Kreis Ludwigsburg Angelvereine sorgen sich um Fische

Von Petra Neset-Ruppert
Auch die Enz führt deutlich weniger Wasser als sonst üblich. Dadurch steigen die Temperaturen, und das hat Folgen für das gesamte Ökosystem. Foto:  

Hitze und Trockenheit machen auch den Flüssen und Bächen im Kreis zu schaffen. Neben dem Entnahmeverbot des Landratsamts kümmern sich auch Vereine mit verschiedenen Maßnahmen um die Gewässer. Neue Fischarten machen sich auch in der Enz breit.

Erst kürzlich sprach das Landratsamt ein Wasserentnahme-Verbot für die Gewässer im Kreis aus. Die Hitze in Kombination mit dem zu geringen Niederschlag in den vergangenen Wochen hat die Wasserqualität in den Flüssen auch im Kreis beeinträchtigt.

Das Landratsamt ist für die Überwachung der Gewässer im Kreis zuständig. Die derzeitigen Pegelstände zeigen ein deutliches Wasserdefizit und führen damit zu weitreichenden Folgen für die Gewässerökologie, heißt es aus dem Landratsamt. 20 bis 30 Prozent unter dem bei Niedrigwasser üblichen Stand führen momentan viele Flüsse und Bäche im Kreis Wasser. Die lang anhaltende Trockenheit, die auch noch in absehbarer Zeit bestehen wird, veranlasste das Landratsamt zu handeln und das Wasserentnahme-Verbot auszusprechen. Zuletzt gab es in den Sommern 2018 und 2020 Verbote dieser Art.

Vereine beobachten Entwicklung mit Sorge

Um einzelne Teilabschnitte der Flüsse kümmern sich die Angel- und Fischervereine. Sie haben Gewässerwarte, die genau im Blick haben, wie es den Fischen in ihrem Bereich geht.

Auch der Fischereiverein Bissingen/Enz spürt die Auswirkungen dieses Hitzesommers. „Dadurch, dass es nachts teilweise auch noch sehr warm war, konnte die Enz nicht mehr herunterkühlen. Durch den niedrigen Wasserstand erwärmt sich der Fluss schneller, sodass die Enz auch mal 26 Grad warm ist. Das ist drei bis vier Grad wärmer als sonst üblich“, erklärt Günther Ullrich, Gewässerwart beim Bissinger Fischereiverein. Den Eindruck kann Peter Reinhardt, zweiter Vorsitzender beim Angelsportverein Bietigheim/Enz, auch für den weiteren Verlauf der Enz bestätigen. Das sei vielen ursprünglich heimischen Fischarten schlicht zu warm. Wie viele schon gestorben seien, lasse sich schwer abschätzen, aber Reinhardt rechnet mit dem Schlimmsten.

Invasive Arten profitieren vom Wetter

Besser mit den Bedingungen kommen „fremde“ Arten zurecht. „Die Waller vermehren sich bei diesen Temperaturen stark. Das ist kein Fisch hier für die Region. Die können bis zu 1,80 Meter lang werden. Wir versuchen als Verein die Waller verstärkt in unserem Enz-Abschnitt zu beangeln“, sagt Ullrich. Doch viele invasive Arten breiten sich aus und verändern das Ökosystem. Zwar sei der Waller ein guter Speisefisch, doch üblicher in der Region seien Raubfische wie Hecht, Zander und Barsch, so der Bissinger Gewässerwart. Hechte und Zander setzt sein Verein auch jedes Jahr aus. Bei der Esche habe man das auch sehr lange versucht. Auch die Bietigheimer, aber Reinhardt erklärt, dass dies letztlich gescheitert sei.

Besondere Maßnahmen muss der Fischereiverein Bissingen/Enz in diesem Jahr nicht ergreifen. „Wir machen die Sachen, die wir immer machen, und schauen, wie sich das Ganze entwickelt“, so Ullrich.

So baut der Fischereiverein Bissingen, in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, immer wieder sogenannte Buhnen, das sind Steinstege, in die Enz. „Das wirkt belebend für das Gewässer. Denn Sauerstoff zuführen dürfen wir nicht. Aber diese baulichen Eingriffe können dem Gewässer helfen“, erklärt Gewässerwart Ullrich.

Enz-Wehre könnten Abhilfeverschaffen

Viel mehr als zu beobachten bleibe nicht, sagt Peter Reinhardt vom Bietigheimer Verein, der die Lage an der Metter als ebenso schlecht für die Fische bezeichnet wie an der Enz. Am Rhein würden vereinzelt Furchen in den Flussboden gebaggert, in denen sich die Fische besser halten könnten bei hohen Temperaturen, etwas Ähnliches gebe es aber an der Enz nicht. Reinhardt erklärt, dass eine Möglichkeit zur Verbesserung der Lage in der Vergangenheit die nächtliche Öffnung der Wehre an den Kraftwerken am Fluss gewesen sei, weil dadurch die Enz mehr Fließgeschwindigkeit bekomme und sich nicht so stark aufheize, beziehungsweise mehr Sauerstoff ins Wasser gelange.

Auf Nachfrage erklärt Caren Sprinkart, Sprecherin des Landratsamtes, dass diese Maßnahme tatsächlich sinnvoll sei. Das Landratsamt könne dies aber nicht anweisen, sondern lediglich die Kraftwerksbetreiber darum bitten: „2018, als es schon einmal so heiß war, haben wir das auch tatsächlich gemacht“, erklärt Sprinkart. Damals seien aber die Kraftwerksbetreiber der Bitte nicht gefolgt. Aktuell habe das Amt noch keine Bitte an die Kraftwerksbetreiber gerichtet. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen bestätigen auf Nachfrage, dass, obwohl möglich, das Wehr derzeit nicht geöffnet werde.

Am Neckar, sagt Sprinkart, wo auch der Sauerstoffgehalt regelmäßig gemessen werde, hätten sich Kraftwerksbetreiber darauf verständigt, die Wehre ab einem bestimmten Wert zu öffnen.

 
 
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