Kirchheim Hopfenstangen als große Leidenschaft

Von Hannah Reutter
Klaus Kling(rechts) und seine Helfer haben hinter seinem Haus Hopfen geerntet. Foto: /Martin Kalb

In Kirchheim baut Klaus Kling seinen eigenen Hopfen an. Die Ernte ist längst zu einem kleinen Fest geworden.

Sechs Hopfenstangen sind nicht viel – jedenfalls nicht im Vergleich zu den großen Hopfengärten der Hallertau. Für Klaus Kling reichen sie vollkommen aus. Der Kirchheimer baut den Hopfen für sein selbst gebrautes Bier an. Und einmal im Jahr wird die Ernte zum Ereignis: Dann kommen Freunde und Bekannte zusammen, um die Dolden von Hand zu zupfen.

Arbeitseinsatz wird zum Fest

Aus dem Arbeitseinsatz ist über die Jahre ein richtiges Fest geworden. 50 bis 60 Menschen können dabei schon einmal zusammenkommen. Einer nach dem anderen werden die Hopfenranken heruntergeholt, gemeinsam werden die grünen Dolden abgezupft.

Zum Hopfen kam Kling über seine Begeisterung fürs Bier. Auf Reisen nach England stieß Kling auf eine bereits vorhandene Homebrew-Szene. Dort konnte man Sets kaufen, mit denen sich zu Hause Bier herstellen ließ. Anfangs arbeitete man dabei häufig mit Extrakten: Bierwürze wurde eingedickt und später wieder mit Wasser angesetzt. Geschmacklich habe ihn das noch nicht vollkommen überzeugt, erzählt Kling. In den 1980er-Jahren bekam das Hobby auch in Deutschland mehr Aufmerksamkeit. Kling erinnert sich an eine Fernsehsendung von Jean Pütz, in der gezeigt wurde, wie Bier tatsächlich aus Malz und weiteren Zutaten gebraut wird.

Anfang der 1990er-Jahre machte Kling aus seiner Leidenschaft ein Geschäft. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann hatte Betriebswirtschaft studiert und war beruflich im Bereich Werbung und Marketing tätig. Das Angebot für Hobbybrauer sei damals überschaubar und vor allem teuer gewesen. „Ich versuchte es günstig zu machen“, erinnert er sich. 1992 begann er, Produkte für Haus- und Hobbybrauer zu vertreiben. Angefangen habe alles klein – in zwei Garagen.

Die Nachfrage wuchs. Zunächst bestellten die Kunden schriftlich oder telefonisch, später verlagerte sich das Geschäft zunehmend ins Internet. Kling baute den Betrieb über Jahre aus und verkaufte ihn schließlich an einen Nachfolger. Dass sich daraus ein etabliertes Unternehmen für Hobbybrauer entwickelt hat, erfüllt ihn bis heute mit Stolz. Auch als Autor machte er sich in der Szene einen Namen. Sein Fach- und Lehrbuch „Bier selbst gebraut“ erschien erstmals 1998 und wurde seither mehrfach überarbeitet und neu aufgelegt.

Wer mit Kling durch seinen Hopfen geht, bekommt schnell eine kleine Lehrstunde in Sachen Bier. Er nimmt eine Dolde auseinander und zeigt auf die gelben Bestandteile im Inneren. Dabei handelt es sich um Lupulin. Darin stecken jene Stoffe, die für das Bittere und das Aroma des Hopfens verantwortlich sind.

Wie intensiv ein Hopfen wirkt, hängt unter anderem vom Gehalt an Alphasäure ab. Sie ist für den Brauer eine entscheidende Größe, wenn es darum geht, die gewünschte Bitterkeit eines Bieres einzustellen.

Die Werte unterscheiden sich je nach Sorte deutlich. Ausgesprochene Bitterhopfen können einen sehr hohen Alphasäuregehalt erreichen. Kling arbeitet bei seinem eigenen Anbau mit einer traditionellen Sorte, deren Werte niedriger liegen. Welche Menge Hopfen in den Sud kommt, hängt außerdem vom Bierstil ab. Ein Hefeweizen benötigt wesentlich weniger Bitterkeit als ein Pils. Kling und seine Mitbrauer stellen unter anderem Helles, Dunkles, Weizen und Pils her.

Männliche und weibliche Pflanzen

Wie intensiv das Aroma des Hopfens ist, lässt sich direkt vor Ort erleben: Kling zerreibt eine Dolde kräftig zwischen den Händen. Sofort steigt der typische würzig-herbe Geruch auf und bleibt auf der Haut haften.

Auch botanisch hat der Hopfen seine Besonderheiten. Die Pflanze ist zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Exemplare. Für das Bier werden in der Regel die Dolden der weiblichen Pflanzen verwendet. Unter guten Bedingungen wachsen die Hopfenpflanzen innerhalb einer Saison mehrere Meter in die Höhe. In diesem Jahr macht ihnen allerdings die Trockenheit zu schaffen. Auch an Klings Pflanzen sind die Folgen des Wassermangels zu erkennen. Einige Reben tragen deutlich weniger als in besseren Jahren. Hannah Reutter

 
 
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