Kraftsport Hyrox: Die rapide wachsende Trendsportart im Fitness

Von Marlon Hölzel
Nik Djember ist ein Hyrox-Athlet der ersten Stunde. Früher war er Markenbotschafter der Sportart. Foto: privat

Hyrox boomt. Verbunden wird dabei die Läufer- mit der Kraftsportszene. Doch das rapide Wachstum bringt auch Nachteile mit sich.

Seit 2018 existiert sie, die Trendsportart Hyrox. Während viele mit dem Namen noch nichts anfangen können, ist gerade in der Lauf- und Kraftsportszene die Sportart in aller Munde. Fast jeder kennt dabei einen Sportverrückten, der bereits einen Hyrox gelaufen ist oder gerade darauf trainiert.

Was ist Hyrox überhaupt

Hyrox kommt aus Hamburg und ist inzwischen international expandiert, die nächsten Wettbewerbe werden in Yokohama, Beijing, Perth und Acapulco stattfinden. Die Trendsportart hat das Ziel, olympisch zu werden. Kombiniert werden dabei Elemente aus dem Kraftsport und Ausdauersport.

Immer abwechselnd müssen die Teilnehmer erst einen Kilometer laufen und dann eine Kraftsportübung absolvieren. Dazu zählen beispielsweise Rudern, Schlitten schieben/ziehen oder als letzte Übung Wallballs, bei der ein Medizinball auf eine bestimmte Höhe geworfen wird und daraufhin eine Kniebeuge gemacht werden muss. Das Ganze bei 100 Wiederholungen hintereinander. Teilgenommen werden kann einzeln, im Doppel oder im Relay. Im Doppel müssen die Teilnehmer zwar beide die Runden laufen, dürfen sich aber bei den Kraftübungen abwechseln. Im Relay gehen die Teilnehmer als Viererteam an den Start. Jeder der vier Athleten muss dabei zwei Runden laufen und zwei Übungen absolvieren.

Hyrox ist ein geschützter Begriff. Somit dürfen Fitnessstudios nur den Namen nutzen, wenn sie die Lizenz dafür offiziell erwerben. Auch im Kreis Bietigheim-Bissingen wird die Trendsportart langsam größer. Es gibt vermehrt Gruppierungen, die je nach Erwerb der Lizenz entweder direkt Hyrox-Kurse oder ein allgemeines Hybridtraining anbieten.

Hyrox seit Tag eins

Am 1. Juni fanden im Jonny M Fitnessstudio in Bietigheim-Bissingen die „Jonny´s Hyrox Games“ statt. Es war ein Tagesevent, bei dem von 9 Uhr bis 20 Uhr Hyrox-Simulationen durchgeführt wurden. Angeboten wurden dabei nur Doppelläufe, sowohl im Mixed als auch nur für Frauen und Männer. Dafür mussten die Sportler nicht einmal Mitglied sein bei Jonny M.

An den Hyrox-Games teilgenommen hat auch die ehemalige Elite-Athletin Sarah Kholti. „Es war alles super professionell aufgebaut. Alle waren sehr nett und freundlich und auch als Nichtmitglied, wurde einem alles gezeigt“, so die Markenbotschafterin Kholti. Zudem führt sie aus: „Es war natürlich keine professionelle Zeitnahme wie bei einem richtigen Wettkampf, aber dafür war es gratis.“ Sollte nochmal ein Wettkampf in der Form veranstaltet werden, könne sie nur empfehlen, daran teilzunehmen, um auch zu testen, ob man für ein richtiges Rennen schon bereit sei.

Nik Djember ist ein weiterer Hyrox-Athlet, der seit Entstehung der Sportart dabei ist. 2018 war er bereits Markenbotschafter und hat dabei geholfen, Hyrox in der Region Stuttgart groß zu machen. Dabei war er auch ein Teil der Puma-Kampagne „Forever Faster“. In Karlsruhe schaffte er es 2019 mit Platz drei das erste Mal auf das Treppchen. Durch die Pandemie habe er den Kontakt zu den Personen etwas verloren. Hyrox hat nach der Pandemie durch die Homeworkouts und Training im funktionalen Bereich einen großen Boom erlebt. Die Gründer expandierten schnell nach Amerika. Das schnelle Wachstum brachte aber auch Nachteile mit sich. „Es war rückblickend vielleicht ein bisschen zu früh, zu expandieren. Man hat gemerkt, es ist hier und da noch Luft nach oben, was die Vorplanung und das Equipment angeht“, so Nik Djember.

Nach der Pandemie habe er selbst gar nicht mehr so viel Hyrox betrieben. 2022 kam er allerdings in die Kraftmacherei Ludwigsburg. In Absprache, mit dem Gründer Bogac Demirer kamen sie auf die Idee, auch Hyrox-Kurse anzubieten. „Ich kam als freiberuflicher Trainer in die Kraftmacherei, aber es ist ein sehr gut strukturiertes und gut aufgebautes Studio, wodurch die Sportart neu in mir entflammt ist“, erklärt er.

Durch die Aktivität als Trainer sei zudem auch wieder die Motivation gekommen, selbst teilzunehmen. Teilgenommen hat Djember anschließend im Doppel. In 52 Minuten beendete er das Rennen in Barcelona und sicherte sich damit das Ticket für die Weltmeisterschaft. Nach einem zweiten Platz in Karlsruhe und zwischenzeitlich Platz zehn der Weltrangliste lief bei der WM in Nizza nicht alles nach Plan. „Wir waren für Nizza bestens vorbereitet, ich habe allerdings vor dem Rennen nicht genug gegessen“, schildert er. „Beim ersten Kilometer bin ich direkt zu schnell losgerannt und nach der ersten Kraftübung habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt.“ Das restliche Rennen habe er nur noch auf Automatik durchgezogen. Aktuell ist Djember eher auf das Coaching in der Kraftmacherei konzentriert.

Weitere Möglichkeit in der Region

Neben der Kraftmacherei in Ludwigsburg, bietet auch der Folterkeller in Lauffen am Neckar Hybridtraining an. Gründerin Sabrina Wuketich habe schon immer den Traum gehabt, ein Fitnessstudio zu eröffnen. „Ich möchte, dass jeder Sport machen kann. Man muss bei uns nur bezahlen, wenn man wirklich da ist und zum Training erscheint. Leider wird Hyrox immer teurer. Wir haben jedes Jahr mindestens eine Qualifikation für die Weltmeisterschaft bisher gehabt, aber sind nur einmal angetreten aufgrund der Gesamtkosten“, so die Gründerin des Folterkellers.

Das Besondere an Hyrox sei für sie vor allem der Aspekt, dass darin alle Säulen der Fitness enthalten sind. Doch durch das schnelle Wachstum gibt es noch ein weiteres Problem. „Wir bekommen inzwischen kaum mehr Karten für die Wettbewerbe. Für den Hyrox in Stuttgart Ende Oktober, haben wir beispielsweise keine einzige bekommen, da mussten wir schon kurz schlucken, machen aber natürlich weiter und hoffen auf Tickets in Frankfurt.“

Den Folterkeller gibt es inzwischen seit drei Jahren, und er zählt mittlerweile etwa 60 aktive Mitglieder. Die T-Shirts sieht man in der Region dabei nicht nur beim Hyrox, sondern auch bei Volksläufen und weiteren Events. Besonders sticht für Wuketich dabei die Gemeinschaft der Gruppe heraus.

 
 
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