Kreis Ludwigsburg Dem „Bringservice“ Einhalt gebieten

Von der Redaktion
In Kirchheim, vor der Schule auf dem Laiern, ist an manchen Tagen das Verkehrschaos gefährlich für die Schulkinder. Der Gemeinderat erwägt, die Friedrichstraße zur Schulstraße zu machen. Foto: /Oliver Bürkle

Vor Schulbeginn und zu Schulschluss kommt es vor vielen Schulen zum Stau. Sogenannte Schulstraßen sowie Hol- und Bringzonen sollen das Verkehrschaos beseitigen. 

Die Szenen vor vielen Schulen ähneln sich: Autos parken in zweiter Reihe, es wird auf Gehwegen gewendet, Staus entstehen – und mittendrin bahnen sich Kinder zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad ihren Weg. Ende August erleichterte das Verkehrsministerium Baden-Württemberg mit einem Erlass den Kommunen die Einführung von Schulstraßen und Schulzonen. Die gefährlichen Situationen könnten mit Hilfe des neuen Erlasses bald der Vergangenheit angehören.

Die Gemeinde Kirchheim nahm den Erlass in der letzten Gemeinderatsitzung zum Anlass, über die Einrichtung einer Schulstraße zu diskutieren. An der Schule im Laiern komme es, so Bürgermeister Uwe Seibold, oft zu gefährlichen Situationen für die Schulkinder, wenn Eltern mit ihren Autos „meist Verkehrsregeln verletzend“ parkten, um ihre Kinder abzuholen – die sogenannten „Elterntaxis“. Selbst den Kreisel hin zur Schule belegten die Eltern, sodass für andere Autofahrer kein Durchkommen mehr sei. „Halteverbote werden sowieso ignoriert, und Appelle, die wir ständig an die Eltern richten, helfen nichts“, so Seibold.

Fahrverbot soll kommen

Um die Verkehrssicherheit vor der Schule zu erhöhen, sprach der Gemeinderat über eine mögliche Umwandlung der Friedrichstraße zwischen Laiern- und Strombergstraße zur Schulstraße. Aus dem Gemeinderat, so Seibold, sei sogar die Anregung gekommen, dass nicht nur der Kernbereich gesperrt wird, sondern schon ab der Heuchelbergstraße bis zur Schule zu bestimmten Zeiten nicht mehr gefahren werden darf. „Das wäre ein weitgehender Eingriff mit dem höchsten Schutz“, so Seibold.

Problem: Auf der der Schule gegenüberliegenden Seite stehen Wohnhäuser. Lässt man die Anwohner auch zu den Sperrzeiten passieren, so der Bürgermeister, würde das den Eltern auch Tür und Tor öffnen, unerlaubterweise die Friedrichstraße zu befahren. Allerdings muss man den Anwohnern die Zufahrt zu ihren Grundstücken gewähren.

Eine Alternative wären Poller oder eine Schranke, zu der die Anwohner einen Schlüssel hätten. „Es gibt noch viele Fragezeichen“, sagt der Bürgermeister, die in den nächsten Monaten durch Gespräche mit der Verkehrswacht, dem Landratsamt sowie den Anwohnern geklärt würden. Aber der Kirchheimer Gemeinderat war sich in der Sitzung einig, dass nur ein Fahrverbot Besserung verschaffe. „Es muss was geschehen, bevor noch ein ernsthafter Unfall passiert“, sagt Seibold.

Die Stadt Bönnigheim hat schon vor einiger Zeit die Straße vor dem Schulzentrum – sie heißt wirklich Schulstraße – und die Amannstraße in Teilen zur Einbahnstraße gemacht, um den „Elterntaxis“ Einhalt zu gebieten. „Wir wollten damit die Situation entschärfen und für mehr Schutz für die Schüler und Schülerinnen sorgen“, sagt Bürgermeister Albrecht Dautel.

Vollzugsdienst unterwegs

Zudem gebe es zwischen 7 und 9 Uhr ein Halteverbot, weil der „Bringservice für Kinder“, so Dautel, um diese Zeit besonders schlimm sei. Das kann der Bürgermeister selbst jeden Morgen beobachten, da sein Fußweg zum Rathaus an der Schule entlang geht. „Da ist es oft ziemlich gefährlich für die Schulkinder“, sagt Dautel. Das Halteverbot werde dennoch ständig gebrochen durch die Eltern, obwohl der Bönnigheimer Vollzugsdienst regelmäßig morgens Patrouille geht und Knöllchen verteilt. „Die Situation ist immer noch nicht optimal, deswegen wird sich der Gemeinderat in seiner Sitzung im Dezember auch mit dem Verkehrschaos vor dem Schulzentrum befassen und die Frage erörtern, ob wir die Schulstraße zur richtigen Schulstraße machen“, so Dautel.

