Kornwestheim Die Feuerwehren als Speerspitze

Von Jonathan Lung
Vor dem Kornwestheimer Kongresszentrum fand anlässlich der Feuerwehr-Verbandsversammlung eine Fahrzeugschau statt. Foto: /Martin Kalb

Die Wehren im Kreis stehen zwischen neuen Einsatzlagen und finanziellem Sparkurs. In Kornwestheim wählte man nun einen neuen Verbandsvorsitz.

Weithin sichtbar waren die Feuerwehren am Freitag in Kornwestheim. Die Fahrzeugschau vor dem Kongresszentrum K, wo man die Glanzstücke der Fuhrparks aus dem Kreis auffuhr, füllte den Vorplatz und weckte bei nicht wenigen Interesse. Aus dem ganzen Landkreis waren die Delegationen der Feuerwehren zusammengekommen, drinnen füllten sie den Saal. Dort fand die Versammlung des Kreisfeuerwehrverbands statt.

Dieser setzt sich aus 43 Mitgliedsfeuerwehren mit insgesamt rund 6000 Mitgliedern zusammen. Am vergangenen Freitagabend blickte man auf ein volles Jahr zurück: 6491 Einsätze zählten die Feuerwehren 2025, 1375 davon „klassische“ Brandeinsätze. Mehr als doppelt so oft rückten die Feuerwehren des Verbands aber zu Technischer Hilfeleistung aus, der häufigsten Einsatzart, insgesamt 2893 Mal. Hierzu gehörten Menschenrettungen ebenso wie die Beseitigung von Ölspuren und Tierrettungen.

Schnelles Handeln beim Brand des Ochsen in Pleidelsheim

1689 Mal fanden aber auch Fehlalarmierungen statt: meistens wegen Brand- und Gefahrenmeldeanlagen, die Falschalarm auslösen. Seltener sind Alarmierung durch einen Irrtum des Meldenden oder auch böswilliger Fehlalarm. Die restliche Zahl der Einsätze, 534, fielen unter „Sonstige“, kamen aus dem vielfältigen Aufgabenfeld der Feuerwehr.

Große Anerkennung kam aus der Politik: Der Brand des Pleidelsheimer Ochsen habe ja erst kürzlich das „schnelle Handeln“ der Feuerwehren unter Beweis gestellt, unterstrich Jürgen Vogt, der als Erster Landesbeamter den Landrat vertrat: „Die Leistung, die Sie erbringen, verdient höchste Anerkennung“, wandte er sich an die Delegierten im vollen Saal. Gleichzeitig stellten die kommende Jahre alle vor große finanzielle Herausforderungen: Einsparungen würden kommen, es werde Kürzungen in verschiedenen Bereichen geben. Und auch „die Investitionen bei der Feuerwehr werden kritisch überprüft und eventuell verschoben werden müssen“.

Nichtsdestotrotz brachte Vogt eine gute Nachricht mit: Der Einsatzleitwagen 2 wurde am vergangenen Mittwoch vom Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) beschlossen. „Wir stehen aufseiten der Feuerwehr, auch wenn die Lage schwieriger wird“, war ihm wichtig zu betonen.

Hauptamtliche Wehren müssen Personal abbauen

Wie dramatisch die finanzielle Lage jetzt tatsächlich schon ist, stellte dann aber Landesfeuerwehrverbandspräsident Michael Wegel klar: Die ersten hauptamtliche Feuerwehren müssten Personal abbauen, freiwillige Feuerwehren müssten den Bürgermeister fragen, wann sie zum Tanken fahren könnten, mancherorts würden generell keine Dienstreisen mehr genehmigt. Zu oft gebe es in der Politik noch den Ansatz „Die haben genug Geld“, beobachtete er.

Auf aktuell gut aufgestellte Feuerwehren im Landkreis blickte Kreisbrandmeister Andy Dorroch: Ehrenamtliche, Technik und Miteinander seien auf gutem Niveau, das sei das „Ergebnis guter Arbeit und kluger Planung durch Land, Gemeinderäte und Feuerwehren.“ Mit dem AUT-Beschluss seien nun auch die Fahrzeugbeschaffungen auf Kreisebene abgeschlossen. So „große Beschaffungen tun bei der Haushaltslage weh“, war ihm klar. Des Weiteren komme die Einführung des digitalen Einsatzstellenfunks gut voran.

Bei der Ausbildung wachsen aber auch die Anforderungen: Klimawandel als auch Sicherheitslage seien neue Schwerpunkte der Arbeit, gleichzeitig müsse man die Kernkompetenzen schärfen und die klassische Brandbekämpfung trainieren.

Grundsätzlich verschiebt sich der Arbeitsschwerpunkt der Feuerwehren hin zu Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, weiß Dorroch. Dazu gehören immer häufigere Hochwasser, aber auch virtuelle Angriffe, Fake News, die die öffentliche Sicherheit gefährden, ebenso wie Angriffe auf Infrastruktur wie etwa die Stromversorgung, blickte der Kreisbrandmeister auf die Geschehnisse kürzlich in Berlin: Damit „soll die Resilienz unserer Stromversorgung getestet werden“.

Dorroch: Entscheidung für Krisenzentrum ist richtig

Deswegen sei es richtig, im Landkreis das Krisenzentrum einzurichten: Das sei eben nicht nur ein Gebäude, sondern maßgeblich wichtig für schnelles und koordiniertes Handeln. „Es schafft Vertrauen und koordiniert Abläufe.“

Aber: „Die Resilienz unserer Gesellschaft beginnt nicht im Einsatz. Eine resiliente Bevölkerung ist vorbereitet“, unterstrich der Kreisbrandmeister. Im Ernstfall aber sei die Feuerwehr die Speerspitze.

Oliver Semmler ist neuer Verbandsvorsitzender

Bei der Verbandsversammlung standen auch Wahlen an: Den Verbandsvorsitz wird zukünftig Oliver Semmler innehaben, der als einziger Kandidat antrat. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er in der Feuerwehr Remseck aktiv und entdeckte dort die Jugendarbeit als sein Steckenpferd, wie er berichtete.

Als seine Stellvertreter wurden in Kornwestheim gewählt: Ingo Schiek, ebenso Remsecker und der dortige Kommandant sowie Thomas Schmidt, seinerseits Zugführer in Korntal-Münchingen und gleichzeitig auch Leiter der Notfallseelsorge.

 
 
- Anzeige -