Kreis Ludwigsburg Das Dilemma der Frauen im Sport

Von Gabriele Szczegulski
Karolina Kudlacz-Gloc, Handballerin der SG BBM, ist eine der erfolgreichsten Spielerinnen der ersten Liga. Trainerin würde sie dennoch momentan nicht werden wollen. Foto:  

Nur wenige Frauen schaffen es in die Vorstandschaft eines Sportvereins. In Profimannschaften werden Frauen meist von Männern trainiert. Der Sport ist immer noch eine Männerdomäne.

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on 14 Bundesligamannschaften der Fauenhandballerinnen in Deutschland haben nur drei eine weibliche Trainerin. Auch die äußerst erfolgreiche Mannschaft der SG BBM Bietigheim hat einen Mann als Trainer, Markus Gaugisch, der ist auch gleichzeitig der Bundestrainer des Frauenhandball-Nationalteams. „In Fortbildungen sind unter 20 Männern manchmal eine oder zwei Frauen dabei“, sagt Gaugisch. Für ihn ist klar, Frauen sind mindestens genauso gute Trainer wie Männer. „Vielleicht braucht es mehr Anreize und Sicherheiten für Frauen im Sport, damit sie Karriere und Familie unter einen Hut kriegen“, sagt er.

Trainerkarriere wäre die Verlängerung der Spielerlaufbahn

„Ich weiß, dass ich eine sehr gute Trainerin sein könnte, ich habe die Fähigkeiten durch meine lange Karriere, kann mich behaupten, habe viel Erfahrung mit Mannschaften und Trainern, bin Mensch-orientiert und kann mich durchsetzen“, sagt eine seiner Spielerinnen, Karolina Kudlacz-Gloc, seit 2017 Spielerin der SG BBM und mehr als 25 Jahre Handballprofi. Sie hatte noch nie eine Trainerin, egal ob in ihrem Heimatland Polen oder in Leipzig, wo sie 16 Jahre lang spielte.

Momentan sagt aber auch die studierte Psychologin klar Nein zu einer Trainerkarriere. „Ich muss alles zu 100 Prozent machen, da würde zeitlich und vom Aufwand her meine aktive Karriere einfach weitergehen“, sagt die 38-Jährige. „Ein Trainer kann einfach von heute auf morgen entlassen werden und dann muss er weiterziehen, das passt nicht zu einer Familienplanung und der Mann müsste auch von heute auf morgen seinen Arbeitsplatz aufgeben und mitziehen.“

Kudlacz-Gloc ist eine der wenigen Profisportlerinnen, die schon Mutter ist. Als sie 2017 nach Bietigheim-Bissingen kam, war sie schwanger, was sie dem Verein nicht verschwieg. Die SG BBM verpflichtete sie trotzdem und ist damit einer der wenigen Profivereine, der einen Vertrag mit einer Schwangeren abschloss. „Wir bei der SG BBM müssen auch nicht vertraglich garantieren, dass wir nicht schwanger werden, wie das viele andere Vereine verlangen“, so die Mutter des sechsjährigen Jakub, genannt Kuba.

Das Vertrauen, so sagt sie, das der Verein in sie hatte, will sie mehrfach zurückgeben. „Ich habe meine Elternzeit nicht genommen, das hat mein Mann gemacht, und habe alles getan, nach der Geburt wieder zu 100 Prozent fit zu sein“. Der kleine Kuba kommt mittlerweile auch mit zum Training, wenn sie keine Betreuung für ihn hat. „Ich kann mich voll aufs Training konzentrieren, auch weil Kuba sich mit sich beschäftigen kann“, was auch ihr Trainer, Markus Gaugisch, bestätigt. „Kuba stört nie und Karolina ist eine der fokussiertesten Frauen, die ich kenne, aber ich weiß, dass dies in anderen Vereinen nicht möglich wäre“, so Gaugisch.

„Wenn ich als Profihandballerin mein Leben zu 100 Prozent dem Handball widme und am Ende noch nicht mal ein Haus kaufen kann, weil das Gehalt fürs tägliche Leben drauf geht, dann ist das schon traurig, weil die männlichen Profihandballer da schon mehr verdienen“, sagt Karolina Kudlacz-Gloc.

Frauensport ist in der Öffentlichkeit kaum sichtbar

Dabei, so sagt sie, zahle die SG BBM vergleichsweise gut. Es gebe Erstligaspielerinnen, die neben dem Profisport noch Geld verdienen müssten. „Im Profisport muss man immer erfolgreich sein, sonst kann man gehen, das ist für eine Familienplanung nicht förderlich“, sagt die Deutsch-Polin.

.„Frauen bekommen weder die Unterstützung noch die Anerkennung im Profisport wie Männer“, sagt Gaugisch, das sei oft frustrierend. Die SG-Frauen hätten 2022 „alles erreicht, was man im Handball erreichen kann, wir sind die erfolgreichste Handballmannschaft, die Beachtung wäre bei einem Männerteam höher“, so Gaugisch. Das betreffe die Bezahlung, die Hallenstandards, die Zuschauerzahlen, das Sponsoring – „Frauensport ist in der Öffentlichkeit kaum sichtbar“, so Gaugisch.

 
 
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