Kreis Ludwigsburg Armut: Mythen mit Quiz entlarven

Von Claudia Mocek
Mit dem digitalen Quiz will die Liga spielerisch über Armut informieren (von links:) Lara Eipper, Christian Ecker, Petra Tolksdorf und Daniela Saramat haben es vorgestellt. Foto: /Oliver Bürkle

Die Liga der freien Wohlfahrtsverbände will die Aktionswoche gegen Armut nutzen, um mit 14 Fragen im Internet mit Vorurteilen aufzuräumen.

Bürgergeldempfänger bekommen alles, sogar eine neue Waschmaschine frei Haus, behaupten manche Menschen. Aber stimmt das wirklich? Die Liga der freien Wohlfahrtsverbände Ludwigsburg hat zur Aktionswoche gegen Armut, die noch bis zum 18. Oktober dauert, ein Quiz mit 14 Fragen zu Fakten rund um Bürgergeld, Mindestlohn, Pflege und Asylbewerber entwickelt. Der Arbeitskreis Existenzsicherung der Liga hat das Quiz am Dienstag bei einem Pressegespräch vorgestellt. „Uns geht es darum, für das Thema Armut zu sensibilisieren“, sagt Petra Tolksdorf, Leitung Existenzsicherung und Integration bei der Caritas.

In diesem Jahr will der Zusammenschluss der freien Wohlfahrtsverbände auf eine spielerische und digitale Weise „zum Sprachrohr für unsere Klienten“ werden, sagt Lara Eipper. Und Armut sei mittlerweile kein Randthema mehr, sondern längst in der Gesellschaft angekommen, ist Tolksdorf überzeugt.

Keine einfachen Fakten

Auch Menschen, die ihr Leben lang auf keine Sozialleistungen angewiesen waren, könnten zum Beispiel aufgrund von Krankheit rasch finanzielle Probleme bekommen. Die Anfragen bei der Schuldnerberatung in der Region sind aufgrund der wirtschaftlichen Situation in den vergangenen Monaten explodiert, sagte Daniela Saramat, Geschäftsführende Vorständin von der Sozialberatung Ludwigsburg. Auch hohe Wohn- und Energiekosten hätten dazu beigetragen.

Mit Vorurteilen aufzuräumen und Fakten zu vermitteln sei heute wichtiger denn je, findet Tolksdorf. Gerade weil die Fakten oft „nicht immer so einfach sind“, sagt sie. Doch aktuell sei der Druck auf Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, enorm. In der Politik würden sie regelrecht diskriminiert. Viele Menschen, vor allem Ältere, die in die Beratungen kommen, würden sich schämen die Leistungen in Anspruch zu nehmen. „Wir haben Sorge, dass die finanziellen Kürzungen im Landkreis im Sozialbereich Auswirkungen haben werden, die wir noch nicht überblicken können“, sagte Saramat. Wenn Fachberatungen in der Existenzsicherung wegbrechen würden, wüssten die Menschen nicht mehr wohin. „Wir fürchten dann um den sozialen Frieden“, bringt Tolksdorf es auf den Punkt.

Mit dem Quiz, das ab sofort für zwei Wochen auf den Homepages zum Beispiel von Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Der Paritätische Baden-Württemberg und Deutschem Roten Kreuz freigeschaltet bleibt, will die Liga mit Vorurteilen aufräumen, Mythen entlarven und die Menschen zu den Armutsthemen bringen.

14 Fragen im Internet

Auf die Quizteilnehmer warten 14 Fragen, die sich um Bürgergeld, Mindestlohn, Pflege und Asylbewerber drehen. Ein Beispiel: „Über zwei Millionen Menschenleben in Familien, die mit dem Bürgergeld auskommen müssen. Welcher Betrag steht einem Kind von sechs bis 13 Jahren pro Tag für Ernährung aus dem Regelsatz im Bürgergeld zur Verfügung? Dabei werden mehrere Antworten zur Auswahl vorgegeben: 4,51 Euro, 6,89 Euro, 8,24 Euro oder 9,66 Euro? Sobald man sich für eine Antwort entschieden hat, wird angezeigt ob diese richtig oder falsch war. Eine kurze Erklärung erläutert die Fakten, ein weiterführender Link führt zu ausführlicheren Infos. Ungefähr fünf bis zehn Minuten benötigt man, um alle Fragen zu bearbeiten. Die Antworten auf die konkreten Situationen regen unweigerlich zum Nachdenken an und machen einem einmal mehr bewusst, mit wie wenig Geld viele Menschen auskommen müssen.

Die Grundkonstruktion für das Quiz und die Fragen hat der Arbeitskreis selbst entworfen, erläutert Christian Ecker von der Karlshöhe. Das Quiz läuft auf einer datenschutzkonformen Plattform in Deutschland.

Und wie schaut es nun mit dem Mythos aus, dass eine vierköpfigen Familie, die Bürgergeld bekommt und deren Waschmaschine kaputt geht, diese komplett bezahlt bekommt? Das Quiz gibt Antwort: Vom Jobcenter bekommt die Familie in der Regel nur ein Darlehen – aktuell sind dies 30 Euro. Für eine günstige Maschine ab 250 Euro muss die Familie also mindestens acht Monate sparen, „was die Menschen am Existenzminimum in der Regel nicht schaffen“, heißt es in der Antwort. 

 
 
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