Konzert in Löchgau Acht Stimmen verschmelzen zu einem Ton

Von Susanne Yvette Walter
Die Gregorian Voices brachten das Publikum in der Löchgauer Kirche zu Standing Ovations. Foto: /Martin Kalb

Die gregorianischen Klänge in der evangelischen Kirche in Löchgau sorgen für besinnliche Stimmung und viel Zuschauerapplaus.

Ähnlich wie damals im Stall von Bethlehem, als das Jesuskind im Verborgenen zur Welt kam, ist die Situation in der evangelischen Kirche in Löchgau am Sonntagabend: Dort spielt sich, ebenfalls im kleinen intimen Rahmen, im Kirchenschiff ein großes Ereignis ab, das Herzen in Bewegung bringt und neu pochen lässt.

Markante individuelle Stimmen

Jonathan Clucas, David Tilley, Brendan Matthew, Richard Naxton, Christopher Tickner, Ashley Turnell, Lawrence White, William (Billy) King, Miles Horner, Tristan Stocks, Ted Hands und Daniel Hoadley, kurz The Gregorian Voices unter der Leitung von Oleksiy Semenchuk sind ein Verbund von ukrainischen Sängern. Mit ihren markant individuellen Stimmen lassen sie Menschen eintreten in ihren Klangraum, der aus der ganz alten musikalischen Welt des frühen Mittelalters stammt und seine Wurzeln in die Neuzeit reckt.

Im braunen Mönchsgewand marschieren die Sänger im Gänsemarsch den Gang entlang, stellen sich auf und lassen nur noch ihre Stimmen sprechen. In den mittelalterlich geprägten Chorälen zu Beginn geben die Gregorian Voices ihre Marschrichtung vor. Da gibt es nur eines: Augen schließen und zurücklehnen, denn die acht Stimmen verschmelzen zu einem Liegeton. Er bebt im ganzen Körper nach. Leise summen einige Zuhörer oder singen Textzeilen mit.

Die Gregorian Voices bleiben nämlich nicht im gregorianischen Choral, ihrem Namensgeber, verhaftet, sondern nutzen die Prinzipien der Vielstimmigkeit und des A-capella-Gesangs, um in die Ruhe zu finden, in die innere Einkehr und in die geistliche Meditation.

Paul Simon und Art Garfunkel würden blass

Die Sänger bewegen sich auf einem Niveau, das keine Wünsche offen lässt. Zeitweise spaltet sich der Gesang in Vorsänger und „Backgroundchor“. Dann nehmen die Stimmen im Hintergrund fast schon instrumentale Züge an.

Geistliche Lieder, die berühmt geworden sind, wie das „Halleluja“, der Folk-Song des kanadischen Singer-Songwriters Leonard Cohen, greifen sie auf. Rod Steward bekommt ein Denkmal - diese Fassung seines berühmten Songs „I am Sailing“, ist eine 100-Prozent-Alternative zum Original. Paul Simon und Art Garfunkel, das berühmte Duo, würde wohl blass, wenn sie einmal hören würden mit welcher Inbrunst die Gregorian Voices ihren Dauerbrenner „Hello darkness my old friend“ von sich geben. Im Halbkreis stehen die Sangesbrüder mit den individuellen Stimmen eine Stunde und mehr im Altarraum. Alte Weihnachtslieder gesellen sich zu russischen Weisen, zu gregorianischen Chorälen und den Popsongs im sakralen Gewand.

Gleich nach dem ersten Liturgiegesang bricht der Beifall in der Kirche los. Nach dem zweiten und dritten Stück stehen die ersten in den Reihen auf und applaudieren im Stehen. Am Ende steht das ganze Kirchenschiff und erklatscht sich Zugabe um Zugabe.

 
 
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