Er beherrscht sein Instrument, die Blockflöte, souverän. Was sofort auffällt, ist die Verbindung aus technischer Präzision, klanglicher Sensibilität und stilistischer Klarheit. Der 2004 in Gießen geborene, vielfach ausgezeichnete Blockflötist Andreas Kammenos, der seit 2024 an der „Musikschule im Schloss Bietigheim-Bissingen“ unterrichtet, zeigte beim Konzertabend „Echo Stuttgart 1737“ in der Freudentaler Kirche eindrucksvoll die Reife seines musikalischen Ausdrucks.
Konzert in Freudental Stilistische Spannweite
Andreas Kammenos und Arianna Radaelli präsentieren in der evangelischen Kirche den Konzertabens „Echo Stuttgart 1737“.
Kammermusikalisches Geflecht
An seiner Seite musizierte die italienische Cembalistin Arianna Radaelli, eine profilierte Interpretin der Alten Musik und Leiterin des Instituts für Alte Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. In der klanglich fein austarierten Verbindung von Alt- und Sopranblockflöte mit dem zweimanualigen Merzdorf-Cembalo entstand ein dichtes, zugleich transparentes kammermusikalisches Geflecht.
Die rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten in der angenehm kühlen Kirche einen Abend von bemerkenswerter Intensität und klanglicher Geschlossenheit. Das Programm widmete sich der Kammer- und Kirchenmusik des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts, mit Werken für Blockflöte und Basso continuo von Georg Philipp Telemann, Baldassare Galuppi und Johann Georg Störl, ergänzt durch selten zu hörende Komponisten wie Louis Detry und Johann Nicolaus Nicolai.
Die Auswahl machte die stilistische Spannweite des europäischen Barocks hörbar – von tänzerischer Leichtigkeit über kontrapunktische Verdichtung bis hin zu empfindsamen, galanten Ausdrucksformen. Die Werke bewegten sich zeitlich zwischen etwa 1680 und 1750 und spiegelten damit sowohl die Hochphase barocker Instrumentalkunst als auch den Übergang zum empfindsameren Stil der frühen Klassik wider.
Höfische Musikkultur
Der Konzertabend stand unter dem Titel „Echo Stuttgart 1737“. Damit knüpften die beiden Musiker bewusst an die höfische Musikkultur Württembergs an. Johann Georg Störl wirkte als Hofkapellmeister und Stiftsorganist in Stuttgart, während Johann Nicolaus Nicolai als Hoforganist in Ludwigsburg tätig war – zwei eng miteinander verbundene musikalische Zentren jener Zeit. Kammenos hat zudem recherchiert, dass sich in der 1686/87 erbauten Freudentaler Kirche eine original erhaltene Barockorgel befindet, ein seltenes historisches Instrument, das Arianna Radaelli ohne Pedal manualiter erklingen ließ. Die Kirche erwies sich mit ihrer klaren, aber nicht übermäßig hallenden Akustik als idealer Raum für diese Art von Kammermusik. Beide Künstler überzeugten durch präzise Artikulation, sorgfältig ausgearbeitete Verzierungen und ein feines Gespür für musikalische Balance.
Besonders eindrucksvoll war, wie selbstverständlich Kammenos auch höchste Tempi meistert und seiner Altblockflöte einen sanglichen, beinahe vokalen Klang entlockt. Beide Musiker atmen hörbar gemeinsam, reagieren sensibel aufeinander und halten die musikalische Spannung über das gesamte Programm hinweg aufrecht.
Der junge Blockflötist plant nach eigenen Worten weitere Konzerte in der Freudentaler Kirche und vielleicht sogar eine kleine Konzerttradition zu etablieren. Angesichts der Qualität dieses Abends darf man gespannt sein.
