Das Gesetz ist bereits verabschiedet worden, damit ist es offiziell: Ab 2025 dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Australien keine Sozialen Medien mehr nutzen. Auch Großbritannien überlegt, ein solches Verbot einzuführen.
Kreis Ludwigsburg Aufklärung statt Verbot
Australien hat das Gesetz verabschiedet, Soziale Medien erst ab 16 Jahren zu erlauben. Eine Expertin erklärt, was das bedeutet und ob eine solche Regelung auch in Deutschland denkbar wäre.
Aus Sicht der Regierungen gefährden die Sozialen Medien nämlich das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. Dabei sollen sie vor allem vor Cybermobbing, sexueller Belästigung und anderen verstörenden Inhalten, die im Internet kursieren, beschützt werden. Mit dem Verbot in Australien haben Plattformen wie Instagram, TikTok und Co ab jetzt ein Jahr Zeit, um Alterskontrollen durchzuführen. Wenn sie dies nicht tun, drohen Strafen von bis zu 31 Millionen Euro. Kritiker sind skeptisch: Kann ein solches Verbot überhaupt umgesetzt werden? Oder beschaffen sich Kinder und Jugendliche nicht dann erst recht Zugang? Diese und weitere Fragen hat die BZ Birgit Schmolke-El Titi gestellt; sie ist die Leiterin der Suchthilfe bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz.
„Für ein generelles Verbot bis 16 Jahren bin ich nicht“, sagt sie direkt. Vielmehr sei es die Aufgabe der Eltern, die Nutzung von Smartphones und Social Media so lange wie möglich herauszuzögern. Eine gute Begleitung sei wichtig und nicht ein stumpfes Verbot.
Prävention ist entscheidend
Aufklärung ist also das Stichwort. „Einschränkungen, wie die Altersabfrage, können leicht umgangen werden. Außerdem verlassen viele Jugendliche mit 16 die Schule und erhalten dann keine fundierte Medienbildung mehr“, kritisiert Schmolke-El Titi. Ein Verbot sei erst dann von Vorteil, wenn es mit anderen Maßnahmen der Prävention und zur Förderung der Medienkompetenz, einhergeht, sodass Kinder und Jugendliche trotzdem Kompetenzen entwickeln.
Die Expertin sieht aber nicht nur Nachteile: „Gut am Verbot finde ich, dass nicht die Jugendlichen verurteilt werden, wenn sie Verbote umgehen, sondern die Anbieter in die Pflicht genommen werden. Auch der wegfallende Gruppendruck könnte ein Vorteil sein. Wenn zum Beispiel keiner der Klassenkameraden mehr in einem Klassenchat ist, muss ich da auch nicht einsteigen“, sagt sie. Ein Social-Media-Verbot in Deutschland könnte sich Birgit Schmolke El-Titi bis 14 Jahre vorstellen.
Bei einem stumpfen Verbot sollte es ihrer Ansicht nach aber nicht bleiben: Dazu muss einiges an Aufklärung gehören. „Medienkompetenz muss dann gleichzeitig auf dem Lehrplan stehen und auch die Eltern müssen umfassend geschult werden, um ihre Kinder gut zu begleiten“, sagt sie.
Wünschenswert sei eine bessere finanzielle Ausstattung, um gezielt Medienkompetenz zu fördern. „Eltern müssen mit gutem Beispiel voran gehen. Frühzeitig gemeinsame Regeln für die Zeit im Internet aufzustellen ist ihre Aufgabe – an diesem Aushandlungsprozess sollten Kinder beteiligt werden, um die Regeln akzeptieren zu können.“
Das Verbot kann umgangen werden
Verbote schrecken oftmals nicht ab. Wenn sie wollen, können Kinder und Jugendliche ja sicher trotzdem in den Sozialen Medien unterwegs sein, oder nicht? Das bestätigt die Expertin. Sie ist sich sicher, dass junge Menschen einen Weg finden werden, das Verbot zu umgehen. Dass die Plattformen selbst in die Pflicht genommen werden, auf den Jugendschutz zu achten, begrüßt sie aber. „Wie sie mit dieser Verantwortung umgehen, wird sich zeigen“, sagt sie.
Allein die Debatte darüber, wie ein politisch gewollter Jugendschutz in den Sozialen Medien umgesetzt werden kann, sei hilfreich. „Kinder und Jugendliche haben unterschiedliche Rahmenbedingungen, wie sie im familiären und sozialen Umfeld aufgefangen werden“, gibt Schmolke-El Titi zu bedenken. Umso wichtiger sei es, betont sie wieder, mehr Bildungsangebote zur Förderung kritischer Medienkompetenz, auch in Bezug auf antidemokratischen Social-Media-Content, anzubieten.
