Seit dem 1. Januar gibt es wieder eine staatliche Förderung für E-Autos und Plug-in-Hybride, nachdem der bisherige Zuschuss im Januar 2024 geendet hatte. Wie hat sich das Ende der Förderung auf die Verkaufszahlen ausgewirkt, und was wird sich durch die neue Förderung ändern?
Kreis Ludwigsburg Das bringt der neue Umweltbonus
Sorgt die neue Förderung für E-Autos und Plug-in-Hybride für mehr Interesse bei den Kunden, und was bedeutet die staatliche Prämie genau? Die BZ hat nachgefragt.
Eine Förderung in Form des Umweltbonus’ trat erstmals 2016 in Kraft. Auch damals gab es bei E-Autos und Plug-in-Hybriden einen Zuschuss von mehreren tausend Euro. 2023 wurden die Zuschüsse dann reduziert, bevor sie 2024 gänzlich gestoppt wurden. Grund waren 60 Milliarden Euro, die im Klima- und Transformationsfond fehlten; durch das Ende der Förderung sollte Geld gespart werden. Die KFZ-Innung sowie einzelne Autohäuser im Kreis meldeten einen Rückgang beim Interesse an E-Autos.
Die Zahlen bestätigen das so direkt nicht: Laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg kommen seit 2021 im Kreis Ludwigsburg jährlich konstant rund 2000 E-Autos dazu. Die Anzahl der Plug-in-Hybride steige nur langsam: So gab es im Kreis Ludwigsburg im Januar 2024 11.000 Elektroautos und knappe 8700 Plug-in-Hybride, im Januar 2025 dann 13.000 Elektroautos und 8800 Plug-ins. Hybridautos, die ihren Akku nur selbst während der Fahrt aufladen und nicht manuell geladen werden müssen, sind im Unterschied dazu beliebter: Anfang Januar waren 28.000 solcher Fahrzeuge im Kreis zugelassen. Für 2025 gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Zahlen.
Gebrauchtwagen nicht inkludiert
Einen Anstieg erwarte man jetzt schon, doch wie groß er ausfällt, muss noch abgewartet werden, sagt der Kreisvorsitzende Ludwigsburg der KFZ-Innung Stuttgart, Markus Klein. Der größte Unterschied zur alten Förderung sei, dass sie nun ausschließlich für Privatpersonen gelte und nicht mehr für Firmen.
Durch den Fördergeldtopf, aus dem die Zuschüsse bezahlt werden, gebe es die Gefahr nicht mehr, dass die Förderung wie letztes Mal plötzlich gestoppt werden müsse. Dass es wieder eine Prämie gibt, sei an sich gut – auch wenn es „schade für die Händler ist“, dass Gebrauchtwagen nicht gefördert werden. Dadurch könne der Gebrauchtwagenmarkt in Schieflage geraten. Die schon vorhandenen Autos hätten dann noch längere Standzeiten. Dennoch sei die Förderung „wirtschaftlich ein guter Impuls“. Neben der Bezuschussung der Autos selbst sollte laut Klein das Augenmerk vor allem auf die Ladeinfrastruktur gelegt werden. Die sei nicht unbedingt schlecht, könne aber besser sein, gerade, wenn durch die Prämie nun noch mehr Bedarf entstehe. „Man hört immer wieder von Kunden, dass die Bezahlung schlecht funktioniert“, sagt er.
Ladeinfrastruktur ausbaufähig
An den Ladesäulen gebe es nicht nur unterschiedliche Tarife, die das Bezahlen unübersichtlich machten, sondern auch verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, die unter Umständen nicht funktionierten. Eine einheitliche Karte zum Zahlen sowie Stromanbieter, die untereinander abrechnen, statt dem Kunden verschiedene Tarife anzuzeigen, könnten hier Abhilfe schaffen, so Klein weiter.
Um die Situation zu verändern, sollten aus dem Fördergeldtopf nicht nur die Zuschüsse für Autokäufe bezahlt werden, sondern auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Verbesserung der Zahlungsabwicklung. Gerade für eine langfristige positive Auswirkung auf die Käufe von E-Autos sei das wichtig. Von der Prämie würden vor allem preiswerte Modelle profitieren, da sich eine Bezuschussung hier deutlicher bemerkbar mache. Zur staatlichen Förderung kommen in vielen Fällen auch Prämien von Herstellerseite, sodass es für den Kunden eine „Doppelaktion“ gibt.
