Konzert in Sachsenheim Heitere Sommer-Serenade

Von Dietmar Bastian
Peter Wallinger dirigierte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ beim sommerlichen Konzert im Kulturhaus Sachsenheim, witterungsbedingt nicht im Schlosshof. Foto: /Oliver Bürkle

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ spielt im Kulturhaus Sachsenheim.

Es war ein sommerleichtes Programm, das Peter Wallinger für die Serenade der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntagabend zusammengestellt hatte. Witterungsbedingt musste die Veranstaltung ins Kulturhaus verlegt werden. Geplant war sie im Schlosshof.

In der ersten Hälfte erklangen drei Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), nach der Pause Werke von Jacques Offenbach (1819 bis 1880) und Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921). Mit dabei war die fabelhafte Geigerin Ursula Schoch, mit der Wallinger seit 30 Jahren musikalisch und menschlich eng verbunden ist.

In der Kunst erweist sich das vermeintlich Leichte am Ende als das wirklich Schwere. Mozart ist das beste Beispiel dafür. Hier hört man buchstäblich alles: jede Verzögerung oder Verlängerung, jede Unebenheit, etwa bei Trillern, und jeden falschen Ton, mag er auch noch so nebensächlich erscheinen. Und tatsächlich hatten die 16 Streicherinnen und Streicher der Kammersinfonie beim Divertimento B-Dur KV 137 und der für Streichinstrumente bearbeiteten Fantasie f-Moll KV 594 an einigen Stellen Mühe, alles auf einen Punkt zu bringen.

Energie und Spiellust von Ursula Schoch über trägt sich

Und dann änderte sich alles fast schlagartig. Das selten gespielte Violinkonzert B-Dur KV 207, ein durch und durch positiv gestimmtes, freundliches Werk, geriet unter den Händen der herausragenden Ursula Schoch zu einem herrlichen Sommervergnügen. Ihre Energie und Spiellust übertrugen sich spontan auf ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Schoch, die als gefragte Solistin weltweit unterwegs ist und als Konzertmeisterin im Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam wirkt, betont die großen Bögen, ohne dabei Details zu vernachlässigen. Wunderbar gelingen Tutti-Solo-Abstufungen und drei federleicht herausgespielte Kadenzen mit sensiblen Forte-Piano-Schattierungen und anspruchsvollen Doppelgriffen. Im zweiten Satz Adagio klingt ihre Violine von J. B. Guadagnini aus dem Jahr 1755 zauberisch silbern, um beim Schlusssatz Presto dann mächtig aufzutrumpfen. Die fünf Geigenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart darf man mit Fug und Recht als Therapeutikum für das menschliche Gemüt bezeichnen. Es ist kaum vorstellbar, dass jemand diese fast überirdisch schöne Musik hört, ohne auch seelisch davon berührt zu werden.

Nach der Pause blieb der „Flow“, den das Orchester beim Geigenkonzert erfasst hatte, weiterhin spürbar. Die 16 Geigen, Bratschen, Celli und der Kontrabass hatten ihre Lust an der feinnervigen Serenade C-Dur von Jacques Offenbach.

Peter Wallinger arbeitete zielstrebig die Höhepunkte in den schnellen Ecksätzen heraus und trieb seine Kammersinfonie einer strahlenden Schlussapotheose entgegen. Am Ende erklang dann noch ein musikalischer Leckerbissen: „Introduktion und Rondo Capriccioso“ op. 28 für Violine und Orchester aus der Feder des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns.

Waghalsige Umspielungen und sportliche Bogenleistungen

Dieser hat ein derart suggestives Rondo-Thema gefunden, das man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt, so sehr man sich auch bemühen mag. Ursula Schoch scheint das Stück auf den Leib beziehungsweise auf ihre Guadagnini geschneidert zu sein. Elegant stuft sie die Couplet-Teile gegenüber dem Rondo-Thema ab.

Während das Orchester das Thema übernimmt, lässt sie sich auf waghalsige Umspielungen mit sportlichen Bogenführungen ein. Sie kann es sich leisten, denn ihre Technik ist schlichtweg superb. Bei der Stretta gibt es kein Halten mehr. Da ist der „Point of no Return“ längst überschritten. Viel Applaus gab es für eine exzellente Geigerin und ein Orchester, das gegen Ende über sich hinausgewachsen ist.  Dietmar Bastian

 
 
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