Kitas in Ludwigsburg Betreuung nur halbtags: Eltern bangen um Existenz

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Einige Eltern aus Ludwigsburg müssen ihre Kinder im Herbst wohl selbst betreuen. Foto: dpa/Annette Riedl

In zwei Einrichtungen in Ludwigsburg fehlt Personal, der Träger reduziert deshalb die Öffnungszeiten – und verspricht Besserung, sobald er wieder mehr Spielraum hat.

Ludwigsburg - Den Großteil der Eltern traf die Nachricht Ende der vergangenen Woche wie ein Schlag: In den Kinder- und Familienzentren Eden in Eglosheim und Bäderwiesen in Oßweil werden die Öffnungszeiten nach den Sommerferien drastisch eingeschränkt. Statt Ganztags- (7 bis 17 Uhr) gibt es nur noch Halbtagsbetreuung (8 bis 14 Uhr). „Die meisten haben sich für den Kindergarten Eden entschieden, weil er eben so lange Öffnungszeiten hat“, sagt Elternbeirätin Susanne Hofmann. Es treffe auch Paare mit zwei berufstätigen Eltern, aber besonders Alleinerziehende würde die Ankündigung vor immense Probleme stellen.

„Bei denen geht es tatsächlich um die Existenz“, so Hofmann. Die Befürchtung: Weil sie sich allein um ihre Kinder kümmern müssen, können sie ihrer Beschäftigung nicht weiter nachgehen und werden damit quasi in die Arbeitslosigkeit gedrängt.

Eltern hätten gerne früher Bescheid gewusst

Der Träger, die katholische Kirche Ludwigsburg, sieht sich zu dem drastischen Schritt gezwungen, weil das Personal fehlt. Zuletzt hatten Mitarbeiter – beispielsweise wegen Umzugs – gekündigt. „Normalerweise gibt es vor den Sommerferien immer Bewegung in der Personalsituation, sodass es eine berechtigte Hoffnung gab, noch neue Mitarbeiter gewinnen zu können“, sagt Tanja Kreuzinger, die den Bereich Kindertagesstätten leitet. In diesem Jahr fehlten die Bewerber aber, beim vorhandenen Personal gebe es ebenfalls keinen Spielraum mehr.

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Als das absehbar wurde, habe man zunächst die Elternbeiräte und dann die restlichen Eltern informiert, so Kreuzinger – aus Sicht der Väter und Mütter allerdings viel zu spät. Sie machen in einem offenen Brief an die Kirche und die Rathausspitze ihrem Unmut Luft. Besonders ärgern sie sich darüber, dass sie quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien und die Kirche sie nicht früher mit ins Boot geholt habe. Die Kirche tue insgesamt viel zu wenig, finden die Eltern – und versuchen erst einmal, die Betreuung selbst zu organisieren. Die Selbsthilfe könne aber „nicht der Ausweg aus dieser Situation sein“, heißt es in dem Brief.

Überall im Land fehlen Erzieherinnen

Tanja Kreuzinger hat Verständnis für die Sorgen und Nöte, sie verweist auf den leer gefegten Arbeitsmarkt. Trotz aller Bemühungen, Nachwuchs zu rekrutieren, „können wir als einzelner Träger das zu Grunde liegende Problem nicht alleine beheben und vor allem nicht kurzfristig. Die Familien sind im Moment die Leidtragenden der politischen Fehlkalkulation“, so Kreuzinger. Auch bei anderen privaten und kirchlichen Trägern sind die Dienstpläne auf Kante genäht.

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Die Fälle aus Ludwigsburg seien „kein Einzelfall“, sagt Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Nach Schätzungen der GEW können derzeit mehrere Hundert Kitagruppen im ganzen Land erst gar nicht eröffnet werden, obwohl der Bedarf da sei.

 
 
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