Kinogänger, die es mittlerweile gewohnt waren, spontan in einen Film zu gehen und auch beim Ticketkauf an der Kinokasse statt online noch freie Platzwahl oder sogar den Saal für sich allein zu haben, dürften in den vergangenen Wochen nicht schlecht gestaunt haben. Seit „Odyssee“ von Regisseur Christopher Nolan in den deutschen Kinos läuft, sind die Säle voll und die Tickets ausverkauft – gerade in den viel besprochenen Imax-Sälen, von denen es in ganz Deutschland nur 16 Stück gibt, den nächsten in Leonberg.
Kreis Ludwigsburg „Die Filme entscheiden, wie es dem Kino geht“
Die „Odyssee“ hat auch in Ludwigsburg für lang nicht mehr dagewesene Besucherzahlen gesorgt. Ist jetzt bei den Kinos alles wieder gut?
Aber nicht nur dort, sondern auch in Kinos mit gewohnten Leinwandformaten zieht der Film, mittlerweile in Spielwoche zehn, immer noch zahlreiche Besucher an: „‚Odyssee’ läuft am Wochenende im Großen Haus immer noch zwei mal täglich“, sagt der Inhaber der Central- und Union-Filmtheater in Ludwigsburg, Claus Wollenschläger. Zum Vergleich: Weniger gut laufende Filme würden oft nach zwei bis drei Wochen abgesetzt, kommt ein Film besser an, betrage die Spielzeit etwa sechs Wochen. Hat „Odyssee“ das Kino aus seiner Krise geholt? Nein, so der Kino-Inhaber: „Probleme haben wir immer noch.“ Kino sei durch Streamingdienste und die ständige Verfügbarkeit der Filme in den Hintergrund gerückt.
Filme für die große Leinwand
Deshalb müsse man sich wieder auf Filme konzentrieren, die für das Kino gemacht sind: Filme für die „große Leinwand“ mit „fettem Sound“. Beim Kinofest am Wochenende des 12. und 13. Septembers, bei dem man für fünf Euro ein Ticket bekam, seien genau solche Titel nachgefragt worden, neben „Odyssee“ auch der neue „Spider-Man: Brand New Day“. Auch „Vaiana“ und „Minions und Monster“ waren ausverkauft, „Der Super Mario Galaxy Film“ und „Obsession“ liefen in den vergangenen Wochen ebenfalls gut, so Wollenschläger. „Das Interesse an Kino ist da, es fehlen aber manchmal die Filme“, erklärt er, aber „die Filme entscheiden, wie es dem Kino geht“.
2026 bezeichnet der Kinoinhaber als „gutes Kinojahr“, das Central- und Union-Filmtheater verzeichnet gerade einen Zuwachs von 39 Prozent an Besuchern im Vergleich zum Vorjahr und ist noch zwölf Prozent unter den Zahlen des Coronavorjahres. „Wir sind zuversichtlich, da wieder ranzukommen“, sagt Wollenschläger. Zumindest einen Teil der guten Zahlen können die Kinos „Odyssee“ verdanken, denn der Erfolg des Films hat sich teilweise auf andere Titel ausgewirkt. So lief „Vaiana“ laut Wollenschläger zu Beginn seiner Spielzeit schlecht, lockt nun aber in der elften Spielwoche immer noch 200 Besucher an. Gut sei, wenn Kinobesucher vor dem Film Werbung für andere Kinofilme sehen, denn dann bleibe das Kino im Kopf. Wenn man hingegen ein Jahr lang nicht ins Kino gehe, gerate es dadurch in Vergessenheit. Den deutschen Film „Der perfekte Urlaub“, die Fortsetzung von „Das perfekte Geheimnis“, der im Oktober ins Kino kommt, nennt Wollenschläger als ein Beispiel, „wo es wichtig ist, dass die Menschen das schon mal gehört haben“. Aber er weiß auch: „Wenn ein Film schlecht ist, will es keiner sehen, egal wie viel Werbung gemacht wird.“
Das Kino als Erlebnisort sei aber nach wie vor in den Köpfen der Menschen, Wollenschläger setzt deshalb bewusst auf Eventisierung. Der Plan für die Zukunft ist klar: „Wir müssen uns von den Streamern abheben und großes Kino machen.“
