Kreis Ludwigsburg Carolyn Hutter: „Keine Zukunft ist keine Option“

Von Yannik Schuster
Carolyn Hutter ist seit September 2025 Präsidentin der Stiftung NatureLife International. Foto: /Oliver Bürkle

Die Präsidentin der Stiftung NatureLife International mit Sitz im Kreis Ludwigsburg will mit neuen Konzepten und einer positiven Botschaft den Naturschutz voranbringen.

Die Stiftung NatureLife International verbindet man vor allem mit einem Namen: Hutter. Genauer gesagt, Claus-Peter Hutter, der die Umweltstiftung mit Sitz in Benningen gründete und über viele Jahre als Präsident führte. Seit vergangenem September liegen die Belange der Stiftung nun jedoch in den Händen seiner Tochter Carolyn Hutter. Dabei war die Stiftung eigentlich nie als Familienangelegenheit gedacht, lange war unklar, ob sie den Posten als Präsidentin der Stiftung annehmen würde, sagt Carolyn Hutter. Den entscheidenden Ausschlag habe letztlich die erneute Wahl Donald Trumps gegeben. „Ich habe gedacht, jetzt geht in Sachen Naturschutz einiges den Bach runter.“ In diesem Moment habe sie sich entschlossen, dem im kleinen Rahmen etwas entgegenzusetzen.

In den vergangenen Monaten startete Hutter zunächst eine Digitalisierungsoffensive: Die Website der Stiftung wurde rundum erneuert, inklusive digitaler Spendenmöglichkeit, und auch der Instagram-Kanal von NatureLife International wurde nach jahrelanger Inaktivität wieder reaktiviert. Ziel sei es, die Bevölkerung für Naturschutzthemen zu begeistern. Einher gehe das mit einer Berichterstattung über die eigenen Projekte und Motivationen.

Spendenbereitschaft gesunken

Bestehende Projekte, darunter etwa das Wasserbüffelprojekt im Bottwartal oder aber ein Aufforstungsprojekt in Sri Lanka laufen auch unter neuer Führung unverändert weiter. Bis Ende des Jahres will Carolyn Hutter auch eigene, neue Projekte anstoßen. Der Knackpunkt dürfte am Ende die Finanzierung sein.

Obwohl man einen Kreis an langjährigen Unterstützern aus der Wirtschaft habe, nehme sie derzeit eine grundsätzliche Zurückhaltung wahr. Auch wenn sie Verständnis dafür habe, dass in schwierigen Zeiten das gesellschaftliche und ökologische Engagement in den Hintergrund rückt, gehe damit eine Herausforderung für Organisationen einher, die auf Spendengelder angewiesen sind. „Ich will versuchen, zukünftig aus der Not eine Tugend zu machen“, gibt Hutter sich optimistisch.

Einerseits müsse man mehr Menschen im Privaten erreichen, diesen auf positive Art und Weise Naturschutz zu vermitteln. „Mein Ansatz ist es nicht, mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten, weil ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der die Menschen ohnehin durch viele Probleme privater oder globaler Art belastet sind.“ Vielmehr müsse man ein positives Bild des Naturschutzes zeichnen, indem man den Menschen bewusst mache, wie wichtig die Natur für sie sei.

Zwei Ansätze verfolgt Hutter dafür konkret: Einerseits will sie mit Organisationen oder Unternehmen Veranstaltungen anbieten. Denkbar wären etwa Yoga-Kurse, Konzerte oder Kunstausstellungen. So könne man Geld für Naturschutzprojekte generieren, die Menschen erhalten dafür aber eine Gegenleistung, argumentiert die NatureLife-Präsidentin. Der zweite Ansatz beruht darauf, dass die Menschen die Natur im Freien durch Bewegung erleben sollen. Will beispielsweise ein Unternehmen zusammen mit NatureLife einen Schulgarten anlegen, der 15.000 Euro kostet, dann – so der Plan – könnte dieses pro Kilometer Bewegung der Mitarbeiter einen vorab festgelegter Betrag spenden. So würde man viele Privatpersonen involvieren ohne dass diese selbst finanziell dazu beitragen müssten, sagt Hutter. Für beide Konzepte sucht die Stiftung nach interessierten Kooperationspartnern und auch sonst seien ehrenamtlich Engagierte immer willkommen.

In der gesellschaftlichen und politischen Debatte genießt der Natur- und Klimaschutz aktuell keinen hohen Stellenwert. Das liege laut Hutter darin begründet, dass Wirtschaft und Naturschutz in zwei Zeithorizonten gerechnet würden. Das wirtschaftliche Problem sei ad hoc zu lösen, schließlich verzeichne man sofort Umsatzrückgänge. Ökologische Probleme, die ihre vollen Auswirkungen erst noch entfalten werden, würden in die Zukunft geschoben. Dabei bräuchten wirksame Maßnahmen zum Natur- und Klimaschutz Zeit, um zu wirken. Das stiftungseigene Projekt in Sri Lanka etwa, wo vor zehn Jahren mit der Aufforstung eines Regenwaldes begonnen wurde, trage jetzt langsam Früchte. „Dieses Zeitproblem wird uns in der Zukunft irgendwann massiv einholen.“

Einfache Lösungen anbieten

In der Landwirtschaftsbranche, mit der sich Hutter hauptberuflich viel beschäftigt, merke man schon jetzt gravierende Auswirkungen des Klimawandels in Form von Ernteausfällen. „Dann wird das ökologische zu einem wirtschaftlichen Problem. Im Endeffekt geht es um unsere Lebensgrundlagen und damit auch um unsere Wirtschaftsgrundlagen.“ Trotzdem sagt sie: „Ich will keine Verzichtsdebatte aufmachen aber zu überlegen, welche Auswirkungen meine Entscheidungen, die ich heute treffe, auf die Zukunft haben, würde helfen.“

Der Mensch sei evolutionär darauf ausgerichtet, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, sich das Leben also so bequem wie möglich zu machen. An dieser Erkenntnis müsse die Umweltbildung andocken, um ihr volles Potenzial zu entfalten, ist Hutter überzeugt. Den Menschen müssten einfache Lösungen angeboten werden. In der Schule müsste die Umweltbildung möglichst breit gestreut werden, nicht nur als Inhalt naturwissenschaftlicher Fächer. Auch in Musik oder Kunst könne man Umweltaspekte des Lerninhalts abbilden und so Jugendliche abholen, so Hutter. Auch mit der Stiftung NatureLife will sie verstärkt bei der Umweltbildung ansetzen.

Trotz aller Herausforderungen blickt Carolyn Hutter optimistisch in die Zukunft: „Auch wenn man grundsätzlich das Gefühl hat, die Menschen engagieren sich weniger, gibt es trotzdem noch ganz tolle Leute, die viel Tolles machen.“ Und weiter: „Keine Zukunft ist keine Option.“

 
 
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