Klinik Bietigheim in der Pandemie Von Welle zu Welle gekämpft

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Von Herausforderungen, täglichen Kämpfen und vom großen Zusammenhalt im Klinikalltag berichteten vier Ärzte.⇥ Foto: Veranstalter

Vier Ärzte berichten dem SPD-Ortsverein,  wie sie den Alltag während der Pandemie am Krankenhaus erlebt haben.

Die Gesprächsabende zu wesentlichen Themen stellten vor der Corona-Pandemie eine bewährte Tradition des SPD-Ortsvereins dar. Nun wurde die aktuelle Runde wieder aktiviert und der Frage nachgegangen, wie die Situation im Krankenhaus Bietigheim-Bissingen während der letzten zwei Jahre aussah. Vier Ärzte berichteten in der Gaststätte des Bietigheim-Bissinger Tennisklubs von den Herausforderungen, täglichen Kämpfen, aber auch vom großen Zusammenhalt im Klinikalltag.

Dr. Marc Müller, Chefarzt der Gastroenterologie und damit Magen-Darm-Spezialist, erzählte von seinen Eindrücken vom Beginn der Pandemie, als noch keiner wusste, was dieses Virus genau ist und wie man es besiegen kann. Er erinnerte sich an eigene Ängste, als das Klinikpersonal in Sorge war, sich oder die eigene Familie anzustecken. „Wir haben uns von Welle zu Welle gekämpft“, beschrieb er den aufreibenden Arbeitsalltag, in dem Abläufe immer wieder umorganisiert werden mussten und in dem jeder, auch der Pförtner und die Putzkraft tagtäglich das Risiko einer Infektion eingingen.

Sieben Masken an sieben Haken

Daran, zuerst mit Angst zur Arbeit gegangen zu sein, konnte sich auch Dr. Martin Maunz, Chefarzt der Inneren Medizin II, noch gut erinnern. Sieben Haken hingen an seinem Schrank und daran, gut behütet, sieben Masken, die in den ersten Monaten der Pandemie noch Mangelware waren und die er deswegen reihum erneut benutzt hat.

Der Klinikalltag gestaltete sich als herausfordernd: Ausfall von Personal, Mehraufwand durch die Schutzausrüstung, weniger verfügbare Intensivbetten und vor allem das Auseinanderreißen von eingespielten Teams machte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schwer zu schaffen. Plötzlich in einer ganz anderen Abteilung des Krankenhauses auszuhelfen, das mochte nicht jede Pflegekraft, war mit den dortigen Abläufen gar nicht vertraut, musste sich also zunächst neu einarbeiten.

Altersmediziner Dr. Daniel Kopf, ärztlicher Direktor der Geriatrie im Klinikum Bietigheim-Bissingen wies zunächst auf den demografischen Wandel hin und die damit stetig steigende Zahl älterer Menschen.

Mehr ältere Patienten

Es sei immer gut, wenn sich betagte Patienten wieder erholen und es wird geschaut, dass während der Behandlung eines Organes nicht andere durch die Medikamentengabe Schaden nehmen. Es gäbe neben erfreulichen Genesungsprozessen aber auch die andere Seite, und die Betreuung erkrankter älterer Menschen erweist sich als besonders personalintensiv. Da sie nicht rosten sollen, werden sie möglichst schnell wieder aus den Krankenhausbetten geholt.

Die Therapeuten laufen Arm in Arm mit ihnen, begleiten zur Toilette, alle essen gemeinsam am Tisch, und all das wurde durch Corona erschwert. Es gab und gibt einen Anpassungsdruck: Das Virus bringt lang bestehende Probleme des Gesundheitswesens ans Licht und es brauche unbedingt eine neue Attraktivität der Pflegeberufe, forderte Dr. Daniel Kopf. In der Anfangsphase der Pandemie galt aber auch das gemeinsame Credo des „wir schaffen das“. Anstatt der sonst üblichen Abarbeitung nach vorgegebenen Checklisten konnte das Pflegepersonal kreativ werden. So wurden Müllsäcke zu Schutzkitteln umfunktioniert, als auch diese noch Mangelware waren.

Müllsäcke als Schutzkittel

Als letzter auf dem Podium ergriff Oberarzt Dr. Harald Kerbel das Wort, der bereits seit über 30 Jahren am Klinikum in Bietigheim-Bissingen im Bereich der Diabetologie arbeitet. Ihm fiel während der letzten zwei Jahre vor allem auf, dass sich durch die Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus viele Menschen nicht mehr getraut haben, ins Krankenhaus zu gehen. Aufgrund der dadurch ausgefallenen Versorgung haben sich nun oftmals größere gesundheitliche Probleme entwickelt. Daher besteht großer Nachholbedarf und das gilt Stationsübergreifend.

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