Kreis Ludwigsburg Bis heute reger Austausch mit Freunden in Sachsen

Von Uwe Mollenkopf
Gäste aus dem Landkreis Zwickau sind regelmäßig auf dem Spätlingsmarkt im Ludwigsburger Kreishaus präsent und zeigen dort unter anderem ihre Holzschnitzkunst. Foto:  

Am Freitag, 3. Oktober, jährt sich die Wiedervereinigung zum 35. Mal. Ein Blick auf die Entwicklung der Partnerschaft mit dem Kreis Zwickau.

Die Partnerschaft habe dazu beigetragen, die deutsche Einheit mit Leben zu erfüllen. Dies stellte Landrat Dietmar Allgaier im Juni 2022 anlässlich des Abschiedsbesuchs von Dr. Christoph Scheurer, dem Landrat des Partnerlandkreises Zwickau, im Kreishaus fest. Die Verbindung des Landkreises Ludwigsburg mit der Region in Sachsen währt seit 1990 und damit genauso lange wie es die Deutsche Einheit gibt, an deren Zustandekommen am Feiertag, 3. Oktober, wieder erinnert wird.

Wie alles begann

Begonnen hat alles mit der Hilfe beim Verwaltungsaufbau, die der Landkreis Ludwigsburg nach der Wiedervereinigung vor Ort leistete. Daraus entwickelte sich eine partnerschaftliche Verbindung mit dem damaligen Landkreis Chemnitz, die auch die nachfolgenden Kreisreformen dort überdauerte. Nach einem ersten Zusammenschluss 1994 des Landkreises Chemnitz mit den Landkreisen Glauchau und Hohenstein-Ernstthal entstand der Landkreis Chemnitzer Land. Dieser hat sich dann am 1. August 2008 im Zuge der sächsischen Kreisgebietsreform mit dem Landkreis Zwickau und der kreisfreien Stadt Zwickau zum heutigen Landkreis Zwickau zusammengeschlossen.

Landrat Scheurer spielte eine wichtige Rolle für die Partnerschaft. Der heute 69-jährige hatte noch zu DDR-Zeiten an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (wie Chemnitz damals hieß) Mathematik studiert. Nach seinem Studium wollte er an der Hochschule arbeiten, was ihm jedoch verboten wurde, weil er sich christlich engagierte. 1987 promovierte er in Berlin in der Akademie der Wissenschaften und war anschließend in Karl-Marx-Stadt am Institut für Mechanik tätig. 1991 wurde Scheurer mit großer Mehrheit zum Landrat im Kreis Chemnitz gewählt, ebenso 1994 und 2008 zum Chef der größeren Nachfolgekreise. Seine Amtszeit endete zum 31. Juli 2022, Nachfolger ist seit September 2022 Carsten Michaelis.

Fahne zum Zehnjährigen

Gemeinsam mit Landrat Dr. Rainer Haas aus Ludwigsburg setzte sich Scheurer für den Fortbestand der Partnerschaft ein. Im Jahr 2000, als eine Delegation aus Ludwigsburg zum zehnjährigen Jubiläum nach Sachsen reiste, überreichte ihm Haas eine Fahne als Zeichen der Freundschaft. Landrat Allgaier dankte ihm 2022 für „die guten Beziehungen und die gemeinsamen Projekte in mehr als drei Jahrzehnten“.

Treffpunkt Spätlingsmarkt

„Über die vergangenen 35 Jahre wurden gemeinsam kulturelle Vorhaben getragen und unterstützt sowie Kontakte im sozialen Bereich und auf musikalischer Ebene gefördert“, sagt Dr. Andreas Fritz, der Sprecher des Landratsamtes Ludwigsburg. So wurden beispielsweise gemeinsame Ausstellungen, wie die „Brücke der Freundschaft“ sowie „Neckarkunst“ organisiert. Zuletzt fand auch ein „Pleinair“ mit Künstlern aus dem Landkreis Ludwigsburg und dem Landkreis Zwickau statt.

Seit dem ersten Spätlingsmarkt im Jahr 1997 ist der Landkreis Zwickau zudem stets mit Kulinarischem und Informativem im Kreishaus vertreten. Umgekehrt nimmt der Landkreis Ludwigsburg seit 2010 regelmäßig an der Messe „Reise und Freizeit“ in Zwickau teil. Bei der Eröffnung beider Veranstaltungen werden stets Gäste aus dem Partnerlandkreis begrüßt.

Urkunde erneuert

Bereits mehrfach wurde laut Fritz auch der Jahrestag der Deutschen Einheit gemeinsam begangen – „wie beispielsweise im Jahr 2015, als zu diesem Anlass auch die Partnerschaftsurkunde als Zeichen der tiefen Verbundenheit und Freundschaft erneuert wurde.“ Und seit dem Jahr 2023 haben auch die Volkshochschulen beider Landkreise ihre Zusammenarbeit durch die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags für die Zukunft formell bekräftigt. „Auch besondere Jubiläen wie zuletzt das ,Landkreisfeschd` im Jahr 2023 sind immer ein Grund, sich gegenseitig zu besuchen und sich auszutauschen“, so der Sprecher.

Verwaltungen profitieren

Auf Verwaltungsebene gibt es einen regen Erfahrungsaustausch zwischen den Dezernenten der beiden Landkreise, der im Wechsel in Zwickau oder Ludwigsburg stattfindet. „Der Austausch ist für beide Seiten sehr gewinnbringend – es ist interessant zu sehen, wie die beiden Landkreise die zahlreichen und großen Herausforderungen, vor die sie – wie auch die anderen Landkreise – aktuell gestellt sind, jeweils bewältigen“, sagt Andreas Fritz. Dabei zeige sich häufig, dass beide Landkreise ähnliche Strategien verfolgten.

Doch der Austausch gehe weit über reine Fachgespräche hinaus. Fritz: „Es herrscht stets eine herzliche Atmosphäre, die sowohl auf fachlicher als auch persönlicher Ebene neue Impulse setzt.“ Die Zusammenarbeit in der Vergangenheit zeige, dass beide Seiten voneinander profitieren könnten, und sie sei „ein gelebtes Beispiel für die Stärke regionaler Partnerschaften“, so der Sprecher zu dem deutsch-deutschen Miteinander.

 
 
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