Kirchheim Polizeiposten zieht ins Leuchtturmprojekt

Von sz
Symbolische Schlüsselübergabe (von links): Architekt Gerald Erdudatz, Bürgermeister Uwe Seibold, Polzeipostenleiter Ferdinand Steigmann und Polizeipräsident Thomas Wild. Foto: /Martin Kalb

Bei einer formellen Schlüsselübergabe wurden die neuen Räumlichkeiten in der Hauptstraße 59 an die Polizei Kirchheim/Bönnigheim übergeben.

Für die Brüder Gerald und Thomas Erdudatz, gebürtige Kirchheimer, ist die Neustrukturierung des Grundstücks, auf dem ihr Elternhaus stand und die Neuordnung des Quartiers in der Hauptstraße, am Ochsengarten und gegenüber des Kirchheimer Rathauses, eine „Herzenssache und Leuchtturmprojekt“. Am Dienstag kam ein Teil des Leuchtturmprojektes zum Abschluss: Dem Polizeiposten Kirchheim/Bönnigheim wurden offiziell die Schlüssel für die Räume übergeben. Bisher war der Polizeiposten im Rathaus untergebracht.

Gebäude in Massivholzbauweise

Bürgermeister Uwe Seibold nannte den Einsatz der Investorenfamilie bei der Übergabe ein „Rundum-Sorglos-Paket für die Gemeinde“. Denn die Familie plante, entwickelte, investierte von Beginn an, arbeitete eng mit Polizei und Gemeinde zusammen. Gerald Erdudatz ist der Architekt der drei Gebäude, die in nachhaltiger Massivholzbauweise erstellt wurden. „Als ich 17 Jahre alt war, kritzelte ich den Entwurf eines Hauses auf Papier, so wie ich unser Haus gerne gehabt hätte, denn das alte war sehr düster. Dieser Jugendentwurf war die Grundlage zu diesem Ensemble“, sagte Erdudatz.

Nach Abbruch der Nachbargebäude, die die Familie kaufte, entstand ein dreiteiliges Ensemble im Spitzbogenstil. Acht ungewöhnliche Wohnungen sind darin, aber eben auch im Untergeschoss die Räume für den Polizeiposten der das Gebiet Kirchheim, Bönnigheim, Erligheim und Gemmrigheim abdeckt.

„Es ist etwas ganz Besonderes, dass eine Familie nicht nur ihr Anwesen zur Verfügung stellt, sondern als Investorenfamilie auftritt“, so Seibold. Er begrüßte die Bürgermeister Albrecht Dautel (Bönnigheim), Rainer Schäuffele (Erligheim) und Jörg Frauhammer (Gemmrigheim), die Brüder Erdudatz, sowie den neuen Ludwigsburger Polizeipräsidenten Thomas Wild bei der Feierstunde. Wild ist seit einer Woche im Amt, die Übergabe des Polizeipostens war sein erster offizieller Termin.

Auf 245 Quadratmetern können sich die Polizisten nun „ausbreiten“, wie der Polizeibeamte Axel Griesinger bei der Besichtigung des Reviers sagte. „Es war schon immer sehr beengt im Rathaus.“ Nun gibt es genügend Büros, es gibt eine Zelle, zudem eine große Küche, Lagerräume und Waschräume. Die Bodenplatte für die oberen Wohnungen wurde so dick gegossen, als ob auf dem Erdgeschoss ein eigenes Haus steht, sagt Erdudatz, sodass die Anwohner lärmgeschützt sind. Zudem sind die Eingänge für die Wohnungen separat. Auch optisch können sich die Räume sehen lassen. Teilweise blieben der Beton und die Holzverschalung sichtbar und der Boden strahlt in blau.

„Die polizeitaktischen Vorgaben sowie die Sicherheitseinrichtungen waren das Hauptaugenmerk bei der Planung“, sagt Erdudatz. „Aber es gab eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Planungsteam, wir konnten immer wieder Ideen und Vorschläge vorbringen und uns jederzeit im neuen Gebäude ein Bild machen“, sagte der Leiter des Polizeipostens, Ferdinand Steigmann.

Der Polizeiposten Kirchheim/Bönnigheim

Seit 1995 gibt es in Kirchheim einen Polizeiposten. Im August 2020 wurde der Polizeiposten Bönnigheim mit dem Posten im Kirchheimer Rathaus zusammen gelegt. Zwar hat Kirchheim weniger Einwohner, aber aufgrund des Bahnhofs, des Kernkraftwerks und großer Einkaufszentren mehr Straftaten, deshalb wurde dort der gemeinsame Standort des Polizeipostens Kirchheim/Bönnigheim, zu dem auch. Erligheim und Gemmrigheim gehören, angesiedelt.

Ebenfalls im August 2020 wurden die Wohngebäude an der Hauptstraße abgerissen. Für die Bebauung war die Änderung des Bebauungsplans „Ortskern II“ nötig, der eine Mischnutzung aus Wohnbau und Gewerbe vorsieht. Die Brüder Gerald und Thomas Erdudatz, deren Elternhaus mit dem Baujahr 1893 eines der Häuser war, wurden Investoren, Planer und Projektmanager. In dem Haus gab es früher eine Bäckerei, auch die Kirchheimer Firma Herzog hatte dort ein Geschäft.

Vor zwei Wochen ist der sechsköpfige Polizeiposten nach zweieinhalbjähriger Bauzeit in die 245 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Ensembles gezogen. 350 000 Euro wurde für die Sanierungsförderung, die Ertüchtigung der bestehenden Polizeigarage und den Bau einer neuen investiert. 240 000 Euro kamen vom Land Baden-Württemberg, den Rest übernahm die Gemeinde.

Architekt Gerald Erdudatz plante den Neubau in Massivholz-Bauweise. 2017 schon hatte er das Projekt im Gemeinderat vorgestellt. Seine Familie kaufte die beiden Nachbarhäuser, sodass ein Ensemble entstehen konnte und bleibt auch weiterhin Besitzerin. Das Erdgeschoss wird für den Polizeiposten vom Staatlichen Amt Vermögen und Bau angemietet. Im Inneren des Ensembles wurde eine Garage für Polizeiautos und die Bewohner gebaut. Die acht Wohnungen, die zwischen 58 und 120 Quadratmetern groß sind und sich zum Teil über drei Stockwerke ziehen, sind noch nicht bezugsfertig, sie werden ebenfalls vermietet.

Die drei Häuser bekamen eine „KfW 40 plus“-Förderung. Das Ensemble wird durch das Kirchheimer Nahwärmenetz beheizt und bekam Fotovoltaik auf die Dächer.

 
 
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