Hol- und Bringzonen im Praxistest

In Bietigheim-Bissingen hat die Stadtverwaltung zum Schuljahresbeginn im Stadtgebiet insgesamt 14 sogenannte Hol- und Bringzonen in einiger Entfernung von den Schulen eingerichtet, um die Probleme mit „Elterntaxis“ vor den Schuleingängen anzugehen (die BZ berichtete). Außerdem wurden elf Querungshilfen für einen sicheren Schulweg geschaffen. Auf die Frage, wie sich die Hol- und Bringzonen inzwischen bewährt haben, meint Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung, dass man grundsätzlich neuen Verkehrsangeboten Zeit geben müsse. „Neue Abläufe müssen sich erst einspielen.“

Bei der Schillerschule und den ersten Hol- und Bring-Zonen auf dem Parkplatz beim Bissinger Friedhof und in der Gerokstraße habe es einige Zeit gedauert, bis diese – nun aber sehr gut – angenommen und von der Schillerschule auch sehr geschätzt würden. Dagegen würden die zwei Hol- und Bring-Zonen der Ludwig-Heyd- und der Gustav-Schönleber-Schule von der Stadt wieder abgebaut, da es im Wohngebiet keinen hohen Parkdruck gebe und nach den Erfahrungen der Schulen diese doch nicht benötigt würden. „Auf Wunsch der Schulen sollen die anderen Hol- und Bring-Zonen beibehalten werden“, erklärt die Sprecherin.

Diese würden allerdings unterschiedlich stark genutzt. Die Hol- und Bring-Zone der Ellentalgymnasien werde etwa sehr gut angefahren. Ein Problem sei, dass die Hol- und Bring-Zonen teilweise von Falschparkern blockiert würden. „Hierzu haben wir den Schulen Infoflyer zum Verteilen ausgegeben“, so Hochmuth. Zudem seien die Schulen gebeten worden, die Hol- und Bring-Zonen stärker zu bewerben.

„Wir warten noch einige Monate ab, wie sich die Nutzung entwickelt“, sagt die Sprecherin zum weiteren Vorgehen. Bei einigen Hol- und Bring-Zonen (Parkplatz Farbstraße, Panoramastraße, Schwarzwaldstraße) würden in Kürze die Sperrzeiten gelockert beziehungsweise es werde Kurzzeitparken für alle eingerichtet.

Ideen beim Schulwege-Check

In Sachsenheim tritt laut Bürgermeister Holger Albrich das Phänomen der von „Elterntaxis“ betroffenen Orte wie überall dort auf, wo es Kindergärten und Schulen gibt, besonders an engen oder verkehrsbelasteten Orten. Die Stadt habe einen aktuellen Auswertungsbericht der AGFK (Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen ) vorliegen. Dabei „wird der Schulweg eine besondere Aufmerksamkeit erhalten“, so Albrich. Immer wieder gebe es zudem Kontrollen vor den Schulen in Zusammenarbeit mit der Polizei.

Am 4. November fand der Schulwege-Check Kirbachtal in Hohenhaslach statt. Dabei ging es auch darum, an der Kirbachschule in der Klingenstraße Abhilfe für parkende „Elterntaxis“ zu finden. „Es gibt die Möglichkeit von sogenannten ‚Laufbussen‘, bei denen sich die Kinder an festgelegten Haltestellen treffen und gemeinsam, eventuell auch unter Begleitung von Erwachsenen, zur Schule laufen“, schlug Judith Nienstedt von der LEA (Energieagentur Kreis Ludwigsburg) vor. Möglich ist diese Variante auch als „Fahrradbus“, bei dem die Schüler den Schulweg mit dem Fahrrad gemeinsam mit Erwachsenen zurücklegen.

Zudem regte Anna Schemainda von der LEA an, „Elterntaxi-Zonen“ vor der Schule einzurichten, in der Eltern mit ihren Autos parken dürfen, aber nicht darüber hinaus.

Beim Neubau und der Sanierung der Schulen, etwa im Kirbachtal, werden diese Ideen aufgegriffen, verspricht Albrich. Die Stadt habe dieses Thema im Blick. Um die sinnvollsten Maßnahmen zu finden und umzusetzen, „werden wir uns mit den Schulen, den Eltern, unseren Gremien und natürlich Experten austauschen.“

 
 
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