Konzert Viel Applaus unter dem Kirchendach

Von Michael Soltys
Wegen Regenwetters wurde das Open-Air-Konzert vom Schlosshof kurzerhand in die Stadtkirche verlegt. Foto: /Martin Kalb

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ glänzt mit klassischen Werken.

Alexander Sterzel, der Kulturreferent der Stadt Sachsenheim, begrüßte die Gäste zum „Classic Open Air“ in Sachsenheim mit Humor und Ironie. „Schön, dass Sie den Weg in die Stadtkirche gefunden haben“, sagte er zum Auftakt des Sommerkonzerts mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“.

Ganz kurzfristig war die Stadtkirche zum Konzertraum umfunktioniert worden. Seit Tagen war im Wasserschloss alles für das Sommerkonzert vorbereitet. Dann setzte am Sonntagnachmittag der Regen ein. Zu spät, um wie eigentlich angekündigt das Kulturhaus als Ersatz-Spielort nutzen zu können.

Konzert des Regens wegen

in die Kirche verlegt

Zu spät auch, um den Umzug in die Stadtkirche noch über die städtische Homepage oder die sozialen Medien bekannt zu geben. Dieter Hofmann, Pfarrer an der Stadtkirche, stellte die Kirche spontan zur Verfügung.

Doch wer den Weg in den kleinen Gebetsraum der Kirche trotz der Verwirrung gefunden hatte, sollte es nicht bereuen. Simon Wallinger, Dirigent und zugleich Solist der Kammersinfonie, hatte ein abwechslungsreiches Programm aus melancholisch-romantischen und heiteren Sommertönen vorbereitet.

Mit dem Schweden Kurt Atterberg (1887-1974), dem Österreicher Hugo Wolf (1860-1903) und dem Finnen Pehr Henrik Nordgren (1944-2008) standen Werke von drei hierzulande eher unbekannten Komponisten auf dem Programmzettel.

Wallinger selbst eröffnete den Konzertabend als Solist am Kontrabass mit dem c-moll-Konzert des italienischen Komponisten Giovanni Bottesini (1821-1889), den man als „Paganini des Kontrabasses“ bezeichnet hat. Bottesinis Komposition rückt den Kontrabass vom Begleitinstrument in die erste Reihe der Streich-Instrumente.

Das Stück forderte die ganze Virtuosität des Musikers, die Wallinger als Kontrabassist und Solist renommierter Orchester erworben und bewiesen hat. Seine Interpretation ergründete die Tiefe und Klangfarben des Kontrabasses in einer Weise, die auch vielen Klassik-Fans unbekannt sein dürfte. Das zeigte sich insbesondere in der Kadenz des ersten Satzes und in der Hinleitung zu den Schlussakkorden des Konzerts, die dem Solisten die komplette Beherrschung des Griffbretts abfordern.

Blindes musikalisches Verständnis

zwischen den Musikern

Mit Maryana Osipova an der Violine und Dmitry Hahalin an der Viola hatte Wallinger zwei Streicher-Solisten eingeladen, die mit ihrem Eliot-Quartett bereits zahlreiche Preise gewinnen konnten und in großen Konzerthäusern aufgetreten sind. Ihr blindes musikalisches Verständnis prägte die Interpretation der Suite op. 19 von Kurt Atterberg mit ihren romatisch-schwermütigen Melodien. An einigen Stellen drängte sich der sonore, kräftige Ton der Viola in den Vordergrund. Mit gezupften Tönen verklang das Ende der Suite in der Kirche so zart, dass der Beifall nur zögerlich und unsicher einsetzte. War es jetzt wirklich zu Ende?

Übermut und starke

musikalische Gegensätze

Eine Überraschung waren nach der Pause die „Vier Spielmanns-Porträts“ von Pehr Henrik Nordgren, auf finnisch „Pelimannimuotokuvia“, das viele Assoziationen hervorrief. Im „Saitenzupfer“ (Näpsyttäjä) verarbeitet der finnische Komponist volkstümliche Klänge seiner Heimat. Das Gemüt des „Grüblers“ (Tuumiskelija) scheint im zweiten Teil über den endlosen finnischen Wäldern zu schweben. In Pianissimo-Partien war das Flirren einer langen Sommernacht zu hören.

Übermut und starke musikalische Gegensätzen zeichnen „Des Spielmanns Lieblingsstück“ (Pelimannin elämänkappale) aus. Souverän meisterten Dirigent und Orchester die vertrackten, kurzen Einsätze dieses vierten Satzes. Dafür gab es im Anschluss starken und berechtigten Beifall von den Gästen auf den Kirchenbänken.  Michael Soltys

 
 
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