Der Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg, Burkhard Metzger, schätzt die Ladeinfrastruktur im Kreis als sehr gut ein. Für verbesserungsfähig halte er allerdings, dass viele Ladesäulen nicht die angegebene Ladegeschwindigkeit erreichen, „dadurch müssen die Menschen länger an der Ladesäule warten, bis das Auto geladen ist“, so Metzger.
Zur neuen Förderung teilt Ali Tastemur vom BMW-Vertragshändler Autohaus Stadel in Bietigheim-Bissingen mit, dass nach dem Ende der ehemaligen Förderung das Interesse der Kunden an E-Autos und Hybrid-Autos gesunken sei. BMW habe daraufhin jedoch schnell selbst die Nachlässe erhöht, wodurch die Verkaufszahlen sogar höher seien als zuvor. Bezüglich der neuen Förderung habe das Autohaus bis jetzt noch kein gestiegenes Interesse bemerkt, rechne aber in Zukunft noch damit.
Nachfrage noch verhalten
Markus Kohfink, Geschäftsführer des Autohauses Otto Kohfink in Bietigheim-Bissingen, berichtet, dass nicht nur der Elektroautoabsatz, sondern auch das Interesse an Gebrauchtwagen mit der Einstellung des Umweltbonus’ schlagartig eingebrochen sei. Durch einen Preis, den ein Modell der Marke Renault 2024 erhalten hatte, sei das abgefedert worden. Im vergangenen Jahr habe man eine langsame Erholung des Elektromarkts erlebt, jedoch sei auch das vor allem auf die Einführung eines beliebten Modells zum Jahresanfang zurückzuführen. Die Ankündigung der neuen Förderung ist laut Kohfink schon jetzt deutlich spürbar: „Seit der Verkündung sind die Anfragen komplett durch die Decke geschossen, und auch die Verkaufszahlen.“
Teilweise höhere Anfragen
Jedoch, so der Geschäftsführer weiter, begrenze sich die hohe Nachfrage vor allem auf ein Modell, das von Herstellerseite aus bereits stark bezuschusst wird. Bei anderen Elektromodellen konnte kein Anstieg festgestellt werden. Von der Öffnung des Beantragungsportals im Mai verspricht man sich nur einen sehr geringen Effekt.
Das Autohaus Hahn, das unter anderem Niederlassungen in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen unterhält, berichtet ebenfalls von rückläufigen Verkaufszahlen zum Ende der letzten Förderung hin. Mittlerweile hätten sich die Verkäufe durch Herstelleraktionen und attraktive Elektro-Modelle wieder stabilisiert, so Nicole Hahn von Hahn Automobile. Seit der Bekanntmachung des neuen Bonusprogramms sei die Nachfrage eher verhalten. Das Interesse, das vorhanden sei, beziehe sich mehr auf die Förderung selbst als auf konkrete Fahrzeugangebote, so Hahn weiter. Man wünsche sich, dass auch Gebrauchtwagen in die Förderung miteinbezogen sowie das maximale Haushaltsnettoeinkommen angehoben würden, um mehr potenzielle Kunden zu erreichen.
Der Geschäftsführer des Autohauses Weller in Bietigheim-Bissingen, Julius Emrich, meint ebenfalls, dass die Nachfrage mit dem Stopp des Zuschusses zurückgegangen sei.
Anstieg auch bei Verbrennern
Kunden hätten ihre Entscheidung aufgeschoben oder sich doch noch für einen Verbrenner entschieden. Sie bemerken bereits jetzt, so Emrich weiter, dass mehr Anfragen für E-Autos kommen. Vor allem von Kunden, die sich erst mal informieren und ihre spätere Kaufentscheidung planen wollten. Bei Öffnung des Portals im Mai rechne man mit erneutem ansteigenden Interesse. „Allerdings erwarten wir nicht den gleichen Hype wie damals bei der BAFA-Förderung“, da die neue Prämie enger gefasst sei und sich an einen eingeschränkten Kreis von Privatpersonen richte. Interessant finde er, dass allein die Tatsache der gefallenen Entscheidung mehr Verkäufe auslöst: „Der Effekt der Entscheidung scheint teilweise größer zu sein als der tatsächliche finanzielle Vorteil der Förderung selbst.“
