Kirchheim „Offene Gemeinde mit Vielfalt von Aufgaben“

Von Uwe Deecke
Der Kirchheimer Bürgermeister Uwe Seibold vor einem Sanierungsobjekt in der Hauptstraße. Eine ganze Reihe von Projekten werden in diesem Jahr umgesetzt.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Kirchheim nahm im Januar nach der Vergrößerung der Gemeinschaftsschule die Kernsanierung der Gemeindehalle in Angriff. Bürgermeister Uwe Seibold spricht sich für mehr Eigenverantwortung der Kommunen aus.

Das Jahr 2021 war ein sehr arbeitsintensives und herausforderndes Jahr, weil es einmal mehr galt, die Anforderungen der Corona-Pandemie zu bewältigen“, sagt Bürgermeister Uwe Seibold rückblickend. Vereine mussten teilweise die Arbeit einstellen, umziehen, und das gesellschaftliche Leben brach mit den Absagen für Feste und Veranstaltungen wie überall mehr oder minder ein.

Die Pandemie kam zu einer Zeit, als die Gemeindehalle sowieso kaum mehr nutzbar war und andere Lösungen gefragt waren. Aktuell wird die aus dem Jahr 1965 stammende Halle teilweise abgebrochen. Vereine und die DLRG brauchen sie unbedingt, und auch andere Kommunen im Landkreis nutzen das dortige Lehrschwimmbad.

Das Bauprojekt liegt weit jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke, eine Größenordnung, die im Gemeinderat auch Ängste und Bedenken auslöste. Doch es gibt auch zahlreiche Zuschüsse: Für die Kita in der neuen Halle sind Landesmittel bewilligt, es kommen Gelder für Energieeinsparung und Sporteinrichtungen sowie Nullzinsdarlehen, die langfristig abgeschrieben werden können. Für die Schule, die einen großen Anteil an auswärtigen Schülern hat, könne die Kommune mit rund 45 Prozent Fördermitteln rechnen, schätzt Seibold, seit 22 Jahren Bürgermeister der Kommune.

Der Verwaltung ging inzwischen die Arbeit nicht aus, und dabei hat man sich das Motto „Kirchheim schafft Zukunft“ auf die Fahnen geschrieben: Das Cronimet-Areal am Neckar konnte nach Jahren endlich gekauft werden und könnte ein bedeutsames Gebiet für einen Busbahnhof, ein Familienzentrum, die Jugendarbeit und urbanes Wohnen werden. Und auch die klimafreundliche Nahwärme soll einen Ringschluss bekommen und den Ortskern mit Neubaugebiet und Gewerbegebiet verbinden. Die Planungen dafür stehen und erste wichtige Gebäude sind bereits an der Leitung angeschlossen.

Kampf gegen Schleichverkehr

„Ziel muss es sein, Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, macht Seibold deutlich. Bevor die Pendler weiter die Straßen von Kirchheim verstopfen, sollten sie sich besser dort ansiedeln, findet der Bürgermeister, der mit seinem Gemeinderat gerade alles tut, um den B27-Schleichverkehr durch den Ort zu verhindern.

Dass Seibold den möglichen VVS-Anschluss eher am geräumigen Lauffener Bahnhof sieht, ist kein Geheimnis, in Kirchheim sei es dafür schlichtweg zu eng. Und man rüstet sich für die Aufgaben der Zukunft: Neben der neuen Pflege-WG wurde die Sanierung des Neckartors in der Starengasse begonnen, der Tennisverein ist am Sportpark Fronpark angekommen und man ist beim Breitbandausbau an erster Stelle. Für das Jahr 2022 ist zudem die Umsetzung des dringend benötigten Wohngebietes „Lüssen 3“ vorgesehen, und auch die Entwicklung des nächsten Abschnittes im Gewerbegebiet steht 2022 auf dem Programm.

Die Haushaltslage sieht bei all dem nicht bedenklich aus. Das Jahr 2021 wird aller Voraussicht nach nicht ganz das überaus positive Ergebnis des Jahres 2020 erreichen, trotzdem sei „es insgesamt ein zufriedenstellendes Jahr, das sich im Wesentlichen auch innerhalb der Prognosen des Haushaltsplans entwickelt hat“, bewertet Seibold die Zahlen.

Als „offene Gemeinde, die sich in Vielfalt den Aufgaben der Zukunft stellt“, sieht Uwe Seibold seinen Ort. Eine der Herausforderungen des Jahres 2022 werde erneut die Corona-Pandemie sein. „Es bereitet mir zunehmend Sorge, zu betrachten, wie Corona die Gesellschaft spaltet und die Umgangsformen und den Umgangston rauer werden lassen“, erklärt Seibold. Auch die Vereine und Einrichtungen litten zunehmend unter den schwierigen Rahmenbedingungen

Die Gewinnung von Personal stellt die Gemeinde vor immer größere Herausforderungen. „Insbesondere im Bereich der Kinderbetreuung und der Sozialarbeit, aber auch in der Verwaltung wird es immer schwieriger, das erforderliche qualifizierte Personal einstellen zu können und ich hoffe, dass es 2022 gelingt, alle offenen Stellen auch adäquat besetzen zu können“, klagt der Bürgermeister.

Gibt es Wünsche an die Politik? Jede Menge. Dass gesetzliche Anforderungen teurer werden und an Kommunen hängen bleiben, kritisiert der Kreisrat schon länger, denn alleine die Personalkosten für Kinderbetreuung verschlingen wieder die größten Mittel im laufenden Haushalt. Hier müsse politisch gegengesteuert werden, die Planungshoheit und letztlich auch das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden gestärkt werden, um in anderen Bereichen durch die Anpassung von Standards Aufwand und Kosten in Grenzen zu halten.

Mehr Aufgaben, mehr Geld

„Von der Politik und dem Gesetzgeber sowohl in Stuttgart als auch in Berlin oder Brüssel erhoffe ich mir, der großen Regelungsflut Einhalt zu gebieten und wieder mehr Zuständigkeiten und mehr Verantwortung direkt auf die Gemeinden vor Ort zu übertragen“, sagt Seibold. Weil immer mehr Aufgaben auf die Kommunen übertragen wurden, hält er es auch für geboten, die Kommunen mit den dafür notwendigen Finanzmitteln auszustatten. „Hier gibt es noch erheblichen Nachholbedarf, beispielsweise bei der Kinderbetreuung, aber auch beim Ausbau der Infrastruktur oder bei dem vielleicht wichtigsten Zukunftsthema der kommenden Jahrzehnte: der Bewältigung des Klimawandels“.

 
 
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