt, „uns ist relativ schnell der Kies ausgegangen.“ Man musste bis zu 90 Meter tief baggern, mit dem Ergebnis, dass nur noch rund ein Drittel Kies gefördert wurde, der Rest waren nicht verwertbare Bestandteile.
Bereits 2013 wurde deshalb eine Kooperationsvereinbarung mit der RMKS Rhein Main Kies und Splitt GmbH & Co. KG – die Kies an einem benachbarten See abbaut – mit dem Ziel geschlossen, den Damm zwischen den beiden Seen in Ichenheim und Meisenheim einzureißen und den darunterliegenden Kies abzubauen. „Man kann dort sehr viel Kies mit wenig Flächenfraß abbauen“, erklärt der Blatt-Geschäftsführer. Im April 2016 gab es den offiziellen Startschuss für das Planfeststellungsverfahren im Landratsamt im Ortenaukreis. Im Dezember 2019 reichten die beiden Unternehmen den Genehmigungsantrag ein. Die beiden Kooperationspartner waren zu diesem Zeitpunkt der Überzeugung, dass das Genehmigungsverfahren „vergleichsweise relativ schnell umsetzbar“ sein müsste.
„Mühlen der Bürokratie“
Köster: „Wir hatten die Vorstellung von etwa eineinhalb Jahren“. Es habe sich nur um die Erweiterung eines Kiessees gehandelt und das Projekt sei im Regionalplan des Landes prominent vermerkt gewesen. Tatsächlich dauerte es sechs Jahre. Man sei „in die Mühlen der Bürokratie geraten“, so Köster.
Vor einem halben Jahr erhielten sie nun die Genehmigung. „Ein Kieswerk muss am Leben gehalten werden“, betont der Blatt-Geschäftsführer, einmal stillgelegt, sei es nur schwierig es wieder in Betrieb zu nehmen. Das Unternehmen habe so in den vergangenen acht bis neun Jahren viel Geld verloren. Verluste durch den unrentablen Kiesabbau, aber auch übliche Einnahmen aus dem Kiesgeschäft fehlten. „Die Margen im Kiesbereich sind wesentlich höher als bei den Betonwaren“, erklärt Köster.
Obwohl in Kirchheim und Gemmrigheim „gute Ergebnisse“ erzielt wurden, habe das Geld für Investitionen in die Betontechnik und in das Personal gefehlt. Letztendlich drohte irgendwann der Totalausfall der Produktionstechnik und er kam mit den Gesellschaftern zur der Überzeugung: „Das kann man nicht mehr retten.“ Die Fortführung der Firmenaktivitäten am Betonwarenmarkt, „unter Beibehaltung unserer sehr hohen Ansprüche an Produkt- und Servicequalität,“, wie es in dem Kundenbrief heißt, sei mittelfristig nicht weiter möglich.
Die beiden Standorte in Kirchheim und Gemmrigheim am Neckar werden geschlossen, 30 Mitarbeitern wird gekündigt, der Firmensitz bleibe aber vorerst in Kirchheim
Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold: Seit er„völlig überraschend“ aus dem Rundbrief über die Stilllegung des Kirchheimer Werks erfahren hat, ist er mit Blatt-Geschäftsführer Dietmar Köster im Gespräch. Es gebe viel zu besprechen, was mit der 3,5-Hektar-Fläche am Neckar, mit Schiffsanleger, wird, die zur Planungshoheit der Gemeinde gehöre. Die Nachnutzung sei auch wegen der Lage im Hochwasserbereich nicht einfach. Der Austausch mit Köster sei gut, die beiden betroffenen Gemeinden würden in das weitere Vorgehen einbezogen.
Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer: „Uns hat die Sache insgesamt sehr unvorbereitet getroffen. Grundsätzlich ist es so, dass der Verlust einer traditionsreichen Firma natürlich ein Verlust ist.“ Über Jahrzehnte sei die Firma Blatt mit der Gemeinde verbunden. Die Gemeinde war in vielerlei Hinsicht auch Partner der Gemeinde. Ob und in welcher Form die Gemeinde Interesse an Flächen hat, müsse untersucht werden.
