Kostenloses Online-Projekt Ludwigsburger Schlossfestspiele öffnen sich

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Der Poet Timo Brunke und die Pianistin Hanni Liang halten die Poesie des Augenblicks im Alltäglichen fest. Foto: Simon Granville

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele im Internet: Das Mitmach-Projekt „Spoken Moments Poetry“ wird als Kunstfilm kostenlos gezeigt. Am Sonntag ist Premiere.

Ludwigsburg - Ein junger Mann erscheint auf dem locker gewebten Stoff, der als zart-durchsichtige Projektionsfläche für einen Videoclip in der Ludwigsburger Reithalle dient. In seinem Filmbeitrag teilt der Sprecher ernsthafte, wohlartikulierte Gedanken mit. Einer davon lautet: „Um mich herum ist Grau“. Vermutlich ist das Video deshalb in schwarz-weiß gehalten.

Der Sprecher wie weitere 16 Protagonisten im Alter zwischen 15 und 72 Jahren waren Teilnehmer des Online-Workshops „Spoken Moments Poetry“, bei dem im Mai der Konzert-Poet Timo Brunke und die Pianistin Hanni ­Liang, die Teilnehmenden mit etwas in Berührung gebracht haben, das sich auch viele kulturelle Bildungseinrichtungen in jüngster Zeit auf die Fahnen geschrieben haben.

Weg von erstarrten Bildern und der steifen Atmosphäre

„Es geht um Öffnung und Erweiterung“, sagt Brunke, der im Gesprächs-Verlauf mit Hanni Liang zu erklären versucht, um was es den beiden Künstlern genau geht: „Nämlich weg von erstarrten Bildern und der steifen Atmosphäre“, mit der klassische Musik oft in Verbindung gebracht werde. Stattdessen gilt es ein „weiter gefasstes Kunstverständnis“ wahrzunehmen, bei dem – gemäß Joseph Beuys – schließlich „jeder Mensch ein Künstler ist“. Und weil „Sprache und Musik sehr, sehr nahe liegen, ist es einfach sinnvoll, das auch zusammen zu tun“, so Brunke, der mit dem Mitmach-Format nicht nur Akzente setzen will, sondern bei Nadja Rüde „offene Türen eingerannt hat“, wie die Zuständige für den Bereich Education bei den Schlossfestspielen Ludwigsburg erläutert. Sie betont den einladenden und freilassenden Charakter des Projekts und verdeutlicht zudem, „dass der Prozess, bei dem Menschen nicht nur fertige Kunst erleben, sondern selbst zu Akteuren werden“ genauso wichtig sei, wie das Endprodukt.

Wach-, Wut- oder Glücksmomente

Und dieses Produkt ist „die formschöne Verbindung von selbst geschriebener Poesie und Musik“, die die Teilnehmer mit Hanni Liang und Timo Brunke erarbeitet und dafür „Wach-, Wut- oder Glücksmomente aus ihrem Leben“ verarbeitet haben. Die wortkünstlerischen Inszenierungen werden dabei untermalt von Sergei Prokofievs »Visions fugitives« und einem Impromptu aus Franz Schuberts Opus 142.

Entstanden ist „unter einem exponentiellen Mehr an Aufwand“ ein von der Notgeburt zum Kunstfilm mutiertes Projekt, das die Poesie des Augenblicks im ganz Alltäglichen festzuhalten versteht und dabei gleich ein zehnköpfiges Team beanspruchte. Premiere feiert es am Sonntag, 13. Juni auf der Digitalen Bühne und zwar kostenlos als Video-on-Demand unter https://www.schlossfestspiele.de/fz68fws2rw#.

Denn wäre nicht Pandemiezeit, könnte das Ganze live aufgeführt werden. So aber wurde am Freitag in emsiger Produktionsstimmung und umgeben von schwarzen Vorhängen, der Film abgedreht, der seinerseits die teils aufwendig gedrehten Videoclips der Teilnehmer zum Inhalt hat. Zusammen ergeben sie ein neues Ganzes.

 
 
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