Frederik Köke zeigt auf einen umgestürzten Baum, der quer über einem schmalen Waldweg im Bietigheimer Forst liegt. Dieser wurde Opfer des schweren Unwetters, das am 28. August über den Landkreis fegte und dabei besonders in Bietigheim-Bissingen, Ingersheim und Pleidelsheim wütete. Insgesamt 200 bis 300 Bäume seien umgerissen worden, sagt Köke. Der 26-Jährige ist seit Mitte Mai neuer Leiter des Forstreviers Neckar-Enz, zu dem auch der Forst gehört. Der Sturm hat ihm bei seiner Tätigkeit gleich viel Arbeit beschert.
Kreis Ludwigsburg 26-Jähriger ist Chef in einem „außergewöhnlichen Revier“
Frederik Köke leitet seit Mitte Mai das Forstrevier Neckar-Enz, zu dem auch der Bietigheimer Forst gehört. Derzeit müssen noch Sturmschäden beseitigt werden.
Köke hat das Revier, in dem er von drei Mitarbeitern unterstützt wird, nach einer Interimslösung von Kim Kühn übernommen. Er hat Forstwissenschaft in Freiburg studiert und war danach im Vorbereitungsdienst in Bayern und im Nordschwarzwald tätig. Es ist für ihn auch eine Rückkehr in die alte Heimat: Köke ist in Ludwigsburg aufgewachsen.
Kleinstes, aber weitläufigstes Revier im Bezirk Unterland
„Es ist ein außergewöhnliches Revier“, schwärmt der Revierleiter von seinem neuen Wirkungsbereich. Das Forstrevier Neckar-Enz ist unter den insgesamt zehn Revieren im Forstbezirk Unterland von Forst BW das kleinste, aber weitläufigste Revier. Zu dem Staatswald, für den der Revierleiter hier zuständig ist, gehören neben dem Bietigheimer Forst unter anderem der Hartwald in Remseck, der Rotenackerwald bei Markgröningen, der Bartenberg in Vaihingen oder der Favoritepark in Ludwigsburg – insgesamt eine Betriebsfläche von 1060 Hektar.
Es sind alles Laubmischwälder, mit kleinerem Anteil an Nadelwald, die vielfach der Erholung dienen. So fahren auch an diesem Freitagnachmittag beim Treffen mit Köke, der mit seinem Wälderdackel Falco unterwegs ist, auf dem östlichsten Waldparkplatz im Forst jede Menge Autos vor. Spaziergänger und Jogger, allein oder in der Gruppe, starten von hier aus zu ihren Touren auf den Waldwegen. Er freue sich, dass er viel mit Menschen zu tun habe, sagt der Revierleiter. Es gebe viel zu kommunizieren und zu erklären – und hin und wieder auch auf Beschwerden einzugehen, insbesondere, wenn zum Holzeinschlag große Maschinen anrücken.
Dann reagierten Waldbesucher oft mit Unverständnis, wenn Maschinen tiefe Spuren im Wald hinterlassen, weiß Köke. Doch gerade auch hier im Forst gehe es nicht ohne den Einsatz von schwerem Gerät. Es gebe ein festes System an Rückegassen, erklärt Köke, die jedoch dann, wenn sie jahrelange nicht benutzt worden seien, für Besucher wie Waldwege aussehen. Entsprechend sei der Ärger da, wenn sie durch den Holzeinschlag unpassierbar werden. Doch die hiesigen Wälder seien in der Regel Wirtschaftswälder, so Köke. Insgesamt 4800 Festmeter Holz im Jahr werden den Staatswäldern eingeschlagen, für die Köke zuständig ist. Ausnahme: der Favoritepark in Ludwigsburg, wo der Naturschutz großgeschrieben wird.
Zu den Aufgaben gehören auch Naturschutz und Jagd
Neben der Pflege und Nutzung des Waldes gehören Naturschutzmaßnahmen, der Unterhalt der Wege, die Verkehrssicherung und der Jagdbetrieb zu Kökes Aufgaben. Der 26-Jährige jagt selbst, auch im Forst, hauptsächlich Rehe und Wildschweine. Die Rehe würden junge Knospen und Triebe bestimmter Baumarten fressen, erläutert Köke, warum ihr Bestand eingedämmt werden müsse. „Sie selektieren die Baumkulturen, was man nicht möchte“, sagt er. Die Wildschweine würden zum Schutz der Landwirtschaft bejagt.
Am Bietigheimer Forst lobt der Revierleiter die Bandbreite an Baumarten, die es hier gibt. „Das ist ein Riesenvorteil.“ Allerdings prognostiziert er, dass auch im Forst der vergangene Sommer Auswirkungen haben werde. „Das ist das trockenste Jahr, das ich je erlebt habe“, sagt der Förster. Die Folgen für die Bäume zeigten sich meist erst im kommenden Jahr, aber auch jetzt schon habe er Bäume gesehen, die von oben nach unten vertrocknet seien. Zum Glück gebe es überall schon junge Bäume. Für die Zukunft leider ungeeignet seien aber Bergahorn und Buche.
Vor allem Eschen hat der Sturm erwischt
Der Revierleiter geht aufgrund der Hitzeschäden davon aus, dass 2027 mehr Schadholz anfällt als im Vorjahr. Aber auch aktuell müssen Schäden beseitigt werden, nämlich die, die der Sturm im Forst angerichtet hat. Vor allem Eschen habe es erwischt, die durch das Eschentriebsterben geschwächt waren. Das Blattwerk habe dem starken Wind eine Angriffsfläche geboten, bei einem Sturm im Winter wäre nichts passiert, meint der Revierleiter.
Priorität eins nach dem Unwetter habe das Freiräumen der Hauptwege gehabt, kleinere Wege waren danach weiterhin gesperrt. Diese Woche wird aber nun das Sturmholz aus dem Bietigheimer Forst gebracht. Im Februar folgt dann der reguläre Holzeinschlag, so Köke zum weiteren Zeitplan.
