Dieter Kränzlein und Patrizia Kränzlein – Vater und Tochter, beide sind Künstler und wohnen in zwei Atelierhäusern nebeneinander in Bissingen, in der Adalbert-Stifter-Straße. Was liegt da näher als gemeinsame Open Houses zu veranstalten zum gleichen Termin: Am Samstag, 22., und Sonntag, 23. November, jeweils von 14 bis 18 Uhr öffnen sie ihre Türen und Besucher können die Kunst der beiden hautnah betrachten und auch einen Blick in die beiden Atelierwerkstätten werfen.
Kränzlein-Ausstellung in Bissingen Suche nach der perfekten Form verbindet
Dieter Kränzlein und Tochter Patrizia machen aus ihren Häusern „Open Houses“.
Verbindung von Gold und Muschelkalk
So unterschiedlich die Endfassungen ihrer Werke auch aussehen, so verschieden die Materialien und das Werkzeug, so ähnlich ist die Herangehensweise und die Suche nach der perfekten Form von Vater und Tochter. „Das Spiel und das Experimentieren mit der Form“, nennt es Patrizia Kränzlein. „Die Suche nach der perfekten Form verbindet uns, wobei ich eher den natürlichen Formen des Muschelkalks folge und Patricia sich die Formen untertan macht“, so sagt ihr Vater.
Seit Jahren experimentiert Dieter Kränzlein mit der Flex im Muschelkalk. Seine neuesten Werke beschreibt der Künstler schmunzelnd so: „Ich suche im Gold mit der Flex nach dem Muschelkalk“. Ganz so ernst meint er es nicht, aber seine neuesten Werke gehen eine Verbindung mit Blattgold ein. „Es ist eine Umwertung der Werte für mich“, sagt er. Das Blattgold ist zwar auffällig, aber ihm geht es wie immer um die Formen des Muschelkalks. Optisch jedoch entsteht der Eindruck, als ob aus dem Gold der Muschelkalk hervorspitzt. „Im Gold wird der Muschelkalk gefunden“, sagt Kränzlein. Gold als ewig Wertvolles, das selten an materiellem Wert verliert, meist immer teurer wird, ist für den Bildhauer ein Mittel, den Muschelkalk besser zur Geltung kommen zu lassen. Das glatte Blattgold steht dabei in Gegensatz zum aufgerissen Muschelkalk. Seine Tochter wagt sich in ihren neuesten Arbeiten ebenfalls an eine skulpturale Darstellung. Patrizia Kränzlein geht es um die Räumlichkeit im Raum, die sie bisher in Zeichnungen und sogenannten Fotogrammen erforscht, mit der sie spielt und experimentiert. Linien gehen mit Flächen – immer in Schwarz-weiß – eine Verbindung ein. Die strenge Komposition, die die Künstlerin plant, scheint im Endprodukt perfekt zu sein. Erschaffen werden verschiedene Raumkonstruktionen, die in den Fotogrammen durch unterschiedliche Belichtungszeiten in verschiedenen Grau- oder Schwarztöne gewichtet werden. Alle Elemente werden so von ihr positioniert, dass die unterschiedlichsten Formen in Verbindung miteinander stehen und eine Dreidimensionalität entsteht, die den optischen Raum noch vergrößert.
Konstellation von Form – Raum – Farbe
Diese Form-Raum-Konstellationen überträgt sie nun in Glasarbeiten und bringt das Element Farbe hinein. Dazu verwendet sie hauptsächlich antikes, mundgeblasenes, gefärbtes Glas, aus Kirchen beispielsweise. Sie verbindet dieses mit neuem Glas, das sie in ihrer neu angeschafften Sandstrahlmaschine milchig werden lässt. Auch ein Glasschneider ist neu in Patrizia Kränzleins Atelier. Optisch ansprechende, streng wirkende, kleine Skulpturen lässt sie entstehen, die die Dreidimensionalität ihrer Fotogramme auf eine weitere Ebene hieven. Hier kommt erstmals die Farbe zur Form, nur das sandgestrahlte, milchige Glas verfremdet die gefärbten Scheiben.
