Hochwasser darf keine Überraschung sein, sondern ein Ereignis, mit dem Städte und Gemeinden rechnen. Entsprechend sind Maßnahmen notwendig, die Kommunen auf Starkregen und Überflutungen vorbereiten und vor deren Folgen so gut wie möglich schützen. Ein sinnvolles Instrument kann hier ein Hochwasser-Frühwarnsystem wie „Noysee“ von der Netze-BW sein, das am Donnerstagabend im Kirchheimer Gemeinderat vorgestellt wurde.
Kirchheim Hochwasser-Frühwarnung kommt
Der Gemeinderat beschließt die Installation des Systems „Noysee“ einstimmig – Sensoren überwachen Pegelstände des Mühlbachs in Echtzeit.
Drei Sensor-Standorte
Die Kommune sei mit ihrer Kessellage besonders gefährdet, sagte Bürgermeister Uwe Seibold. Der Mühlbach könne sehr schnell ansteigen, Fußwege überfluten und Keller volllaufen lassen. Teil des „Noysee“-Frühwarnsystems seien drei Sensoren für Kirchheim, die auf Bönnigheimer Gemarkung platziert würden – angedacht sind Standorte am westlichen Stadtrand von Bönnigheim im Bereich der Sportanlagen, im Bereich der Bönnigheimer Feuerwehr und an der kleinen Mühlbachbrücke direkt an der Gemarkungsgrenze.
Lars Ehrenfeld von der Netze-BW, eine Tochtergesellschaft der EnBW, erklärte die Funktionsweise des Systems: Über die Sensoren würden die Pegelstände in Echtzeit ermittelt und via Funk auf ein Dashboard übertragen, wo sie visualisiert und ausgewertet würden. Bei Überschreitung von konfigurierten Grenzwerten werde automatisch eine Alarmierung per E-Mail, SMS oder Sprachanruf ausgelöst.
Individuell könnten Alarmketten eingerichtet werden, die Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rathaus informieren. Von dort aus seien dann entsprechende Maßnahmen – von Einrichtungen mit Sandsäcken bis zur Evakuierung von Menschen – zeitnah umsetzbar. Die Vorwarnzeit betrage nur 15 bis 20 Minuten. „Noysee“ mache Einsatzschwerpunkte deshalb schnell erkennbar, ermögliche eine effiziente Lagebewertung, eine schnelle Entscheidungsfindung und einen gezielten Einsatz von Hilfskräften.
Bürgerinnen und Bürger könnten sich über die Homepage der Gemeinde oder über eine kostenlos zu ladende App informieren beziehungsweise bei Gefahr alarmieren lassen, um selbst Maßnahmen zu ergreifen. In Baden-Württemberg gebe es bereits 45 realisierte „Noysee“-Projekte, so Ehrenfeld. Weil auch Walheim, Erligheim und Bönnigheim eine Anschaffung des Frühwarnsystems erwägen, wäre ein gemeinsamer und damit kostengünstigerer Einkauf wünschenswert, sagte Bürgermeister Seibold.
Der Preis für das Frühwarnsystem für Kirchheim summiert sich laut Angebot mit den Kosten für die drei Sensoren (7500 Euro), für Material und Installation (1592 Euro), die Einrichtung der App und die Webanbindung (400 Euro) sowie für den laufenden Betrieb und die Lizenz mit einer Laufzeit von drei Jahren (4428 Euro) auf 16.565 Euro inklusive Umsatzsteuer.
System ab 2026 einsatzbereit
Das System sei ab der Starkregensaison 2026 einsatzbereit, sagte Ehrenfeld. Auf Fragen aus dem Gemeinderat bestätigte er, dass die gesammelten Daten über viele Jahre verfügbar seien, die Lebenszeit der Sensoren zwischen fünf und zehn Jahren betrage und die Kollegen von Entwicklung und Support immer zur Verfügung stünden. 2027 ist laut Seibold eine Anbindung an „Fliwas“ geplant, ein Flutinformations- und Warnsystem, das alle verfügbaren Hochwasserinformationen des Landes Baden-Württemberg und der kommunalen Ebene auf einer Plattform im Internet bündelt und einen schnellen Überblick über die Hochwassersituation ermöglicht.
Die Installation des Frühwarnsystems „Noysee“, zunächst ohne „Fliwas“, wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen. Die Anbindung wird für 2027 angestrebt.
